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Buxheim

26.08.2020

Wie aus Schloss Buxheim das Marianum wurde

Mit der Verlegung der Oberstufe von Benediktbeuern nach Buxheim wird das Marianum zu einem Vollgymnasium erweitert. Dazu musste ein neues Oberstufengebäude gebaut werden. Das Bild stammt aus dem Jahr 1963 und zeigt den Rohbau dieses damals größten Bauprojekts des Landkreises Memmingen.

Nach 94 Jahren verlassen die Salesianer die Gemeinde im Unterallgäu. Wie es mit der Schule weiter geht.

Seit 94 Jahren wirken die Salesianer Don Boscos in der Buxheimer Kartause. Jetzt verlassen mit Pater Xaver Berchtold, Pater Erhard Staufer und Pater Michael Stutzig die letzten Ordensleute den Ort. Um das Don-Bosco-Werk in Deutschland zukunftsfähig zu gestalten, müssen Standorte reduziert werden. Die offizielle Verabschiedung fand wegen der Corona-Pandemie im nichtöffentlichen Rahmen statt.

Beim Rückblick wird der Pater aus Buxheim etwas wehmütig

„Ein bisschen Wehmut spielt da schon mit“, gibt Pater Staufer, Noch-Direktor in Buxheim, gerne zu. „Aber die Entwicklung unseres Ordens erfordert eine Zentralisierung. Und wir gehen mit der Gewissheit, dass gerade im schulischen Bereich mit dem Gymnasium Marianum unsere beinahe 100-jährige Arbeit im salesianischen Sinne weitergeführt wird.“ Das Gymnasium sei beim Schulwerk der Diözese Augsburg in besten Händen.

„Mariensöhne“ nannten die Salesianer ihren spätberufenen Priesternachwuchs. Da in den 1920er Jahren die Ausbildung dieser jungen Erwachsenen im Knabenseminar nicht bewerkstelligt werden konnte, kam den Ordensoberen in Süddeutschland eine Gelegenheit sehr zupass: Die 1803 säkularisierte Reichskartause in Buxheim stand 1925/26 zum Verkauf durch den damaligen Besitzer, den Grafen Waldbott von Bassenheim. Ein Teil der Klosteranlage wurde zwar wegen der katastrophalen Bewirtschaftung durch die Familie bereits 1916 vom Staat Bayern gekauft. Der Rest von „Schloss Buxheim“ bot aber ausreichend Platz für Internat und Schule.

Der Schulbetrieb in Buxheim startete mit 32 Schülern

Am Pfingstmontag 1926 trafen aus dem Salesianum München die ersten „Mariensöhne“ in Buxheim ein. Das Progymnasium, so lässt sich der Ordenschronik von Pater Georg Söll von 1988 entnehmen, nahm im September 1926 mit 32 Schülern die Arbeit auf. Entsprechend dem alten Namen der Kartause „Maria Saal“ wurde die salesianische Niederlassung Buxheim als „Marianum“ geführt.

Die Jahre bis Kriegsende 1945 waren laut Söll geprägt durch den Druck von oben: Die Weiterführung der Spätberufenen-Schule wurde 1937 untersagt. 1942 beschlagnahmte der „Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg“ (Alfred Rosenberg), eine Rauborganisation der NSDAP für Kulturgüter aus den besetzten Ländern, Räume im Buxheimer Kloster. Die Geschichte dahinter hatte vor einiger Zeit George Clooney in seinem Film „Monuments Men“ verarbeitet.

Im August 1953 übernahm Pater Siegfried Schäffler die Leitung der Niederlassung und setzte den Ausbau tatkräftig fort. Zudem begann er 1954 mit einem Neubau für Schule und Personal. 1956 weihte der Augsburger Bischof Dr. Josef Freundorfer die Kartausenkirche mit dem zwar geöffneten, aber weiterhin bestehenden Lettner – der Trennung von Brüder- und Priesterchor. Das dort beheimatete Hochbarock-Chorgestühl von Ignaz Waibel war von den Bassenheims versteigert worden und fand erst im Dezember 1980 wieder den Weg aus einem englischen Kloster nach Buxheim zurück, wo es nach 14 Jahren Renovierung seither wieder zu sehen ist.

Dass nun, nach dem Weggang der letzten Salesianer nach 94 Jahren in Buxheim, das Gesamtensemble des Klosters möglichst in einer Hand verbleiben soll, ist das Bestreben aller Beteiligten.

Auch der Bürgermeister von Buxheim bedauert den Abschied

Buxheims Bürgermeister Wolfgang Schmidt bedauert den Weggang sehr: „Die Salesianer waren seit mehr als 90 Jahren fester Bestandteil unseres Dorfes und der Ortsgemeinschaft.“ Die Zukunft des Kartäuserklosters ist der Gemeinde dabei ein wichtiges Anliegen. Aktuell werde zusammen mit Heimatdienst, Behörden und Mandatsträgern auf allen Ebenen dafür gekämpft, die Einheit der Klosteranlage aufgrund ihrer herausragenden historischen Bedeutung zu erhalten, erklärt Schmidt.

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