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Wasserkraft

07.05.2013

Zerschlagene Hoffnungen

Geschäftsführer Alois Ruf (Fünfter von links) erläutert den Teilnehmern des „Tags der Wasserkraft“ die Funktionen des Türkheimer Kraftwerks.
Bild: iss

Stromerzeuger zeigen sich von Energiewende enttäuscht

Türkheim Die regionalen Betreiber von Wasserkraftwerken sind sauer. Sie klagen, dass ihnen Umweltschutzbehörden, Fischereiverbände und das Landesamt für Vogelschutz buchstäblich das Wasser abgraben. Dabei hatten sich die „Mini-Stromerzeuger“ von der Energiewende sehr viel versprochen und sich große Chancen ausgerechnet. Die haben sich nach ihrer Meinung jedoch weitgehend zerschlagen.

Energiegewinnung steht dem Umweltschutz oftmals gegenüber

„Es kann doch nicht sein, dass Umwelt- und Naturschützer uns vorschreiben dürfen, wo es bei der Nutzung von Wasserkraft langgeht“, machten sie bei einem Politik-Talk im Gasthaus „Rosenbräu“ ihrem Ärger Luft.

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Heftige Kritik ging auch an die Adresse der Wasserwirtschaftsämter. Die Betreiber von Wasserkraftwerken befürchten langfristig das Aus für kleine und mittlere Anlagen. Sie klagten über zu viel Bürokratie und ein Bombardement von ständig neuen Auflagen und Verwaltungsvorschriften. Der Europa-Abgeordnete Markus Ferber versicherte, ihre Sorgen sehr ernst zu nehmen. Er wolle beim Bayerischen Umweltministerium vorsprechen und sich für eine „gerechte Behandlung“ einsetzen, versprach der Politiker.

„Wenn die neue EU-Richtlinie samt Forderung nach biologischer Durchlässigkeit für Fließgewässer kommt, ist ein Rückbau der Anlagen nicht auszuschließen“, befürchtete der Allgäuer „renergie“-Vorsitzende Richard Mair. Müssten nach der neuen Regelung Kraftwerksbesitzer doch auf eigene Kosten so genannte „Organismusaufstiegshilfen“ errichten, die im Vergleich zu den bereits vorgeschriebenen Fischtreppen deutlich mehr Wasser führen müssen, damit auch für Kleinstlebewesen der Weg an den Turbinen frei ist.

Dieses Wasser, sagte Mair, fehle für die Stromerzeugung. Eine wirtschaftliche Bedrohung der Betreiber von Kleinanlagen sei damit vorprogrammiert. „Wenn nichts geschieht, werden kurzfristig viele Wasserkraftwerksbesitzer kapitulieren und den Betrieb ihrer Anlagen einstellen“ prophezeite der „renergie“-Vorsitzende. Den Politikern gab er zu bedenken: „Wasser ist Leben und die älteste Form der Energie.“ Zudem forderte Mair eine Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes.

Europa-Parlamentarier Ferber nahm den Ball von Mair auf und nannte die Nutzung von Wasserkraft – in Türkheim hat sie eine über 100-jährige Tradition – einen wichtigen Beitrag für eine nachhaltige Energiewende. Der CSU-Politiker wies ihr gar bei der Stromerzeugung eine Schlüsselrolle zu, ließ aber auch die Bedeutung von Biomasse nicht außer Acht. Um nicht krisenanfällig zu werden, sollte jede Region ihre Vorteile für Wind-, Sonnen- oder Wasserkraft genau abwägen, empfahl Ferber.

Heftig ging der Politiker mit Bürgern und Lobbygruppen ins Gericht, die nach dem Prinzip „Energiewende ja, aber bloß nicht vor meiner Haustüre“ alles ablehnten, sich aber ein Leben ohne günstigen Strom aus der Steckdose nicht vorstellen könnten. „Diese Nummer läuft nicht mehr“, unterstrich Ferber. Wie Mair von der „renergie-Allgäu“ appellierte der CSU-Politiker an die Betreiber von Wasserkraftwerken, zur Lösung ihrer Probleme den Dialog mit den verschiedenen Interessengruppen zu suchen.

Nach lebhafter Diskussion stand eine Besichtigung des Wasserkraftwerks Türkheim auf dem Programm. Alois Ruf aus Pfaffenhausen, Geschäftsführer des Türkheimer Kraftwerks, erläuterte die Funktionen der Anlage und ihrer naturnahen Fischpassage.

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