1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. Wie eine Oper mit Pudel das Marktfest begeisterte

Markt Wald

05.07.2019

Wie eine Oper mit Pudel das Marktfest begeisterte

Copy%20of%208127%20Pudel%2bSchloss.tif
5 Bilder
Viel zu lachen gibt es bei der Oper „Der trojanische Briggala Pudel“ der Oberneufnacher Musikanten.

Die Oberneufnacher Musikanten zeigen mit ihrer musikalischen Klamaukgeschichte, dass sie richtige „Hund’“ sind. Auch für die Konzerte gibt es viel Applaus.

Auf der Hauptstraße der Marktgemeinde Markt Wald geht es beim „Historischen Marcktfest“ richtig hoch her. Die Schaulustigen schwanken zwischen Ekel und Bewunderung. Sie staunen, dass es tatsächlich Teilnehmer gibt, die beim Sauaugenweitspucken mitmachen. Je weiter, desto besser! Dass da nicht nur wagemutige Männer mitmachen, sondern auch Magdalena Braunmiller nicht davor zurückschreckt, dafür gibt es Applaus.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

Dieser Inhalt ist älter als 30 Tage und steht daher nur Abonnenten mit einem Plus+ Abo zur Verfügung.
Jetzt ab 0,99 € testen

So wie auch für das Konzert „500 Saiten – Zuhören auf eigene Gefahr“ im Adlersaal. Der Andrang ist so groß, dass hilfreiche Hände immer weitere Stühle aufstellen. Dann beginnt eine musikalische Reise in die Vergangenheit von Markt Wald. Theresia Hörl, die im Harfenspiel unterrichtet, erzählt „eine nicht ganz wahre Geschichte mit Musik“: „Als ‚Irmatshofen auf dem Wald’ 1593 von Kaiser Rudolf II. auf die drei Montage nach Matthias, Dreifaltigkeit und Matthäus, das Marktrecht verliehen bekam, war einer der berühmtesten Lautenspieler der Renaissance, der Augsburger Melchior Neusidler, bereits zwei Jahre tot.“ Er habe drei unmündige Kinder zurückgelassen, so berichtet es die Chronik. Unterstützt wurden sie von Octavianus Secundus Fugger. Die älteste Tochter Sabina sei mit dem Augsburger Lautenmacher Sixtus Rauwolf liiert. Soweit die wahre Geschichte.

Die Gäste beim Marktfest in Markt Wald stimmen ein: "Jubel - Pudel"

Theresia Hörl hat sich in die Zeit versetzt und die Erzählung ergänzt. Ja, so könnte es gewesen sein. Sabina habe es geschafft, dass sie im Haus in der Maximilianstraße in Augsburg für immer spielen durfte und damit nicht nur täglich ihr Brot bekam, sondern auch Anerkennung und die Freude, die Musik des Vaters lebendig zu erhalten.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Die Werke des Konzertes stammten aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Für Christoph Löcherbach sind diese Konzerte, die auch am zweiten Wochenende jeweils um 15 Uhr stattfinden, eine Besonderheit. Er lächelt und sagt: „Ich habe nach 200 Jahren die Harfe wieder nach Markt Wald gebracht. Ich habe die Klangwerkstatt gegründet. Für mich gibt es nichts Schöneres, als diese Harfen zu hören, zumal die meisten davon in meinen Kursen von Eltern und Schülern selbst gebaut wurden. Ich bin fest davon überzeugt, dass Musik zu schade und zu kostbar ist, sie nur den Profis zu überlassen.“

Laien sind es dann auch, die sich mit des „Pudels Kern“ beschäftigen. Wie war das noch mit dem Odysseus und seinem Trojanischen Pferd? Das müsste doch auch mit einem Pudel gelingen? Gesagt, getan! In der Klangwerkstatt entstand das Ungetüm (wir berichteten). Hübsch anzusehen und von den musikalischen Recken der Humpa Bumpa Revolution an starken Seilen unter lauten „Jubel – Pudel“-Rufen zur Bühne gezogen. Natürlich fallen die Gäste an den Straßenrändern mit ein. Diese Gaudi lassen sie sich nicht entgehen.

André Schubert gibt den Erzähler in der Oper „Der trojanische Briggala Pudel“, einem irrwitzigen Ritt durch die Musikgeschichte. Eine der Hauptrollen spielt darin Georg von Frundsberg, den es mit seiner innig geliebten Pudeldame Daisy in die Kreisstadt Steinekirch verschlagen hat. Und zwar wegen der Tochter von Fischers Fritze, der Helene, die den Landsknechtführer aber auf ganz andere Art „atemlos“ macht, als der sich das erhofft hat. Und schon ist die Ärmste gefangen.

Die Oberneufnacher Musikanten zeigen, dass sie richtige "Hund" sind

Christoph Scheiner, nicht umsonst der berühmteste Sohn der Staudengemeinde, und sein Kumpel Freddy Melcury lassen sich allerhand einfallen, um sie zu befreien. Als Besucher muss man da schon genau hinsehen, um keine der zahlreichen Anspielungen zu verpassen: So haben sich der Außerirdische E. T. und das Ufo aus dem Stauden-Kultfilm „Xaver“ eingeschlichen, es gibt Flower-Power à la Woodstock, und auch die Village-People und die Spice Girls zieht es nach Steinekirch, wo natürlich auch Helene Fischer singt. Am Ende jedoch hilft nur noch der Pudel auf dem Brücklein („Briggala“) vor Steinekirch, in dem sich die unerschrockenen Humpa Bumpa Revoluzzer verstecken und dafür sorgen, dass Herr von Frundsberg schleunigst das Weite sucht. Mit dem musikalischen Klamauk zeigen die Oberneufnacher Musikanten eindrucksvoll, dass sie nicht nur auf den Hund gekommen, sondern selbst im besten Sinne richtige „Hund’“ sind.

Ein weiteres humorvolles Konzert aller musikalischen Gruppen gab es schließlich mit „Musicae collectio in foro quadratum“. Mit von der Partie war auch der Männerchor Markt Wald. Die Sänger schenken nicht nur launige Lieder, sondern auch einen guten Tropfen ein. Alle drei Konzerte sind am kommenden Festwochenende vom 5. bis zum 7. Juli noch einmal zu erleben. Das Programm ist unter www.marcktfest.de zu sehen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren