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Wiedergeltingen

08.07.2020

Wiedergeltingen schickt eine Ritterburg auf Reisen

Bis aufs Fundament freigelegt: Wenn alles klappt, wird die beliebte Wiedergeltinger Spielburg am Stück aus dem Grundstück neben der Kindertagesstätte herausgehoben und zum Feuerwehrhaus gebracht.

Mitte Juli wird mit den Bauarbeiten zum Neubau der Wiedergeltinger Kindertagesstätte begonnen. Spannend wird sein, ob die Spielburg den Umzug an ihren neuen Platz vor dem FFW-Haus übersteht.

Geplant war der Baustellenstart zur Erweiterung der Kindertagesstätte St. Nikolaus für das Frühjahr; verschiedene Widrigkeiten hatten jedoch zu Verzögerungen geführt. Als nun Architekt Ulrich Förg im Rahmen der jüngsten Gemeinderatssitzung Einblick in den aktuellen Sachstand gab, sollte dieser dennoch gute Nachrichten beinhalten: Mitte Juli könne man nun mit den Bauarbeiten beginnen und die ersten Gewerke ihre Arbeit aufnehmen, berichtete der Planer.

Weil an anderer Stelle gespart wurde, kann sich der Wiedergeltinger Gemeinderat für die teureren Fenster entscheiden

Man habe durchaus früher starten wollen, erklärte Ulrich Förg, ein Grund sei jedoch auch die bis dato fehlende Baugenehmigung gewesen. Jetzt sei er guter Dinge. „Der Genehmigung steht nichts mehr im Wege“, sagte er. Eine Aufgabe für das Gremium hatte der Architekt dennoch mit dabei. So galt es an diesem Sitzungsabend zu klären, ob anstelle von Fenstern mit Kunststoffrahmen auf die Variante Alu/Holz umgeschwenkt werden soll.

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„Sie kosten natürlich mehr Geld“, erklärte Ulrich Förg, wären aber schöner in der Wahrnehmung. Machbar sei diese teurere Variante zudem, da sich innerhalb der Planungen „ein ordentlicher Puffer“ ergeben habe. „Der Kostenrahmen könnte dennoch eingehalten werden“, sagte Förg.

Auf dem Grünstreifen vor dem Feuerwehrhaus wird die Spielburg eine neue und dauerhafte Bleibe finden. Bespielt darf sie jedoch auch dort nicht werden.

Von den dafür erforderlichen Mehrkosten in Höhe von 32.600 Euro zeigte sich dann aber nicht nur Bürgermeister Norbert Führer geschockt. Unverständnis ob der Preisdifferenz zeigte auch Johann Menhofer (FWW).

Wurde dem Gremium im Vorfeld noch von einem Kupferdach - und das „beim wichtigsten Gewerk“, wie Menhofer anmerkte - abgeraten, solle man sich nun für eine kostenintensivere Fenster-Variante aussprechen. Das erschließe sich ihm nicht, meinte er.

Dass Fenster mit Kunststoffrahmen auch von guter Qualität seien, regte Rätin Brigitte Roth (Bürgerverein) an. Vernünftiger fände sie, den finanziellen Puffer zurückzustellen, um für Eventualitäten im Zuge des Baufortschrittes gerüstet zu sein. Dem pflichtete Norbert Führer bei.

Zudem tue er sich sehr schwer mit den Mehrkosten. Das sollte sich anschließend auch im Abstimmungsergebnis widerspiegeln. Mit einem Stimmenverhältnis von 10:2 entschied sich das Gremium abschließend für die kostengünstigeren Kunststoffrahmen.

Unter Federführung von Josef Unsin wurde die Wiedergeltinger Spielburg vor 25 Jahren gebaut

Im Anschluss sollte noch einmal die sogenannte Spielburg in den Fokus des Abends rücken. Das rund 25 Jahre alte Konstrukt, von engagierten Bürgern Wiedergeltingens unter der Federführung Josef Unsins in vielen Arbeitsstunden auf dem Außengelände des Kindergartens errichtet, steht dem Ausbau der Kindertagesstätte im Wege (wir berichteten). Dass die Spielburg nach Möglichkeit erhalten werden soll, darauf hatte sich das Gremium abschließend im Rahmen einer Klausur geeinigt.

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Zwischenzeitlich wurde das Fundament der Spielburg freigelegt und mittels Kompressor Löcher hineingebohrt. Dadurch soll das Konstrukt aus dem Grundstück herausgehoben und am Stück an seinen neuen Bestimmungsort gebracht werden - wenn alles nach Plan verläuft. „Ob die Spielburg hält, das wird sich erst dann zeigen“, sagte Norbert Führer. Versprechen könne man dies nicht, obschon man versuchen wolle, das Konstrukt zu erhalten.

Mit 79,2 Prozent wiedergewählt: Wiedergeltingens Bürgermeister Norbert Führer (Bürgerverein).
Bild: Lenuweit

Noch einmal brachte der Bürgermeister schließlich die Standortfrage ins Gespräch.

Denn Mitglieder des Wiedergeltinger Musikvereins hätten sich an ihn gewandt und die kleine Wiese vor dem Brotbackhaus im Osterweg als Alternative vorgeschlagen. Dem wiederum widersprach das Gremium. Man habe sich in der Klausur geschlossen für den Platz vor dem Feuerwehrhaus ausgesprochen, erinnert Brigitte Roth. Zudem sehe nicht nur sie in diesem Standort die richtige Wahl. So sei die Spielburg dort doch ein echtes Highlight für alle, die in den Ort hineinführen, sagte sie.

Ein wenig Bedenken ob der Platzierung hatte Rätin Barbara Kugelmann (Bürgerverein). Kinder könnten dort im Eifer des Spielens auf die Straße gelangen, befürchtete sie. Gleichzeitig regte sie an, über die Errichtung einen Zaun zu diskutieren, um den Aufenthalt für Kinder dort sicherer zu machen.

Dass die Spielburg auch nach der Umsiedlung nicht bespielt werden dürfe, darüber klärte Bürgermeister Norbert Führer abschließend noch einmal auf. „Es soll kein zweiter Spielplatz werden“, sagte er. Die Spielburg werde als Reminiszenz an die dörfliche Gemeinschaftsleistung wieder aufgestellt. Auch dort, auf der Wiese vor dem Feuerwehrhaus, diene sie allein der Dekoration, nicht der Bespielung.

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