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14.05.2008

Wenn ich vergnügt bin, mach ich Musik

Zu Beginn wurde der Vorsitzende der Bürgerstiftung Mindelheim, Alfred Brugger, richtig philosophisch, als er feststellte: "Die Globalisierung der Welt, das Arbeiten und Geldverdienen darf nicht einziger Maßstab sein; es entmündigt den Bürger!"

Und er fuhr fort, dass für ein lebenswertes Dasein ein soziales Miteinander in einem überschaubaren Wirkungskreis durch persönliches und finanzielles Engagement notwendig sei.

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Dass dieser Gedanke in der Frundsbergstadt schon seit jeher auf fruchtbaren Boden gefallen ist, zeigte sich auf der Benefizveranstaltung am Freitagabend im voll besetzten Mindelheimer Stadttheater.

Benefizveranstaltungen dürfen heutzutage nicht nur einem guten Zweck dienen; die Zuhörer wollen auch ein qualitativ hochstehendes und kurzweiliges Programm sehen und hören. Kulturamtsleiter Christian Schedler zeigte schon immer ein Gefühl für Planung und Durchführung solcher Veranstaltungen: Die Führung durch das Programm beschränkte sich auf das Notwendigste und war witzig-ironisch; das galt auch für die Zwischenansagen der drei mitwirkenden Gruppen. Die zweieinhalb Stunden vergingen wie im Fluge.

Wenn ich vergnügt bin, mach ich Musik

Natürlich spielte der laue Früh-lingsabend mit; man war aufnahmebereit für die komödiantischen Texte, die die "Mindelharmonists" im Stile ihres großen Vorbildes, der "Comedian Harmonist" aus den 30er Jahren boten. Die Verehrer der Veronika mit ihren Frühlingsgefühlen, der Onkel Bumba, die russisch tanzende Sonja machte den fünf, in Stimme und Performance routinierten Mindelheimer Sängern, keine Probleme. Ihre hohe musikalische Qualität, auch ihre Textsicherheit im Umgang mit den umfangreichen Comedian-Texten, war jedoch in den beiden Klassikparodien nach Antonin Dvorak "Eine kleine Frühlingsweise" oder "Sonnbeglänzt die Puszta liegt" zu spüren. Gabi Laxgang war am Flügel den fünf Weltwanderern eine kongeniale Begleiterin.

Die Programmauswahl des 2. En-sembles, des Kammerchores "Vocal Total", war hochklassig und brachte Chormusik vom Feinsten zu Gehör. Bis auf zwei Liedsätze ("Wach auf mein Herzens Schöne" von Walter Rein und "Die Nachtigall" von Felix Mendelssohn-Bartholdy) kamen die Volksliedsätze "Am Brünnele" von Eduard Nößner, "Feinsliebchen, du sollst mir nicht barfuss gehen" von John Hoybye, "Es klappert die Mühle am rauschenden Bach" von Ralph Hoffmann und "Kein schöner Land in dieser Zeit" von Wolfram Buchenberg in moderner Gewandung daher. Professor Max Frey, ein gebürtiger Mindel-heimer, leitete souverän und war voll des Lobes über die Chorarbeit des erkrankten Dirigenten von "Vocal Total", Jürgen Michels. Joe Garlands "In the Mood" war natürlich ein abschließender Knaller.

Den 2. Teil des Konzertes gestaltete die Mindelheimer Stadtkapelle in ungewohnter Kleidung und ebenso ungewohnter Formation. Martin Wiblishauser machte es sichtlich Spaß, "andere" Blasorchestermusik zu präsentieren. Seine Freude übertrug sich auf die Mitglieder, man sah und hörte dies.

Vielleicht liegt der Eindruck des "Big Sounds" noch mehr auf "Big"; rund 50 Mann geben doch klanglich etwas her. Leider, so betonte der Dirigent, spielen die "leiseren Holzbläser" wie Querflöten und Klarinetten eine geringe Rolle; die Tuben mit ihrem warmen Klang wurden kurzerhand umbesetzt (Posaune, Gitarre, Keyboard). Es dominierten die Blechbläser, die Saxofone mit den feinen Soli und natürlich das Schlagzeug. Letzteres legte gleich bei "Groovin Around" von Otto M. Schwarz ein beträchtliches Solo vor und jazzig ging es mit "Sammy" von Andrea Ravizza weiter.

Dann griff die Überraschung des Abends, die Jazz- und Soulsängerin Eva Wild, nach dem Mikrophon und legte in "Blue Moon" von R. Rodgers und "Halleluja, I love him so", einer als Liebeslied verarbeiteten Gospel-Hymne von R. Charles, einen profihaften Auftritt hin. Begeisterter Beifall, den das Publikum auch für die Schlussnummer "Co-pacabana" von Barry Manilow spendete. So heizten Eva Wild und die Stadtkapelle mit diesem "heißesten Ort nördlich von Havanna" in seiner lateinamerikanischen Folklore den Zuhörern nochmals richtig ein.

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