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06.07.2010

Wenn der Badespaß unter die Haut geht

Nach dem kühlen Bad im Schnerzhofer Weiher klagten in den vergangenen Wochen vereinzelte Schwimmer über Hautausschlag. Die Ursache für die juckenden Quaddeln könnten ansonsten ungefährliche Gabelschwanzlarven sein. Archivfoto: Johannes Möhring

Markt Wald Ein Bad im Schnerzhofer Weiher hat in den vergangenen Wochen einigen Schwimmern nicht nur die gewünschte Abkühlung, sondern vereinzelt auch einen juckenden Hautausschlag beschert. Nach einer ersten Einschätzung des Gesundheitsamtes, das von der Gemeindeverwaltung informiert worden war, könnten Gabelschwanzlarven (so genannte Zerkarien) die Ursache sein. Aufschluss soll eine mikrobiologische Gewässeruntersuchung geben, mit deren Ergebnis jedoch frühestens Anfang nächster Woche zu rechnen sein wird.

Entgegen ihres etwas martialischen Namens sind die Gabelschwanzlarven für Menschen zwar ungefährlich, aufgrund des starken Juckreizes, den sie auslösen können, aber sehr unangenehm. Bei den mit bloßem Auge nicht sichtbaren Parasiten handelt es sich um Larven von Saugwürmern. Diese legen ihre Eier in die Därme von Wasservögeln, von wo aus sie über den Kot ins Wasser gelangen. Dort schlüpfen dann die Larven, die in Schlammschnecken eindringen und sich in ihnen stark vermehren. Bei ausreichender Wärme verlassen bis zu 10 000 Larven einen einzigen Zwischenwirt und suchen nun selbst einen Wasservogel, in den sie ihre Eier ablegen.

Die roten Quaddeln heilen folgenlos ab

Weil Zerkarien aber offensichtlich nicht unterscheiden können, ob neben ihnen Enten oder Menschen ihre Bahnen ziehen, bohren sie sich auch in die Haut der Schwimmer. Weit kommen die Larven dabei aber nicht: Weil der Mensch ein so genannter "Fehlwirt" ist, sterben sie rasch ab. Die Folge ist jedoch eine Badedermatitis, im Volksmund als "Weiherhibbel" bekannt: Wer gestochen wurde, bemerkt meist innerhalb weniger Minuten ein leichtes, schwer lokalisierbares Jucken und gerötete Flecken auf der Haut. Nach zehn bis 24 Stunden bilden sich dann dunkelrote, etwa drei bis acht Millimeter große, teils heftig juckende Quaddeln. Nach zehn bis 14 Tagen klingen sie aber vollständig ab, gesundheitliche Folgen sind nicht zu befürchten.

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Auch Dr. Christian Hellmich vom Gesundheitsamt in Mindelheim sieht keinen Grund zur Beunruhigung oder gar zur Panik: "Das ist eine Allerweltsgeschichte und so ungefährlich wie ein Mückenstich. Zerkarien können in jedem Gewässer vorkommen." Über die Wasserqualität sage das Vorkommen der Parasiten nichts aus. Hellmich vermutet, dass die langanhaltende Kälteperiode im Mai und Juni den Entwicklungszyklus der Gabelschwanzlarven verzögert haben könnte und die jetzige Wärme zu einem synchronisierten Auftreten der Tiere geführt hat.

Ob dem so ist, wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach aber nicht mehr klären lassen: "Zerkarien sind im Wasser sehr schwer nachzuweisen", so Hellmich. Denn außerhalb der Schnecken überleben sie nur 24 Stunden. Die kleinen Plagegeister können also längst eingegangen sein oder einen Wirt gefunden haben.

Wasservögel nicht füttern, um Verbreitung einzudämmen

Trotzdem wird das Wasser aus dem Weiher eingehend untersucht - auch um mit Sicherheit auszuschließen, dass nicht Blaualgen die tatsächliche Ursache für den Juckreiz sind. Die Bakterien hatten im vergangenen Jahr den Weiher mit dem charakteristischen Schmierfilm überzogen, der bislang jedoch noch nicht beobachtet wurde. Auch die Witterung der vergangenen Wochen spricht laut Hellmich eigentlich gegen Blaualgen.

Da Gabelschwanzlarven auf Wasservögel angewiesen sind, rät der Experte, sie nicht zu füttern, um eine weitere Verbreitung der Vögel und damit ihrer Parasiten zu vermeiden.

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