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Unterallgäu

29.03.2019

Wie Schüler aus dem Unterallgäu für das Klima kämpfen

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Vertraten das Türkheimer Joseph-Bernhart-Gymnasium bei den "Fridays for Future"-Demos in München: Pauline Lincke, Sophie Maser, Tracy Henker, Benno Ackermann, Johanna Hölzle, Bernadette Vogel, Victoria Moser, Jakob Schneider, Florian Brunnbauer (von links).
Bild: Hölzle

Die „Fridays for Future“-Demos beschäftigen die Jugendlichen in der Region. Wo sie Verbesserungsbedarf sehen - und warum viele trotzdem nicht demonstrieren.

Von Schweden über die ganze Welt ins Unterallgäu: Was im vergangenen Jahr als Streik der damals 15-jährigen Greta Thunberg in Stockholm begann, hat mittlerweile unter dem Namen „Fridays for Future“ eine ganze Schüler-Generation erreicht. Auch aus dem Unterallgäu haben sich Jugendliche den wöchentlichen Demonstrationen angeschlossen – und sich anstecken lassen.

„Es war gut zu sehen, dass auch die Jugend die Initiative ergreifen und etwas für die Umwelt unternehmen kann, anstatt nichts zu tun“, sagt Hanna Zingerle. Sie besucht die elfte Klasse des Gymnasiums am Mindelheimer Maristenkolleg und war vor zwei Wochen mit rund zehn Mitschülern bei der Demonstration in Memmingen. Rund 450 Jugendliche kamen damals, um im Regen für Änderungen in der Klimapolitik zu protestieren – ein Erlebnis, das Spuren hinterlassen hat: „Man fühlt sich miteinander verbunden und bestärkt, wenn man gemeinsam für so etwas demonstriert“, so Zingerle.

Viele Schüler haben Angst vor den Konsequenzen

Weitere zehn ihrer Mitschüler waren unterdessen bei den Demonstrationen in München – genau wie ein Dutzend Schüler des Joseph-Bernhart-Gymnasiums in Türkheim. Hier sei die Stimmung gut gewesen, erzählt die Zehntklässlerin Johanna Hölzle. „Überrascht hat mich vor allem die Bandbreite der Teilnehmer: Dort waren Zwölfjährige genauso wie ganze Schulklassen, die mit ihren Lehrern eigene Exkursionen veranstaltet haben.“

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Insgesamt stammen bislang relativ wenige Demonstrationsteilnehmer aus dem Unterallgäu – die Schüler aus der Region sehen dafür verschiedene Gründe. „Einer davon ist sicherlich die räumliche Distanz“, sagt Christoph Buxbaum, Schülersprecher an der Realschule des Maristenkollegs. „Kaum jemand von uns hat einen Führerschein und schafft es deshalb, schnell von A nach B zu kommen.“ Christos Georgiadis, Bezirksschülersprecher der Mittelschulen in Schwaben, hat eine weitere Erklärung: „In München sind die Proteste mitten in der Stadt, da muss man blind sein, das nicht zu sehen. Hier in Mindelheim sind solche Aktionen nicht so präsent.“ Außerdem hätten viele Schüler Angst vor den Konsequenzen, schließlich sprächen manche Schulen auch Verweise für das freitägliche Nicht-Erscheinen aus.

"Wenn das jeden Freitag passiert, müssen wir neu überlegen"

Sorgen, die sich die Schüler aus der Region nicht machen müssen – bislang zumindest. So organisierte die Schulleitung des Joseph-Bernhart-Gymnasiums in Türkheim als Konsequenz eine Diskussionsrunde zum Thema Klimawandel, an der alle Schul-Streikenden teilnehmen mussten. Auch die Schüler des Maristenkollegs kamen ohne Bestrafung davon. Sie müssen aus Versicherungsgründen zumindest eine Beurlaubung durch ihre Eltern vorlegen. „Das ist aber nicht unendlich oft möglich“, sagt die stellvertretende Schulleiterin Brigitte Luther. „Wenn das jeden Freitag passiert, müssen wir neu überlegen.“

Den Vorwurf, viele Jugendliche würden die Demonstrationen als schlichten Vorwand benutzen, um die Schule zu schwänzen, weisen die Schüler von sich. Miriam Bernhard, Schülersprecherin am Gymnasium des Maristenkollegs, sagt: „Bei uns hat jeder darauf geachtet, welche Stunden er verpasst und wie er die Anzahl der verpassten Stunden möglichst minimieren kann. Das spricht doch dafür, dass es uns wirklich um die Thematik geht.“ Schwänzen wirke sich schließlich immer auch auf das Notenbild und damit den Abschluss aus.

Die Schüler sehen konkreten Verbesserungsbedarf - auch in der Region

Trotz der weltweiten Mobilisierung sieht Bernhard im Einzelfall noch weiteren Verbesserungsbedarf beim Thema Umweltbewusstsein: „Das Problem ist noch nicht bis zu allen durchgesickert. Deshalb wäre es notwendig, im Unterricht stärker darauf einzugehen – durch den Lehrplan sind den Lehrern aber oft die Hände gebunden“, so die 18-Jährige. Ihr Mitschüler Jonathan Viehweger ergänzt: „Dabei kommt es gerade auf den Einzelnen an, seinen Konsum anzupassen – sofern man sich das leisten kann.“

Trotzdem überlegen die Schüler, auch im Unterallgäu Demonstrationen zu veranstalten – bislang hapert es aber an der Organisation: „Von uns wussten die meisten gar nicht, dass in Memmingen auch demonstriert wird“, sagt Johanna Hölzle vom JBG in Türkheim. „Wenn die Leute keine Instagram-Beiträge teilen, bekommen wir viel nicht mit.“

Wichtig ist den Schülern, dass die Demos nicht zum Selbstzweck werden und dabei konkrete Forderungen aus dem Blick geraten. So soll etwa der geplante Kohleausstieg 2038 früher vollzogen werden. Aber auch lokal sehen sie Verbesserungsbedarf, wie Miriam Bernhard sagt: „Wenn die öffentliche Verkehrsanbindung gerade im ländlichen Raum besser wäre, könnten Schadstoffausstöße deutlich reduziert werden.“

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