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Mindelheim

03.04.2020

Zufahrt zur Tiefgarage soll Stadtgraben durchschneiden

Der Anbau links neben dem Holzbaur-Haus soll nach den Plänen der Stadt abgerissen werden, um so Platz für eine Tiefgaragenzufahrt zu schaffen.
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Der Anbau links neben dem Holzbaur-Haus soll nach den Plänen der Stadt abgerissen werden, um so Platz für eine Tiefgaragenzufahrt zu schaffen.

Plus Die Stadt will einen Anbau des Holzbaur-Hauses abreißen, das sie zuvor zu treuen Händen geerbt hat. Das sagen Anwohner und Denkmalschützer.

Parkplätze sind in der Mindelheimer Altstadt ein knappes Gut. Und deshalb will die Stadt unter der Grünfläche des Maria-Ward-Klosters eine weitere Tiefgarage bauen. Für diese Pläne gibt es viel Zuspruch, insbesondere aus der Geschäftswelt. Jetzt sind Details der Planung durchgesickert. Anwohner sind fassungslos.

Der frühere Ehrenbürger wollte mit der Schenkung das Ensemble sichern

Die Zufahrt zu der geplanten Tiefgarage soll über den Altstadtring führen. Dazu ist vorgesehen, einen Anbau des Hauses abzureißen, das der frühere Ehrenbürger Erwin Holzbaur und seine Frau Johanna der Stadt Mindelheim vermacht haben. Die Eheleute Holzbaur wollten mit ihrer Schenkung das gesamte Ensemble mit Garten auf Dauer gesichert sehen.

Bürgermeister Stephan Winter sagt dazu: „Selbstverständlich respektiert die Stadt Mindelheim die Wünsche des verstobenen Ehrenbürgers.“ Die Errichtung einer zweiten Tiefgarage neben dem Ochsenareal mit einer „substanziellen Erweiterung des öffentlichen Parkraums ist für die Belebung der Altstadt und ihres Einzelhandels ein wichtiger städtebaulicher Impuls“, betont Winter. Um eine weitere Tiefgarage mit Altstadtzugang zu realisieren und gleichzeitig selbige vom Zu- und Abfahrtsverkehr zu bewahren, sei „zwingenderweise eine verkehrliche Anbindung mit einer Tiefgaragenzufahrt an den Altstadtring erforderlich“.

Zufahrt zur Tiefgarage soll Stadtgraben durchschneiden

Kreisbaumeister wünscht Zufahrt über die Frundsbergstraße

Kreisbaumeister Claus Irsigler hat keine Einwände gegen die geplante Nachnutzung des Klosters mit Wohnbebauung und Tiefgarage. Aus denkmalpflegerischer Sicht sei die Nachverdichtung aber abzulehnen. Wörtlich schreibt er: „Bezüglich der Zufahrtssituation zur geplanten Tiefgarage ist aus Sicht der Denkmalpflege eine weitere Zäsur wie im Bereich der östlichen Frundsbergstraße unbedingt zu verhindern und eine Zufahrt über die Fuggerstraße wünschenswert.“ Irsigler empfiehlt der Stadt, einen städtebaulichen Planungswettbewerb auszuschreiben.

Auch das Landesamt für Denkmalpflege hält von den Plänen im Rathaus nichts. „Eine Tiefgarageneinfahrt lässt sich an der geplanten Stelle nicht denkmalverträglich realisieren. Im Übrigen wäre eine solche an dieser Stelle sicherlich auch nicht im Sinne Erwin Holzbaurs“, betont Birgit Neuhäuser für das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege aus München.

Stadtgraben ist als Bodendenkmal

Der von den Planungen betroffene Bereich sei gleich in mehrfacher Hinsicht denkmalpflegerisch äußerst sensibel. Der gesamte Stadtgrabenbereich sei als Bestandteil des Ensembles „Altstadt Mindelheim“ in die Denkmalliste eingetragen. Darüber hinaus sei die Altstadt einschließlich des Stadtgrabens als Bodendenkmal geschützt.

Von der Anlage einer Tiefgarageneinfahrt im Bereich der Anwesen Frundsbergstraße 12 und 14, dem ehemaligen Holzbaur-Anwesen, wären zudem die denkmalgeschützte Stadtmauer – sie müsste aufwendig gesichert und unterfangen werden –, das jüngst als Baudenkmal erkannte Wohnhaus Holzbaurs (Frundsbergstraße 12) und das für das Stadtbild wichtige Nebengebäude des ehemaligen Holzbaur-Anwesens, Frundsbergstraße 14, substanziell betroffen.

Das Landesamt lehnt daher die Anlage einer Tiefgarageneinfahrt an der geplanten Stelle wegen der zu befürchtenden Auswirkungen auf die oben genannten Denkmäler „mit Nachdruck“ ab.

"Stadt muss mit Verzögerungen und finanziellem Mehraufwand rechnen"

Im Bereich der Anwesen Frundsbergstraße 12 und 14 befinden sich die Bodendenkmäler „Mittelalterliche und frühneuzeitliche Stadtbefestigung von Mindelheim“ (D-7-7928-0052) und „Mittelalterliche und frühneuzeitliche Befunde im Bereich der Kernstadt von Mindelheim“ (D-7-7928-0045), berichtet das Landesamt weiter. Mit der Errichtung einer Stadtbefestigung dürfte nach historischen Quellen im 13. Jahrhundert begonnen worden sein. Diese habe einen bereits bestehenden älteren Siedlungskern eingefasst.

Dementsprechend seien im Bereich der Stadtmauer umfangreiche Siedlungsspuren des Mittelalters zu erwarten. „Jegliche Bodeneingriffe in diesem Bereich bedürfen einer denkmalrechtlichen Erlaubnis nach Art. 7.1 Denkmalschutzgesetz. Mit der Zufahrt für eine Tiefgarage würden sowohl großflächige als auch tiefgründige Bodeneingriffe einhergehen. Dieses würde eine Zerstörung dieses hochrangigen Bodendenkmals in erheblichem Umfang bedeuten.

Auf Grund der hohen Bedeutung der Bodendenkmäler sei daher absehbar, dass Planungen mit umfangreichen Bodeneingriffen in diesem Bereich „auch aus bodendenkmalfachlicher Sicht nicht zustimmungsfähig sind“, heißt es in der Stellungnahme des Landesamtes für Denkmalschutz. Selbst bei der Erteilung einer bodendenkmalrechtlichen Erlaubnis wäre die Durchführung des Bodeneingriffs nur unter angemessener bodendenkmalpflegerischer Begleitung (Ausgrabung und Dokumentation nach denkmalfachlichen Standards) möglich. Dies wäre mit einem erheblichem zeitlichen und finanziellen Aufwand verbunden. Die Kosten dieser Begleitung wären in vollem Umfang durch den Vorhabenträger zu tragen. Jegliche Planung mit Bodeneingriffen wären selbst im Fall einer Zustimmungsfähigkeit mit potenziell sehr hohen Kosten verbunden, warnt das Landesamt für Denkmalpflege.

Bürgermeister lehnt Zufahrt über die Fuggerstraße ab

Bürgermeister Winter dagegen legt einen anderen Schwerpunkt. Einzig mögliche Alternative für eine Zufahrt wäre über die Fugger- und die Maximilianstraße. Städtebauliches Ziel sei, die historische Altstadt von unnötigem Verkehr zu befreien. Das sei auch Ergebnis breit angelegter Bürgerbeteiligungsprozesse gewesen.

Von den Holzbaur-Häusern steht laut Stadt nur das rote Hauptgebäude unter Denkmalschutz. Das schmälere Gebäude westlich davon sei nicht geschützt. „Allein die darin befindliche Stadtmauer ist geschützt und das seit der Zeit König Ludwigs I. (vor 1848). Insgesamt befindet sich dieses Gebäude in einem statisch sehr schlechten Zustand und ist zudem durchfeuchtet“, teilt der Bürgermeister mit.

Der frühere Ehrenbürger Erwin Holzbaur hat seinen gesamtes Hab und Gut der Stadt Mindelheim vermacht.

Was geschieht mit dem Erbe Erwin Holzbaurs?

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