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Gastronomie

17.04.2020

Wörishofens Wirte in der Corona-Krise

Der Rössle-Biergarten im Herzen Bad Wörishofens ist normalerweise ein beliebter Treffpunkt. In der Corona-Krise herrscht dort nun gähnende Leere.
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Der Rössle-Biergarten im Herzen Bad Wörishofens ist normalerweise ein beliebter Treffpunkt. In der Corona-Krise herrscht dort nun gähnende Leere.
Bild: Bernd Feil

Plus Restaurants und Biergärten müssen weiter geschlossen bleiben. Wie sich die Inhaber nun behelfen.

Gaststätten in Bayern dürfen auch in absehbarer Zeit nicht wieder öffnen. Das steht spätestens seit der Sitzung des bayerischen Kabinetts am Donnerstag fest. Damit zerschlägt sich auch eine Hoffnung mancher Bad Wörishofer Gastronomen.„Schön wäre es, wenn wir am 1. Mai, zumindest teilweise, wieder öffnen könnten“, sagte zuvor Bernhard Wodnik vom Gasthof Goldenes Rössle in Bad Wörishofen. Auch Josip Kljucevic von der„Pizzeria Capri“ hoffte auf dieses Datum. Daraus wird nun nichts.

Die Corona-Krise hat die Gastronomen schon jetzt hart getroffen. Dennoch ist vor allem bei den alteingesessenen Gastwirten keine Resignation zu verspüren, wie ein kleine Umfrage unserer Redaktion ergab.

„Im Moment herrscht völliger Stillstand“

Bernhard Wodnik beschreibt die Situation so: „Im Moment herrscht bei uns völliger Stillstand und wir warten auf die Zeit danach. Die Mitarbeiter sind in Kurzarbeit und wir erledigen noch einige Arbeiten im Haus.“ Bedauerlich war für den engagierten Gastronomen natürlich, dass das Ostergeschäft weggebrochen ist, denn das Wetter wäre heuer ja optimal gewesen. Auch auch hier bleibt Wodnik positiv: So konnte er aber Ostern einmal zu Hause bei der Familie verbringen. Auf einen Lieferservice verzichtet das Traditionsgasthaus aus diversen Gründen.

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Die finanzielle Situation hat der Chef immer im Blick. Zwar verfügt der Betrieb über eine Ausfallversicherung. Ob diese aber eintritt, steht nach Wodniks Angaben keineswegs fest. Staatlichen Zuschuss hat er beantragt, aber noch keine Mitteilung bekommen. Somit lebe man derzeit eben von der Substanz. Dankbar zeigt sich Wodnik gegenüber seinem Zulieferer, dem Augustinerbräu. „Sie kommt uns allen Bereichen derzeit sehr entgegen und ist uns eine große Stütze.“ Wie sehr auch die Gäste „ihren“ Rössle-Biergarten vermissen, zeigt ein besonderer Osterstrauß vor der Gaststätte. Auf weißen Plastikeiern haben Besucher ihre Grüße an die Wirtsleute hinterlassen. „Wir wünschen Euch alles Gute“ oder „Bis nach der Krise“ kann man dort lesen.

Ein Gasthof, der seit Jahrhunderten zur Stadt gehört

Den finanziellen Schaden der Corona-Krise sieht auch Alexander Trommer von Gasthof Adler, den es seit 1492 hier gibt und der somit selbst Pestzeiten überstanden hat. Eben erst wurde der Gasthof mit großem Aufwand generalüberholt und ist zu einem begehrten Fotoobjekt in der Stadt geworden. Auch derzeit stehen noch Umbauarbeiten zu einem Wellnessbereich an. „Der Bau geht natürlich weiter und wir müssen die Zeit eben überbrücken“, zeigt sich Alexander Trommer trotzdem zuversichtlich. „Wir stellen uns der Situation und wollen danach wieder gut gerüstet sein, um wieder für unsere Gäste da sein zu können.“ Einen dringenden Wunsch äußert er dennoch: „Darlehen helfen uns in dieser Situation nicht viel weiter, was wir brauchen, sind langfristige Hilfen. Dazu wäre es ganz wichtig, dass die Mehrwertsteuer auch für Gastronomiebetriebe, wie schon in anderen Bereichen, auf die 7 Prozent gesenkt würde“, so Alexander Trommer.

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In diese Kerbe schlägt auch Eduard Habel von der Neuen Sonne. Seit 40 Jahren betreibt er inzwischen seine Cocktailbar in der Kneippstraße und bezeichnet sich selbst als „dienstältesten Barmeister Deutschlands“. Seit 48 Jahren übt er diesen Beruf aus. „Das einzige, was uns auf Dauer wirklich hilft, wäre die Senkung der Mehrwertsteuer“, sagt er. Ansonsten hofft er, dass es mit dem Betrieb bald wieder losgehen kann.

Ein Abholservice im Ein-Mann-Betrieb

Josip Kljucevic behilft sich derweil mit einem Abholservice für Speisen, täglich von 17.30 bis 20 Uhr. „Die Leute können auch auf Instagram die Angebote aussuchen und die Gerichte dann bei uns abholen“, erklärt er sein Konzept für die Krise. „Anfangs wurde das Angebot nur zögerlich angenommen, doch jetzt haben wir damit gut zu tun.“ Josip Kljucevic setzt dieses Projekt allein im Familienbetrieb um, denn auch sein Personal ist seit dem 1. April in Kurzarbeit. Ausdrücklich bedankt er sich bei diesen Kunden und bezeichnet diese Unterstützung als „großartige Hilfe“. Ebenfalls betont er sein gutes Verhältnis zu seinem Verpächter, was ihm stets den notwendigen Rückhalt gebe.

Mit einem Auslieferungs- und Abholservice behelfen sich Elisabeth und Jürgen Wagner zusammen mit Tochter Sabrina im Ausflugslokal „Jagdhäusle“. Dieser wird immerhin von 11.30 bis zum Abend hin aufrecht erhalten. „Auch, wenn es nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist, so hilft es doch etwas weiter“, berichtet die Familie. „Der Schaden ist schon enorm, wenn wir nur an das Ostergeschäft und die vorbestellten Familienfeiern denken, die wir alle absagen mussten. Aber die Gesundheit geht eben im Moment vor.“

Jetzt stehen eben einige Instandhaltungsarbeiten auf dem Programm, denn es soll danach ja wieder normal weiter gehen. Hilfreich war dabei eine begrenzte Soforthilfe, die bereits unbürokratisch eingetroffen sei.

Eines ist allen Befragten gleich: Sie wollen möglichst schnell nach der Krise wieder für ihre Gäste da sein.

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