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Kunst in Oberauerbach

13.05.2015

Wenn nachts die Muse küsst

Nina Schmid aus Oberauerbach vor ihrem München-Bild.
2 Bilder
Nina Schmid aus Oberauerbach vor ihrem München-Bild.
Foto: Tina Schlegel

Nina Schmid aus Oberauerbach hat sich die Malerei selbst erarbeitet. Jetzt steht sie vor einem ersten großen Erfolg

Über 500 Künstler haben sich für dieArtmuc beworben, eine Messe für zeitgenössische Kunst in München (14. bis 17. Mai). In diesem Jahr wird auch eine Mindelheimer Künstlerin unter den ausgewählten rund 80 Künstlern sein: Nina Schmid aus Oberauerbach (Hier geht's zu ihrer Homepage).

Als sie Anfang Februar die Nachricht erhielt, konnte sie es kaum glauben. „Das ist so eine riesen Sache“, sagt Schmid, „da brauchte ein paar Tage, bis man es realisiert hat.“ Nina Schmid wird dort ihre Architekturbilder zeigen - Stadtansichten aus München, Augsburg und New York, etwa, das Olympiastadion und vielleicht sogar die Mindelburg, Gebäude, die sie faszinieren, deren architektonische Gestaltung ins Bild zu bannen eine Herausforderung war.

Es sind die ganz exakten und filigranen Maltechniken, die Schmid immer wieder begeistern. Ein verspielter Gegensatz zu den klar strukturierten Architekturbildern indessen sind ihre bezaubernden kleinen Tiere: Ein Füchschen mogelt sich da auf eine Seite mit Musiknoten, ebenso ein Rabe, der sich ganz nebenbei noch mit einem weißen Kaninchen unterhält; eine Schnecke kriecht über eine Kugel aus Blattgold, Käfer, Falter, Libellen flirren flüchtig über das Bild und sind doch eingefangen in ihrer Bewegung.

Je feiner es wird, desto beruhigender wirke es auf die Malerin, die noch immer in ihrer gemütlichen Küche arbeitet und gern auch mal experimentiert: Acryl und Aquarell auf Leinen, Wasserfarben, Blattgold, Notenblätter oder ein alter Koffer als Grundlage. „Manchmal wäre ein eigenes Atelier schon fein“, gibt sie zu, „dann müsste nicht immer alles wieder verschwinden bis zum nächsten Morgen.“ Schmid malt bevorzugt nachts, wenn es still ist um sie herum.

Ihr Stil lebt vor allem von ihrer Fähigkeit, Exaktheit mit Leichtigkeit zu koppeln. Dabei ist Schmid Autodidaktin, nie sei Zeit für eine Ausbildung gewesen. Schule, die Suche nach einer „sinnvollen“ Ausbildung, die Gründung der eigenen Familie haben das Kunstthema immer wieder verschoben. 2001 hat sie sich an der Staatlichen Berufsfachschule für Glas und Schmuck in Kaufbeuren-Neugablonz beworben. Allerdings musste sie feststellen, dass sie längst ihren eigenen Stil gefunden hatte. Der Durchbruch als Künstlerin sollte indessen noch auf sich warten lassen. Erst 2013 konnte sich Schmid zu einer Ausstellung im Türkheimer Schloss entschließen. Zwei Drittel ihrer Bilder waren damals verkauft worden. Doch selbstkritisch und bescheiden wie Schmid als Künstlerin auftritt, verlief auch dieser Erfolg eher still.

2015 allerdings dürften die Teilnahme an der Artmuc und mindestens zwei weitere Ausstellungen in München – davon eine Einzelausstellung mit den Tierbildern unter dem Titel „Nachts, wenn mich die Muse küsst“ in der Friday Gallery (19. Juni bis 8. Juli) – die Wende bringen. Schmid ist eine Künstlerin fernab des selbstdarstellerischen Gehabes, das den Kunstmarkt bisweilen so enervierend macht. Vielleicht weil sie einen so langen Weg gegangen ist, weil sie so lange nur für sich gemalt hat und nicht für den Erfolg, und weil sie das, was sie malt, selbst unheimlich liebt - und das kann man jederzeit und überall, auch in einer Wohnküche und im Stillen.

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