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Bad Wörishofen

28.01.2019

Zahl der Flüchtlinge geht stark zurück

Dieses Bild ist lange her: Die große Erstaufnahmeeinrichtung, die noch 2016 gut belegt war, ist längst leer.
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Dieses Bild ist lange her: Die große Erstaufnahmeeinrichtung, die noch 2016 gut belegt war, ist längst leer.
Bild: Markus Heinrich

Viele ehrenamtliche Helfer haben aufgehört – teil aus Frustration und Enttäuschung. Ganz im Stillen wurden aber auch echte Erfolgsgeschichten geschrieben.

In Bad Wörishofen kommen immer weniger Asylbewerber an. Gleichzeitig geht die Zahl der ehrenamtlichen Helfer rapide zurück – auch, weil sich viele von ihnen enttäuscht abgewandt haben. Sie alle waren 2015 und 2016 mit großem Engagement angetreten, um den zahlreichen Flüchtlingen zu helfen, die auf die Schnelle in mehreren Unterkünften in Bad Wörishofen untergebracht werden mussten. Heute sagen die beiden Leiter des ökumenischen Asylhelferkreises, Karin Donath von der Stadt und Gemeindereferent Filip Bäder von der katholischen Kirche: „In Bad Wörishofen und in den Ortsteilen haben wir es weitgehend geschafft.“ Und auch Bürgermeister Paul Gruschka mochte dieser Aussage nicht widersprechen.

Für ihn war zu Beginn wichtig, dass die Stadt Karin Donath mit der Betreuung beauftragen konnte und dass sich der ökumenische Helferkreis so großartig des Themas angenommen habe. Dafür danke er ausdrücklich. Weiter sei es hilfreich, dass der Bayerische Verwaltungsgerichtshof 2018 entschieden habe, dass der Freistaat selbst für die Unterbringung anerkannter Asylbewerber verpflichtet wurde. Somit bekäme die Stadt auch keine Probleme mit eventueller Obdachlosigkeit.

Den ehrenamtlichen in Bad Wörishofen geht die Arbeit nicht aus

Zur Beruhigung des Komplexes „Asylbewerber“ dürfte sicher auch der Rückgang der Zahlen beigetragen haben. Waren es zur Hochzeit noch über 700 Bewerber, so hat sich die Zahl derzeit bei um die 100 eingependelt. Untergebracht sind sie noch in vier Unterkünften in der Stadt, in zwei in Dorschhausen und je einer in Kirchdorf und Stockheim. Beim Gespräch mit Karin Donath und Filip Bäder wurde jedoch schon auch deutlich, dass sich nicht alle Probleme in Luft aufgelöst haben und dass im Helferkreis noch enorm viel gearbeitet wird, auch wenn dies fast ausschließlich ehrenamtlich und oft ganz im Stillen geschieht.

Dass sich viele der anfangs 170 angemeldeten Helfer inzwischen zurückgezogen haben, hängt zum einen natürlich durch die neuen Gegebenheiten, nicht zuletzt aber auch mit einer gewissen Frustration und Enttäuschung zusammen. Derzeit sind es nur noch 25 Personen, die sich intensiv um die Flüchtlinge kümmern. Vor allem das Verhalten eines relativ großen Kreises der Hilfesuchenden habe viele Helfer vor den Kopf gestoßen, heißt es. Karin Donath und Filip Bäder berichten, dass man eben bei vielen das Gefühl habe, dass sie selbst nichts zu ihrer Integration beitragen wollen. Sprachangebote seien nicht angenommen worden, bei manchen habe sich der Eindruck aufgedrängt, dass nur das Sozialsystem genutzt werden sollte und dass völlig überzogene Ansprüche gestellt wurden. Dies habe dazu geführt, dass sich etliche Ehrenamtliche wie zum Beispiel in Dorschhausen oder auch in Kirchdorf zurückgezogen hätten. Allerdings sei den Asylsuchenden offensichtlich auch einiges von den Schleppern vorgegaukelt worden. Und dass bei der anfangs engen Belegung mit verschiedenen Nationalitäten in manchmal bescheidenen Unterkünften Konflikte stattfinden, könne man zuweilen sogar verstehen. Dies betonte auch Polizeichef Thomas Maier, der sich dahingehend äußerte, dass die Polizei bei solchen Konflikten jetzt fast ausschließlich nur noch innerhalb der Unterkünfte zu Hilfe gerufen wird.

Die Flüchtlingswelle hat Bad Wörishofen damals überrollt

In der Kneippstadt gibt es aber auch genügend Beispiele, wo es gelungen ist, Asylbewerber zu integrieren. Geklappt hat dies vor allem dort, wo eine sehr individuelle Betreuung stattgefunden hat, wo es sich um Familien mit Kindern gehandelt hat und wo der Wille des Betroffenen spürbar war. Karin Donath und Filip Bäder betonen, dass dies alles nur klappte, weil große Teile der Bevölkerung, Vereine, Spender, besonders die beiden Kirchen oder Lions- und Rotary-Club und natürlich der Helferkreis sich groß eingebracht hätten. Immerhin hätte die Flüchtlingswelle damals auch Bad Wörishofen „überrollt wie ein Tsunami“.

Gelungene Beispiele sind einige syrische und afghanische Familien, bei denen die Männer inzwischen in festen Arbeitsverhältnissen angekommen sind und die bereits selbst für ihre Unterkunft aufkommen. Doch dies gelang meist durch persönliche Vermittlung oder Zufälle, wie eine sehr engagierte Helferin berichtet. Sie erzählt auch von den mannigfaltigen Aufgaben, die sie nach wie vor bewältigt: „Da fährt man dann schon immer noch mit zu Arztbesuchen, zu Vorstellungsgesprächen, zu Ämtern, zu Schulen oder leistet Hilfe bei Lehrlingsprüfungen.“ Von der Helferin weiß man, dass sie einen Lehrling aus Mali bis nach Regensburg zu seiner Gesellenprüfung begleitete, die er dann mit bestem Ergebnis bestand. „Aber man bekommt oft viel Dankbarkeit zurück und so macht die Arbeit dann auch wieder Spaß“, so ihre Begründung des Tuns im eigentlichen Rentenalter.

So hat sich für sie und ihre Mitstreiter die Arbeit mit einer Gruppe junger Männer aus Eritrea oder Somalia gelohnt, die inzwischen weitgehend auf eigenen Beinen stehen und Lehren als Maler oder als Kellner im Hotel absolvieren.

In Kirchdorf ist eine Familie untergebracht

In geordneteren Bahnen läuft es inzwischen auch in Kirchdorf, wo es zuweilen schon nicht ganz einfach war. Wie eine Mitarbeiterin berichtet, ist dort jetzt eine Familie untergebracht, die durch Nachzug ergänzt wurde.

„Das führt aber dazu, dass wir fünf Helfer, die wir derzeit sind, bei der Betreuung mit Sprache und einfachen Hilfestellungen wieder ganz von vorne beginnen müssen. Gut klappt es mit den Kindern, die in der Kneippstädter Schule auch bestens aufgehoben sind.“

Wie Karin Donath und Filip Bäder jedoch auch erzählen, gibt es in einer Unterkunft im Dorschhauser Weg 6, die allerdings mit Neuzugängen fast wieder überbelegt ist, schon noch Konflikte, während daneben, wo Jugendliche von den Rummelsbergern betreut werden, alles völlig glatt laufe. Ruhiger geworden ist es auch um die Unterkünfte am Buchenweg und um Dorschhausen. Die große Erstaufnahmeeinrichtung im Gewerbegebiet steht ja schon lange leer und wird nach Ansicht der Asylkreisleiter wohl auch nicht mehr belegt, denn Bad Wörishofen bekomme keine weiteren Zuweisungen mehr.

Der Helferkreis würde sich über neue Mitglieder freuen

Dennoch dürfte dem Helferkreis die Arbeit auch in Zukunft keineswegs ausgehen und über neue Mitglieder würde er sich freuen.

Auch dass Karin Donath von der Stadt für diese Aufgabe von anderen Tätigkeiten, für die sie eigentlich vorgesehen war, freigestellt wurde, ist keine Selbstverständlichkeit. Dasselbe gilt auch für Gemeindereferent Filip Bäder und die katholische Kirche. Einmal in der Woche steht dazu noch Sarah Dillmann jeweils am Dienstag von 11 bis 12.30 Uhr im Benefiziatenhaus zur Beratung bereit.

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