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Mindelheim

02.01.2021

Wie die Mindelheimerin Korona Gröschl durch das Corona-Jahr gekommen ist

Das Virus ist zwar nicht nach Korona Gröschl benannt, doch die 82-Jährige kann ihren Namen trotzdem bald nicht mehr hören, der seit diesem Jahr in aller Munde ist.
Bild: Sandra Baumberger

Plus Seit 2020 ist Korona Gröschls Vorname in aller Munde. Wie die Mindelheimerin damit umgeht und warum sie glaubt, dass das Virus sie verschont.

Wie es wohl ist, wenn man genauso heißt wie ein gefürchtetes Virus, das seit rund einem Jahr die Welt auf den Kopf stellt? Korona Gröschl winkt gelassen ab. „So schlimm ist es gar nicht. Weil mich schreibt man ja mit K. Und Korona mit K ist ja der Strahlenkranz um die Sonne und hat mit einem Virus gar nichts zu tun“, erklärt sie. Allerdings, räumt die 82-Jährige dann doch ein, hätte sie auf die Berühmtheit, die ihr Vorname in diesem Jahr erlangt hat, durchaus verzichten können. „Auf diese Weise bekannt zu werden, habe ich eigentlich nicht angestrebt“, sagt sie. „Es ist schon so, dass ich’s bald nicht mehr hören kann.“

Sie wünscht sich, das Virus hätte einen anderen Namen bekommen

Weil einfach laufend von Corona die Rede ist. Und weil eben doch die wenigstens unterscheiden, ob man Korona nun mit K oder C schreibt und die Verbindung zu dem Virus herstellen, von dem sich Korona Gröschl inzwischen wünscht, es wäre anders benannt worden. „Dabei war ich immer stolz auf meinen Namen. Weil er klingt ja so schön.“

Zu verdanken hat ihn die Mindelheimerin ihrem Vater und der Tatsache, dass sie just am Namenstag ihrer Mutter und ihrer Großmutter zur Welt kam. Der Vater sah darin einen schönen Anlass, die Familientradition fortzusetzen und die Tochter ebenfalls Korona zu nennen. Ihre Mutter hatte eigentlich Waltraud vorgesehen, was in Kombination mit ihrem Mädchennamen Ernst vermutlich die unproblematischere Wahl gewesen wäre. Denn weil Korona außer im Altbayerischen nicht gar so geläufig ist, hielten ihn viele für den Nach- und Ernst für den Vornamen. Und so kam es dann zum Beispiel, dass sich Korona Ernst an der Berufsschule als Ernst Korona in der Liste der Schüler und nicht der Schülerinnen wiederfand. Ein andermal wollte der Postbote den Lottogewinn in Höhe von sagenhaften 3,87 Mark ebenfalls an den Herrn Korona auszahlen und musste erst von der Zimmerwirtin überzeugt werden, dass er bei der jungen Frau schon richtig ist. Und bei einer Busreise in die DDR wurde Korona Ernsts Pass wegen des ungewöhnlichen Namens einer so gründlichen Kontrolle unterzogen, dass sie schon befürchtete, den Anschluss an die Gruppe zu verlieren. Derlei Verwirrungen hatten immerhin 1966 mit der Heirat ein Ende: „Da hat mich der Herr Horst Gröschl von meinem Nachnamen erlöst“, sagt Korona Gröschl und lacht.

Wirklich blöd gekommen ist der Mindelheim noch niemand

Danach herrschte über Jahre hinweg Ruhe – bis zu diesem Frühjahr. „Jetzt bist du in aller Munde“, witzelten ihre Freunde damals. Und wenn sie als ehrenamtliche Mitarbeiterin des Krankenhaus-Besuchsdienstes in den vergangenen Monaten dem Klinikpersonal die Selbstauskunft aushändigte, fragte das auch in schöner Regelmäßigkeit ungläubig nach: „Wie heißen Sie?“ Wirklich „blöd gekommen“, wie sie selbst sagt, ist ihr in den vergangenen Monaten zwar niemand, aber: „Inzwischen klingt der Name nicht mehr schön in meinen Ohren. Da wäre ich ganz dankbar, wenn das mal vorbei wäre.“ Allzu viel Hoffnung, dass das schon bald sein könnte, hat die quirlige Seniorin allerdings nicht. „Wir haben’s noch lange nicht überstanden, glaube ich.“

Das Mindelheimer Frundsbergfest im Sommer wird sie vermissen

Sie stellt sich darauf ein, noch länger auf die Treffen mit ihrem großen Bekanntenkreis und die Rommé-Runden verzichten zu müssen. „Ich bin ja furchtbar umtriebig“, sagt sie. „Ich brauch’ die Leute. Das fehlt mir furchtbar.“ Und dass das Frundsbergfest, das eigentlich 2021 stattfinden sollte, abgesagt werden musste, dass tut der langjährigen Leiterin des Festringbüros „weh bis in die Seele hinein“. Aber es geht halt nicht anders, das sieht sie schon ein. Auch für die anderen Einschränkungen, über deren Einhaltung ihr Mann streng wacht, hat sie Verständnis. „Er sagt: Man muss es nicht herausfordern – und da hat er auch recht.“

Angst, sich mit dem Corona-Virus anzustecken, hat sie aber nicht: „Ich meine immer, das geht an mir vorbei. Vielleicht schreckt mein Name ja ab. Und wie tät ich mich im Krankenhaus auch anstellen, wenn ich immer sagen müsst: Das ist mein Vorname, nicht der Virus.“

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