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Elektrobähnle

11.08.2011

Zahlreiche Kinderkrankheiten diagnostiziert

„Höchst gewöhnungsbedürftig“, so das Urteil der Busfahrerin Elvira Liepert (Bild o. re.) nach ihrer ersten Probefahrt mit dem Elektrobähnle. Auch scheiterten alle Versuche, eine Rollstuhlfahrerin in den Bus zu hieven. Stadtwerkechef Helmut Vater (re. u. im Bild) verspricht „keine Wünsche offen zu lassen“, falls man sich für die Anschaffung entscheide.
Bild: Fotos: Franz Issing

Auf Probefahrt durch Bad Wörishofen – einige Fahrgäste und Fahrerin zeigten sich enttäuscht

Bad Wörishofen Die Stadt fährt umweltfreundlich vor und hat in Sachen Elektromobilität ein Pilotprojekt gestartet. Zwei Tage lang rollte der „Urban Solar Train“ eines Herstellers aus Neumarkt in der Oberpfalz versuchsweise durch das Heilbad und setzte bei seinen Jungfernfahrten schon mal mehrere hundert Passagiere „unter Strom“. Der Prototyp des von Batterien getriebenen Kurbähnle kam in Wörishofen erstmals zum Einsatz. Das E-Gefährt soll auf der Thermenlinie verkehren und den Gasbus ablösen.

Als Testfahrer sprangen auf den neuen Zug neben Hoteliers und Geschäftsleuten auch Kurdirektor Alexander von Hohenegg, sein Nachfolger Thomas Götz, sowie Vizebürgermeister Josef Fischer auf. Während einer Rundreise durch das Heilbad wurden zahlreiche Kinderkrankheiten diagnostiziert. Will der Hersteller mit der Stadt ins Geschäft kommen, muss er die erst einmal kurieren. Gewaltig hapert es nach Meinung von Insidern mit dem Fahrkomfort. Der kommt auch bei Anna Miller aus Rottweil nicht gut weg. „Viel zu eng geht es in dem neuen Bähnle zu“ findet sie. Als „sehr wackelige Angelegenheit“ bezeichnet der Unternehmer Bernhard Kaufmann die Fahrt mit dem E-Bus. Auch er vermisst Beinfreiheit und kritisiert, dass er nicht gerade sitzen kann.

Enttäuscht von ihrem möglichen, neuen Arbeitsplatz war auch Elvira Liepert. „Höchst gewöhnungsbedürftig“ urteilte die erfahrene „Frau am Steuer“, und wies auf gravierende technische Mängel hin. Ihre Bilanz nach zwei Testfahrten. „Mit diesem langsamen Fahrzeug ist der Fahrplan „alle 30 Minuten“ nie und nimmer einzuhalten.

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Dass noch nicht alles nach Plan läuft und von „Ferien-Feeling“ noch weit entfernt ist, räumte auch Franz Egger von den Stadtwerken ein. Was er bei ersten Einsätzen des E-Bähnle in „freier Wildbahn“ als negativ bewertete. „Bei den Anhängern fehlen Lüftungsklappen. Da heizen die Fahrgasträume bei Sonneneinstrahlung brutal auf“. Nicht gerade für eine ausgereifte Technik spricht, dass die Lichtschranken verrückt spielten, die Türen ständig auf und zu gingen und der E-Bus auch schon mal stehen blieb.

Ganz schlechte Karten haben Passagiere mit Handicap

So scheiterten kläglich alle Versuche, eine Rollstuhlfahrerin in den E-Bus zu hieven. Ähnliche Probleme haben vermutlich auch Mütter mit Kinderwägen, Senioren mit Rollatoren oder Leute mit Gehhilfen. „Da muss noch einiges getan werden“, mahnt Marianne Mayer an. Ihre kritischen Äußerungen hindern die Behindertenbeauftragte des Landkreises nicht daran, die „positive Kooperation“ mit der Stadt Bad Wörishofen zu vermerken. „Wir sind dankbar, dass man sich dort an das laufende Projekt „Barrierefreies Allgäu“ erinnert und uns zu Testfahrten eingeladen hat“, erklärt sie. Nicht ganz so hart gingen Fahr- und Kurgäste mit dem grauen „Stromer“ ins Gericht. „Sehr witzig, völlig geräuschlos und ein toller Blickfang“ machten erste Reaktionen die Runde. Mit dem Einsatz von Elektrobussen betritt Wörishofen absolutes Neuland. Die Stadt will neue Formen der Mobilität anbieten. Bezahlbar, bürger- und praxisnah sollen sie sein. Stadtwerkechef Helmut Vater gibt zu bedenken: „Die Eier legende Wollmilchsau gibt es halt noch nicht.“ Und er verspricht: „Falls ein E-Kurbähnle durch Wörishofen rollt, wird es bei Fahrgästen keine Wünsche offen lassen“.

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