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Trinkwasser

10.05.2017

„Wer auf seine Gesundheit achtet, muss abkochen“

Stefan Bröll vom Spezialunternehmen MUVA Kempten nimmt eine Trinkwasserprobe im Türkheimer Kindergarten St. Elisabeth. Derzeit wird flächendeckend das Trinkwasser auf Bakterienbefall untersucht.
Bild: Alf Geiger

Dr. Wolfgang Glasmann vom Gesundheitsamt warnt vor Leichtsinn, denn: Noch kann keine Entwarnung gegeben werden

Für viele Verbraucher in Türkheim, Irsingen und Berg ist es schon zur Routine geworden: Sie kochen ihr Trinkwasser ab, manche haben sich dazu extra Behälter angeschafft, in denen das abgekochte Wasser aufbewahrt wird. Seit 2. Mai wird kein Chlor mehr in das Leitungsnetz eingespeist.

Anderen geht die „Abkoch-Verordnung“ jedoch weiterhin gehörig auf die Nerven – was Dr. Wolfgang Glasmann, Chef des Gesundheitsamtes, durchaus verstehen kann. Doch er warnt eindringlich davor, die Abkoch-Verordnung auf die leichte Schulter zu nehmen.

Denn nach wie vor besteht laut Glasmann das Risiko, sich eine ernste Krankheit einzuhandeln, wenn das Leitungswasser ungekocht geschluckt wird: „Wer auf seine Gesundheit achtet, der muss weiter abkochen“, betont der Chef des Gesundheitsamtes eindringlich.

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Zwar gibt es durchaus Hoffnung, dass die Ursachen für die Verunreinigungen tatsächlich gefunden und beseitigt werden konnten – doch bevor nicht auch der letzte Rest an Chlor aus dem gesamten Leitungsnetz ausgespült wurde, kann die Behörde keine gesicherten Angaben machen oder gar die Abkoch-Verordnung aufheben.

Um auf Nummer sicher zu gehen, werden flächendeckend an drei Tagen in der Woche Proben genommen und auf coliforme Bakterien untersucht. Momentan ist der Anteil an Chlor noch immer so hoch, dass das Chlor desinfizierend wirkt und damit eine Feststellung, ob noch Keime im Trinkwasser enthalten sind, unmöglich ist.

Glasmann denkt, dass erst gegen Ende dieser Woche das gesamte Chlor ausgespült ist – und dann muss sich erst über einen längeren Zeitraum zeigen, ob wirklich keine Keime mehr auftreten.

Seit am Freitag, 24. Februar, erstmals eine erhöhte Konzentration von coliformen Keimen im Trinkwasser nachgewiesen worden ist, mussten die Bürger ihr Trinkwasser zunächst abkochen und auch beim Duschen oder Baden aufpassen. Dann wurde dem Trinkwasser Chlor zugesetzt, um die Keime möglichst schnell abtöten zu können; alle Haushalte wurden aufgerufen, ihre Leitungen gründlich zu spülen.

Mit Erfolg: Bis zum 7. März ging das zunächst so, dann gab das Staatliche Gesundheitsamt erstmals Entwarnung. Die Suche nach der Ursache war so schwierig, weil es nicht nur eine Stelle gab, an der Bakterien eindringen konnten. Offenbar waren nicht zugelassene Verbindungsleitungen zwischen Regenwasser-Zisternen und dem Leitungsnetz das Problem.

Solche Regenwasser-Zisternen sind als Brauchwasserspeicher beliebt und werden neben der Verwendung als Gießwasser auch zur Toilettenspülung oder zum Betrieb von Waschmaschinen verwendet. Eine direkte Verbindungsleitung zwischen Zisterne und dem Leitungsnetz ist zwar verboten, wird aber offenbar häufiger eingesetzt, um Druckschwankungen zu vermeiden.

Auf diesem Weg konnten dann offenbar Bakterien aus dem Regenwasser in das Leitungsnetz eindringen. Für die Verursacher, so sie denn eindeutig identifiziert werden können, kann dies durchaus unangenehme Folgen haben. „Das ist kein Kavaliersdelikt“, sagte Dr. Wolfgang Glasmann, Chef des Gesundheitsamtes in Mindelheim. Zumindest ein saftiges Bußgeld für eine Ordnungswidrigkeit droht in solchen Fällen.

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