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Bad Wörishofen

14.12.2018

Wer vermarktet Kneipp am besten?

Kneipp Denkmal am Denkmalplatz Bad Wörishofen.
Bild: Foto Hartmann

Der Stadtrat entscheidet darüber, ob Bad Wörishofen einen Marketing-Manager einstellt. Dabei wird schnell klar, dass es dabei um viel elementarere Fragen geht.

Eigentlich ging es im Stadtrat um die Frage, ob die Kneippstadt einen Marketing-Manager braucht. Tatsächlich ging es aber um die Frage, was Bad Wörishofen eigentlich künftig sein will – und wie man das den Menschen am besten mitteilt, um mehr Gäste, vor allem aber mehr Übernachtungen zu generieren. Vor allem Wirtschaftsreferent Alwin Götzfried (FW) hatte diesen Punkt in den Fokus gestellt.

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„Aus meiner Sicht hat der Kur- und Tourismusbetrieb kein klares Briefing“, stellte Götzfried fest. Soll heißen: Dort weiß man nicht genau, was die Verantwortlichen eigentlich erwarten. „Wir müssen uns mal einig darüber werden, was wir wollen“, appellierte Götzfried. Er sagte auch: „Führungsstil und Absatzerfolg bedingen sich gegenseitig“, das sei ein Grundsatz des Marketings.

So eine Zielführung sei vernünftig, stellte SPD-Fraktionssprecher Stefan Ibel fest. „Das ist ein Grund, warum wir sagen, ein Experte muss her“, betonte Ibel. Die Sozialdemokraten hatten den Antrag gemeinsam mit den Grünen eingebracht. „Es geht uns darum, die Lehre Kneipps zeitgemäß zu vermarkten“, stellte dazu Stadtentwicklungsreferent Daniel Pflügl (Grüne) klar. „Wir wollen, dass Bad Wörishofen eine Kurstadt und ein Heilbad bleibt und dass aus dem nebulösen Begriff Kneipp etwas Greifbares wird“, sagte Grünen-Fraktionssprecherin Doris Hofer. Es gelte auch, Vertrauen bei Investoren zu schaffen. Bad Wörishofen sei ein guter Standort für Hotels, sagt Hofer.

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Über den Rückgang der Kurgäste in Bad Wörishofen

Dass es eine solche Stelle nicht braucht, sagte dagegen FW-Fraktionssprecher Wolfgang Hützler. Man habe Produkte, die gut angenommen werden und Personal, welches „die Aufgaben gut bewältigt“, stellte er fest. Die Stadt habe weder Burgen, Schlösser, Berge oder andere landschaftliche Attraktionen zu bieten. Man habe aber eigene Zielgruppen: Senioren, Familien, Radfahrer. Der Kurbetrieb habe das gut im Griff. Zudem spreche er mit Ärzten, die ihm sagen, vor Jahren noch hätten sie pro Quartal 100 Kurgäste gehabt, heute noch 15. Im Kurwesen könne man dem vielleicht mit Präventivkuren begegnen, einen Manager brauche man dazu aber nicht.

Mit Unverständnis reagierte Stefan Ibel auf Hützlers Aussagen. „Herr Hützler sagt: Die Kur ist tot, also brauchen wir auch nichts tun“, stellte Ibel fest. Wozu also beschäftige man noch eine eigene Abteilung mit 30 Mitarbeitern, fragte Ibel süffisant. Ibel hält einen Marketing-Manager für notwendig. Bei der CSU ist man sich da nicht so sicher. „Für uns stellt sich die Frage: Investieren wir mehr in Kanoniere oder mehr in Kanonenkugeln“, sagte Zweiter Bürgermeister und Fraktionssprecher Stefan Welzel. Es gehe ja auch um die Frage der Einarbeitungszeit im Hinblick auf die Jubiläen „100 Jahre Kurort“ in 2020 und dem 200. Kneipp-Geburtstag ein Jahr später. „Das gilt aber auch für Agenturen“, stellte Doris Hofer fest. Welzel hatte die Frage in den Raum gestellt, ob nicht Werbeagenturen vielfältigere Kontakte hätten als ein einzelner Manager haben kann.

Personelle Neuigkeiten zum anstehenden Doppeljubiläum in Bad Wörishofen

Die Zielrichtung der Vermarktung, Kneipp und Bad Wörishofen, könne die CSU aber „zu 100 Prozent unterstützen“, machte Welzel klar. Er, wie auch Bürgermeister Paul Gruschka (FW) legten dann Wert auf die Sicht von Kurdirektorin Petra Nocker. „Ich kann nicht erkennen, dass man hier in Sachen Marketing nichts tut“, stellt Gruschka fest. Mit Blick auf die Zahlen des Bayerischen Heilbäderverbandes könne er auch nicht glauben, dass „Sie mit einem Wundermann alle möglichen Steigerungen erreichen“, sagte Gruschka an die Adresse der Antragssteller. Schon einmal hatte der Bürgermeister die Zahlen herangezogen um zu zeigen, dass keines der Kneipp-Heilbäder große Sprünge macht. „Natürlich müssen wir unsere Hausaufgaben machen; aber das tun wir auch“, stellte er klar.

Petra Nocker berichtete dem Stadtrat, dass die Marketingleiterin Cathrin Herd derzeit auf einen touristischen Masterabschluss hinarbeite. Zudem übernehme im Januar Veronika Heim die Projektstelle für das Kneipp-Jubiläum. Heim hatte einst als Auszubildende der Stadt Bad Wörishofen einen Spitzenabschluss hingelegt und studiert nun ebenfalls mit dem Ziel Masterabschluss.

„Wir verfügen damit über zwei top ausgebildete und vor Ort bestens vernetzte Fachkräfte“, betonte Nocker. Gemeinsam mit dem touristischen Beirat Bad Wörishofens habe man zudem gerade erst einen Marketingplan erarbeitet und Zielgruppen definiert. Was Nocker aber auch sagte: „Kneipp braucht einen Ort, an dem seine Lehre attraktiv vermarktet werden kann.“ Das fehle in Bad Wörishofen, ein Museum mit „der Haptik von vor 30 Jahren kann das nicht leisten“, kritisierte Nocker. „Wir brauchen so einen Ort, wir sollten uns von der Finanzierung nicht entmutigen lassen“, appellierte sie.

Ein Schatz, auf dem eine Staubschicht liegt“ nennt der Stadtentwicklungsreferent von Bad Wörishofen die Kneipp-Therapie

Daniel Pflügl hatte eingangs erklärt, der Antrag sei ausdrücklich nicht als Kritik an der aktuellen Arbeit des Kurbetriebs zu verstehen. „Wir wollen nur die Möglichkeiten erweitern.“ Man habe in Bad Wörishofen mit Kneipp „einen Schatz, auf dem aber eine Staubschicht liegt.“ Kneipp solle aber wieder glänzen. „Dazu müssen wir uns aber besser aufstellen“, betonte Pflügl. Claus Thiessen (FDP) wiederum sagte, man solle aufhören, auf externe Hilfe zu warten. Man habe „vor 11 Jahren schon so einen Fehler beim Zinsmanagement gemacht“, sagte er, was zu Unmutsäußerungen in der Ratsrunde führte, wo man Thiessens Meinung mehrheitlich nicht teilt. Am Ende konnten sich Grüne und SPD mit ihrem Vorstoß nicht durchsetzen. Der Stadtrat lehnte die Schaffung der gewünschten befristeten Stelle mit 16:7 Stimmen ab.

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