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Ferien

30.06.2017

Wie aus dem Bilderbuch

Willkommen bei Familie Schüle. Simone Schüle freut sich auf Feriengäste. Mit dem Urlaubsangebot in Unteregg schafft sie ein zweites Standbein für die Familie.
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Willkommen bei Familie Schüle. Simone Schüle freut sich auf Feriengäste. Mit dem Urlaubsangebot in Unteregg schafft sie ein zweites Standbein für die Familie.

In Unteregg nimmt die Familie Schüle seit einigen Wochen Feriengäste auf. Dabei gibt es viele Dinge, die sie beachten sollte. Und auch das Familienleben verändert sich

„Es sind so viele kleine Dinge, die man da beachten muss, da kommt man vorher oft gar nicht drauf“, gesteht Simone Schüle. Seit Kurzem nimmt sie auf ihrem Hof bei Unteregg Feriengäste auf – und hat seitdem schon viel Neues dazu gelernt: Zum Beispiel, dass es wichtig ist, dass die Vorhänge gut verdunkeln, wenn kein Rollladen vorhanden ist. Oder dass die Räume einfacher zu vermieten sind, wenn Doppelbetten darin stehen, die auseinandergeschoben werden können.

Viele Unterallgäuer fahren oder fliegen im Urlaub in wärmere Gefilde. Da vergisst man leicht, dass auch unsere Region ein beliebtes Reiseziel ist. Und Urlaub auf dem Bauernhof ist vor allem bei Familien beliebt. Am Anfang des Jahres sprach Angelika Soyer, Vorsitzende des Vereins „Mir Allgäuer“, bei einem Vortrag davon, dass eine Ferienwohnung zehn Kühe ersetzen könne. Ist das etwa die Lösung für viele Landwirte angesichts schlechter Milchpreise?

Seit gerade mal ein paar Wochen ist die ungefähr 55 Quadratmeter große Wohnung mit vier Betten auf dem Aussiedlerhof von Hermann und Simone Schüle zwischen Unter- und Oberegg nun fertig. Gäste hatten sie bereits, aber nur wenige, denn: „Ich habe ja noch gar keine Werbung gemacht. Alle Buchungen und Vermietungen kamen von anderen Vermietern, die ihren Interessenten absagen mussten und mich empfohlen haben“, gibt Simone Schüle Auskunft. Denn eigentlich fühlt sie sich noch nicht ganz bereit für diese neue Aufgabe auf dem Hof, der sich bis jetzt von den 65 Milchkühen und dem Jungvieh finanzierte. Dabei ist die Ausstattung der Ferienwohnung noch das kleinste Problem. Denn es gibt noch viele andere Auflagen, die beachtet werden müssen. Zum Beispiel soll Schüle keine Mahlzeiten für ihre Gäste zubereiten, denn sonst müsste sie eine extra Küche dafür bauen, die das Gesundheitsamt kontrollieren müsste, samt Rückstellproben der Speisen und so weiter und so fort.

Simone Schüle geht nicht blauäugig an diese Sache heran: „Das haben nicht nur mein Mann und ich besprochen, da haben wir schon auch unsere Kinder vorher gefragt.“ Denn das Mama-Taxi kann dann vielleicht nicht mehr so einfach fahren, wenn Gäste auf dem Hof sind. Es kann sein, dass Schaukel, Rutsche und Tretbulldog jetzt mit anderen Kindern geteilt werden müssen. Und auch, dass Schaukel und Sandkasten wieder aufgerüstet werden statt zu verschwinden, damit müsse man leben.

Mama Simone ist gespannt, wie ihre 13, zwölf und zehn Jahre alten Söhne mit der neuen Situation umgehen. „Das erste Kind, das hier übernachtet hat, war gerade mal anderthalb, das war natürlich nicht an den Dreien als Spielgefährten interessiert.“ Inwiefern sich die Buben jedoch von zukünftigen Gästen beeinflussen lassen, wird sich zeigen. „Wie so vieles!“, meint Simone Schüle und lacht.

Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten unterstützt Landwirte, die eine Ferienwohnung anbieten wollen, als Ansprechpartner für Fragen und als Anbieter von Weiterbildungen. Aber das Grundseminar „Urlaub auf dem Bauernhof“ wird leider erst wieder nächstes Jahr angeboten, deshalb hat Schüle einen anderen Kurs besucht. Die Hausherrin ist froh über diese Angebote, denn der Austausch mit den Gleichgesinnten ist für sie sehr ertragreich. Dort kann sie nicht nur lernen, dass sie unbedingt ein zweites WLAN-Netz für ihre Gäste bereitstellen sollte, weil das rechtlich wichtig ist, sondern zum Beispiel auch, dass die Erfahrung zeigt, dass sich bei zwei Ferienwohnungen die besten Synergien ergeben. Das heißt: Der Aufwand und der Ertrag lohnen sich eher, als wenn nur eine Wohnung angeboten wird. Platz dafür wäre auf dem Schüle-Hof, doch will die Familie jetzt erst mal die Probe-Phase für sich erfolgreich abschließen.

„Wir werden uns schon in vielen Dingen umstellen müssen, schließlich sind wir hier ja nicht mal Nachbarn gewohnt und hatten bis vor Kurzem nicht mal Vorhänge vor dem Badfenster“, scherzt die 43-Jährige über die Auswirkungen auf das Familienleben. Aber trotzdem freut sie sich auf spannende Begegnungen mit ganz unterschiedlichen Menschen.

Von einigen der „alten Hasen“ im Bereich der Gastgeber hat sich die Untereggerin schon sagen lassen, dass die Lage auf dem Höhenzug – mit einem wunderbaren Blick in die Alpen – ein wahrer Joker sei. Und mit Katzen, Hunden, Hühnern, Hasen und Kühen auf dem Bio-Bauernhof eigentlich ja genau so, wie es die kleinen Gäste aus dem Bilderbuch gewohnt sind.

Zuschüsse für Ferienwohnungen auf Bauernhöfen gibt es übrigens auch, jedoch muss die Wohnung dann mindestens zwölf Jahre für Gäste genutzt werden – weshalb die Schüles dieses Angebot nicht nutzen wollen. „Denn wenn wir uns nach einiger Zeit anders entscheiden, dann besteht ja immer noch die Gelegenheit, die Wohnung fest zu vermieten.“ Das sei das Argument, dass die Schüles am meisten überzeugt hätte, erzählt die Hausherrin. Denn mit dem Herrichten der Wohnung würde man kein Risiko eingehen: „Es isch jedenfalls nix kaputt, wenn’s it klappt!“

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