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Landkreis Unterallgäu

18.12.2020

Wer im Unterallgäu erhält zuerst die Corona-Impfung?

Ein Arzt und eine Pflegefachkraft simulieren eine Impfung mit einem Corona-Impfstoff im Rahmen eines Probedurchlaufs. Schon zwischen den Jahren sollen laut Gesundheitsminister Jens Spahn die Impfungen beginnen. Offenbar sollen Ärzte entscheiden, welche Risikogruppen dabei oberste Priorität haben.
Bild: Jens Kalaene, dpa (Symbolbild)

Plus Die Politik will, dass Ärzte per Attest festlegen, welche Risikogruppen den Vorrang haben. Das sorgt für Kritik bei Allgäuer Medizinern. Warum es Bedenken gibt.

Gesundheitsminister Jens Spahn hat angekündigt, dass zwischen den Jahren die Corona-Impfungen beginnen sollen. Deutschland sei „vorbereitet“, sagte der CDU-Politiker. Doch eine Frage bleibt: Wer entscheidet, welche Risikopatienten zuerst geimpft werden? Laut Kassenärztlicher Vereinigung Bayerns (KVB) hat das Bundesgesundheitsministerium einen Entwurf für eine entsprechende Verordnung vorgelegt.

Darin sei vorgesehen, dass niedergelassene Haus- und Fachärzte den Risikopatienten per Attest eine Impfberechtigung ausstellen. Das sieht die KVB allerdings kritisch. „Die Entscheidung darüber, wer gerade jetzt in der Anfangsphase vorrangig geimpft wird, kann und darf nicht dem einzelnen Arzt aufgebürdet werden“, heißt es seitens des KVB-Vorstands.

Unklare Kriterien und Bürokratie

Diese Vorstellung sei „weltfremd“ und verursache neben „erheblichem bürokratischen Aufwand“ auch eine „Beeinträchtigung des vertrauensvollen Arzt-Patienten-Verhältnisses“. Vielmehr sei es Sache der Politik, klare Prioritäten festzulegen, anstatt die Verantwortung den Ärzten zu übertragen, argumentiert die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns. „Die Frage ist: Wer kann es sonst entscheiden?“, sagt hingegen Dr. Gregor Blumtritt, Corona-Koordinierungsarzt für das Ostallgäu und Kaufbeuren sowie Leiter der beiden entsprechenden Impfzentren. „Es kennt ja niemand sonst sämtliche Vorerkrankungen.“

Blumtritt sagt zwar, es müsse definitiv klare Kriterien geben, nach denen die Mediziner dann entscheiden können. Aber so kleinteilig könne man bestimmte Risikofaktoren kaum herunterbrechen, als dass Ärzte ganz außen vor bleiben könnten. Grundsätzlich fände er es aber am besten, an die Vernunft der Leute zu appellieren, anstatt auf ärztliche Atteste zu setzen. „Ich denke, dass es sich regeln würde und die Leute das selber vernünftig einschätzen würden“, sagt Blumtritt.

Heimbewohner und Pflegepersonal brauchen kein Attest

Was für den Arzt aber definitiv feststeht: Sobald der Impfstoff verfügbar sei, werde er zuerst die Heimbewohner und das Pflegepersonal impfen. „Die brauchen kein Attest, die sind auf jeden Fall Risikogruppe.“ Das sieht der Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbands Lindau, Dr. Klaus Adams, genauso: „Das sind die Gruppen, die am meisten gefährdet sind, da braucht man noch keine große Entscheidung.“ Für die anderen Risikogruppen, die ebenfalls vorrangig eine Corona-Impfung bekommen, sollten Mediziner aber seiner Meinung nach keine Impfberechtigungen ausstellen müssen: „Viele Mediziner sind momentan mit der reinen Patientenversorgung schon am Limit“, sagt Adams. „Solche Atteste würden den Ärzten noch mehr Arbeit machen.“ Er sehe es wie die Kassenärztliche Vereinigung, sagt Adams.

Das heißt: Die Politik solle klare Prioritäten festlegen, wer wann geimpft wird. „Es gibt dann immer noch eine Grauzone“, sagt er. „Dann würde einer vielleicht ein bisschen früher geimpft als ein anderer.“ Aber man könne es eben nicht hundertprozentig richtig machen.

Das sagt das Bayerische Gesundheitsministerium

Ein Sprecher des bayerischen Gesundheitsministeriums sagt, er habe großes Verständnis für die Bedenken der Ärzte. Dennoch könnten sie am besten attestieren, dass jemand eine Vorerkrankung hat – „und das ist für die Priorisierung wichtig“. Derzeit werde das bayerische Impfkonzept an Empfehlungen des Bundesgesundheitsministeriums angeglichen. Bevor ein Impfkonzept aber „ganz konkret werden kann“, müsse erst ein Impfstoff zugelassen sein, sagt der Sprecher.

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