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Mindelheim

18.07.2019

Wie kann man schwere Radunfälle verhindern?

Ein sogenannter Trixi-Spiegel soll an der Kreuzung am Oberen Tor in Mindelheim Fahrern großer Fahrzeuge dabei helfen, Radfahrer und Fußgänger rechts neben sich besser zu sehen.
Bild: Baumberger

Plus Nach dem schweren Radunfall in Mindelheim stellt sich die Frage, was man vorbeugend dagegen tun kann. Das sagen ein Logistiker und die Polizei dazu.

Ein Lastwagenfahrer biegt von der Krumbacher- nach rechts in die Teckstraße ab, übersieht dabei eine Radfahrerin, die auf dem Radweg neben ihm geradeaus über die Kreuzung fahren will und überrollt die 58-Jährige. Sie überlebt schwerstverletzt. Der Hergang des Unfalls, der sich vergangenen Donnerstag in Mindelheim ereignet hat, ist ebenso schrecklich wie klassisch: Laut der Unfallforschung der Versicherer (UDV) sind im vergangenen Jahr deutschlandweit 38 Radfahrer bei solchen Abbiegeunfällen ums Leben gekommen.

Hier erfahren Sie mehr über den schweren Radunfall in Mindelheim: Hubschraubereinsatz in Mindelheim

Schon länger wird deshalb diskutiert, Lastwagen verpflichtend mit Abbiegeassistenten auszustatten. Sie sollen den Fahrer auf Radler hinweisen, die sich rechts neben dem Fahrzeug im toten Winkel befinden, und ihn beim Abbiegen vor einer möglichen Kollision warnen. Laut dem ADAC sollen die Warnsysteme frühestens 2022 zur Pflicht werden.

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Einige Logistikunternehmen, darunter auch Transcor mit Sitz in Bad Wörishofen, haben schon jetzt reagiert: Das Unternehmen hat gerade drei neue Lastwagen bestellt, die über den Abbiegeassistenten verfügen werden, sagt Geschäftsführer Sebastian Schneider. Weil die insgesamt 170 Lastwagen der Flotte alle vier Jahre ausgetauscht werden, sollen so nach und nach alle mit der neuesten Sicherheitstechnik ausgestattet sein. Zwar könnte das Unternehmen die Technik auch jetzt schon nachrüsten. Bei den Wechselbrückenzügen, die bei Transcor zum Einsatz kommen, sei das aber schwieriger als etwa bei einem Sattelschlepper, erklärt Schneider. Das Unternehmen setze deshalb lieber auf entsprechend ausgestattete Neufahrzeuge.

Der Logistiker ist für eine gesetzliche Regelung für Lkw-Assistenzsysteme

Er spricht sich klar dafür aus, die Assistenzsysteme verpflichtend vorzuschreiben. Denn zum einen sei jede Verbesserung für die Sicherheit zu begrüßen. Und zum anderen würde eine gesetzliche Regelung dazu beitragen, dass die Systeme in Serie angeboten und dadurch bezahlbar werden.

Bei Transcor gelte die Devise: „Was es gibt, kaufen wir auch. Die Frage, ob man ein Fahrzeug mit der neuen Technik ausstattet oder nicht, stellt sich gar nicht“, sagt Sebastian Schneider. Schließlich sei der Schaden, wenn etwas passiert, ungleich höher als die Investitionskosten. Und zudem hätten die Logistik-Unternehmen auch eine Verantwortung anderen Verkehrsteilnehmern gegenüber – allein schon, weil die Lastwagen in der Regel eben die „Stärkeren“ sind und aufgrund ihres schieren Gewichts entsprechenden Schaden anrichten können. Deshalb habe sein Unternehmen auch den Notbremsassistenten schon eingesetzt, lange bevor er für Lastwagen vorgeschrieben war. Der Assistent leitet eine Notbremsung ein, wenn Sensoren bemerken, dass der Abstand zwischen dem Lastwagen und einem vorausfahrenden Fahrzeug zu gering ist und ein Auffahrunfall droht.

Gleichzeitig warnt Sebastian Schneider aber auch davor, sich zu sehr auf die Technik zu verlassen: Auch sie kann einmal nicht funktionieren oder der Fahrer die Warnung nicht rechtzeitig registrieren. „Solche Unfälle passieren auch, weil Radfahrer oft nicht einschätzen können, was der Lkw-Fahrer sieht und was nicht.“ Er hielte es deshalb für sinnvoll, mit gezielten Aktionen das Bewusstsein aller Verkehrsteilnehmer zu schärfen, wann eine Situation möglicherweise gefährlich ist. „Ich denke, dafür würden sich alle Speditionen in der Region Zeit nehmen“, ist er überzeugt. „Denn das bringt mehr als jedes Assistenzsystem.“ So könnten Schüler im Rahmen der Verkehrserziehung etwa selbst einmal im Führerhaus eines Lastwagens Platz nehmen und erfahren, dass der Überblick von dort oben bei Weitem nicht so groß ist, wie viele glauben.

Nach einem Radunfall am Oberen Tor in Mindelheim wurde ein Spiegel angebracht

Mindelheims Polizeichef Gerhard Zielbauer rät insbesondere Radfahrern, „im Zweifelsfall lieber anzuhalten und nicht auf sein Recht zu pochen – auch wenn man Vorfahrt hat oder die Ampel grün ist“. Um zu klären, wie es zu dem Unfall am vergangenen Donnerstag kam, wurde ein Gutachter eingeschaltet. Nach einem ähnlichen Abbiegeunfall an der Kreuzung beim Oberen Tor vor einigen Jahren wurde an der Ampel vom Europabrunnen aus kommend übrigens ein Verkehrsspiegel angebracht. (Lesen Sie auch: Trixi-Spiegel soll Unfälle verhindern helfen ) Wenn Lastwagen oder Busse dort abbiegen, reduziert der Spiegel den toten Winkel: Radfahrer sowie Fußgänger werden besser gesehen.

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