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Bad Wörishofen

16.11.2019

Wirtschaftspreis für einen Mann mit großen Plänen

Preisträger mit früheren Wirtschaftspreisträgern (von links): Joachim Löwenthal (Skyline Park), Wirtschaftspreisträger 2019 Arno Müller (Häwa) und Thomas Maier (Josef Maier GmbH).
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Preisträger mit früheren Wirtschaftspreisträgern (von links): Joachim Löwenthal (Skyline Park), Wirtschaftspreisträger 2019 Arno Müller (Häwa) und Thomas Maier (Josef Maier GmbH).
Foto: Markus Heinrich

Plus  Arno Müller steigert den Häwa-Umsatz und will den Standort Bad Wörishofen erweitern.

Im Gewerbegebiet von Bad Wörishofen schreibt ein Unternehmer seit Jahren eine Erfolgsgeschichte weiter, die vor Jahrzehnten begann: Arno Müller. „Unternehmen wie Häwa stehen oft nicht im Mittelpunkt, sind aber die Säule unserer Wirtschaft“, sagte Bürgermeister Paul Gruschka (FW), am Donnerstagabend im Foyer der Sparkasse Bad Wörishofen. Dort stand Müller dann schnell im Mittelpunkt, denn Gruschka überreichte ihm den Wirtschaftspreis des Wirtschaftsforums Bad Wörishofen. Dahinter stehen die Stadt Bad Wörishofen, die Sparkasse Memmingen-Lindau-Mindelheim, das Parkhotel Residence und die Mindelheimer Zeitung.

Müller hat den Umsatz von Häwa – einst ein Kind von Elektro Springer Bad Wörishofen und Härdtle in Wain – seit 2011 von 11 Millionen Euro im Jahr auf etwa 65 Millionen Euro im Jahr 2018 gesteigert, wie Gruschka den zahlreichen Gästen aus Politik und Wirtschaft berichtete. Das Geschäft läuft so gut, dass Häwa eine große Erweiterung in Bad Wörishofen plant. Diese soll in mehreren Schritten über mehrere Jahre erfolgen und laut Gruschka am Ende zu rund 30.000 Quadratmetern mehr Fläche führen. Häwa mit Sitz in Wain beschäftigt über 450 Mitarbeiter an drei Standorten in Süddeutschland und ist weltweit tätig. Häwa fertigt Schaltschränke und Maschineneinhausungen genau auf Kundenwunsch, eine Nische, die offenbar sehr begehrt ist.

„Qualitativ hochwertige Arbeit wird weltweit geschätzt“, sagte Gruschka. Zudem engagiere sich Müller auch außerhalb seines Unternehmens, etwa als stellvertretender Vorsitzender der Wohnungsgenossenschaft Bad Wörishofen.

„Diese Überraschung ist gelungen“, findet der Preisträger

„Diese Überraschung ist gelungen, damit hätte ich nicht gerechnet“, sagte Arno Müller. Er dankte dem Wirtschaftsforum und kündigte an, das Preisgeld von 1000 Euro zu verdoppeln und zu spenden. Die Hälfte des Geldes gehe an das Mehrgenerationenhaus Bad Wörishofen für die Aktion „Jung hilft Alt“. Die andere Hälfte erhält der Kindergarten in der Gartenstadt. Zu den großen Erweiterungsplänen und der Zusammenarbeit mit der Stadt sagte Müller: „Wenn wir auf dieser Basis weitermachen, kriegen wir das hin.“

Vor der Preisverleihung hörten die Gäste des Festabends, wie man volkswirtschaftliche Zusammenhänge verständlich und spannend erklären kann. Stefan Kipar, der Leiter Volkswirtschaft der Landesbank in München, ging der Frage nach, ob Deutschland auf eine Rezession zusteuert. „Wir wollten einen echten Hochkaräter haben“, sagte Gruschka zur Wahl des Redners. Auch deshalb sei man kurzfristig vom Residence ins Sparkassen-Foyer umgezogen, um den vielen Gästen Platz bieten zu können. „Ins baufällige Rathaus wollte ich niemanden einladen“, sagte Gruschka.

Was Stefan Kipar zum Thema Rezession zu sagen hat

Kipar ließ die Gäste wissen, die globale Konjunktur habe sich abgekühlt, die Exporterwartungen gingen deutlich zurück, die Auftragsbestände der Hersteller schmelzen. Das alles vor dem Hintergrund Brexit, China, Handelsstreit. Die Stimmung im verarbeitenden Gewerbe sei auf Rezessionsniveau. „Deutschland leidet seit Jahresbeginn am meisten“, berichtete er mit Blick auf den Euro-Raum. „In der Automobilbranche ist es ja schon mal besser gelaufen“, stellte er fest. Andere Branchen wie Bau oder Dienstleistungssektor hielten sich besser, aber auch bei den Dienstleistungen zeigten sich nun Schwächen. Das Beschäftigungsbarometer stehe auf „skeptisch“. Beide Entwicklungen hätten das Zeug dazu, am Arbeitsmarkt sichtbar zu werden, so Kipar, in Form von ansteigender Kurzarbeit etwa oder dem Abschmelzen von Überstunden.

Nach einem negativen Quartal sei nun allerdings ein besseres gefolgt. Kurz vor Kipars Vortrag gab das Statistische Bundesamt bekannt, dass das Bruttoinlandsprodukt zwischen Juli und September entgegen der Erwartungen um 0,1 Prozent gestiegen ist, im Vergleich zum Vorquartal. Das ist wichtig, weil man nach zwei negativen Quartalen üblicherweise von einer Rezession spricht. „Wir erwarten keine negativen Zahlen mehr“, sagte Kipar. „Man sieht in Lage und Erwartung erste Stabilisierungstendenzen“. Die Rahmenbedingungen ließen allerdings keine Zinswende erwarten. Hotelier Alois Hillebrand folgerte aus dem Vortrag, als Unternehmer könne man auch in den nächsten Jahren „an billiges Geld kommen“, was Kipar grundsätzlich bejahte, sollten „externe Schocks“ ausbleiben, etwa am Ölmarkt. „Ich glaube aber, dass wir uns langsam wieder nach oben arbeiten“, sagte Kipar.

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