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Festival der Nationen

07.10.2019

Zum Finale ein Feuerwerk der Klassik

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Ein großer Auftritt einer großen Sängerin: Elina Garanca riss das Publikum im Kursaal zu Jubelstürmen hin. Die Lettin, die perfekt Deutsch spricht, sorgte für ein furioses Finale des 25. Festivals der Nationen in Bad Wörishofen.
Bild: Bernd Feil

Plus Jubelstürme für Elina Garanca in Bad Wörishofen, eine bayerische Herausforderung für einen Weltstar – und ein Ausblick, der Lust auf mehr macht.

Mit einem Feuerwerk endete am Sonntagabend das 25. Festival der Nationen. Davor allerdings brannten bereits Weltstars der Klassik ein „musikalisches Feuerwerk“ in Bad Wörishofen ab, wie Intendant Winfried Roch bei der Abschlussgala im Luxushotel Steigenberger Der Sonnenhof lobte. Dort erhielt auch Ausnahmetalent Lionel Martin den „Prix Young Artist of the Year“. Keine Geringere als Anne-Sophie Mutter habe den 16-jährigen Cellisten empfohlen, sagt Roch: „Es war eine tolle Empfehlung.“

Die Gäste der Gala hatten zuvor bereits Herausragendes gehört. Mezzosopranistin Elina Garanca riss ihr Publikum im Kursaal mit Weltklasse, umwerfendem Charme und Witz zu Begeisterungsstürmen hin. „Das beste Konzert des Festivals“, war danach ein oft gehörter Satz. Auch Winfried Roch sparte im Sonnenhof nicht mit Lob. „Sie haben unser Festival bereichert und unsere Herzen berührt“, sagte er Garanca, die gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Dirigenten Karel Mark Chichon, auf der Bühne stand.

Eine bayerische Bewährungsprobe wartete beim Festival der Nationen in Bad Wörishofen auf Star-Dirigent Karel Mark Chichon.
Video: Markus Heinrich


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Im Sonnenhof wartete auf Chichon dann eine ganz neue Herausforderung, für die er den grazilen Dirigentenstab gegen ein wesentlich gröberes Holzstück tauschen musste, einen Zapfschlegel. Der Dirigent zapfte erfolgreich das erste Fass Bier des Abends an, als Belohnung für diese bayerische Bewährungsprobe gab es ein Küsschen von Gattin Garanca.

Den jungen Preisträger empfahl Weltstar Anne-Sophie Mutter

Für Lionel Martin gab es derweil den mit 5000 Euro dotierten Nachwuchspreis des Festivals, ein Unikat, wie Stefan Gabler von der Gabler-Stiftung betonte. Gabler würdigte in einer launigen Ansprache die Leistung der Festivalorganisatoren und der Künstler und erinnerte humorvoll an frühere Tischtennis-Duelle gegen die Roch-Brüder: „Da ging es zwischen uns nicht so nett zu wie hier.“ Gabler beschwor die Wichtigkeit von „Investitionen in analoge Kultur, in die Zukunft unserer Kinder“ und stellte fest: „Nur Digital ist wahrscheinlich ein Holzweg.“ Die Ansprache geriet länger als gedacht, was Gabler schmunzelnd so erklärte: „Wenn man hier oben steht und alle anderen da unten sitzen, ist das halt ein tolles Gefühl.“ Gute Laune allenthalben – und auch Preisträger Martin hat es gefallen. „Ich hatte eine ganz tolle Zeit in Bad Wörishofen“, sagte er.

Hier geht es zur Bildergalerie der Abschlussgala in Bad Wörishofen:

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Promi-Glanz beim Festival der Nationen
Bild: Bernd Feil, Markus Heinrich

Gelöst und zufrieden zeigten sich nach der Anspannung der vergangenen Tage auch die Brüder Roch aus Türkheim. „Das 25. Festival der Nationen hat uns alle mit großer Freude erfüllt“, sagen die beiden Macher des Festivals. Nicht nur, weil Stargäste wie Thomas Gottschalk nach Bad Wörishofen kamen. Die drei Säulen des Festivals – Stars, junge Weltelite, Bildungsprojekte für Kinder und Jugendliche – hätten diesmal eine „außergewöhnliche Strahlkraft“ entfaltet. Die Auftritte von Diana Damrau, Klaus Florian Vogt und Garanca bezeichnen die Brüder als „musikalische Geschenke“ und „Glücksmomente der besonderen Art“. Dass auch die 12-jährige Geigerin Chloe Chua aus Singapur, die junge Pianistin Olga Scheps, und der begnadete Geiger Nemanja Radulovic mit der Rocker-Mähne so eingeschlagen haben, freut die Rochs ganz besonders. Dass Nikolai Tokarev mit dabei war, hatte eine ganz besondere Bedeutung. Bad Wörishofen war für ihn einst Sprungbrett in die Weltelite. „Sehr stolz sind wir aber auch auf das Konzertpublikum“, sagen die Rochs. Die vermeintlich „schwere Kost“ das zweite Martinu Violinkonzert mit Frank Peter Zimmermann sei zum „Leckerbissen“ geworden und die Wagner-Gala mit Klaus Florian Vogt endete mit „Standing Ovations“.

„Es geht nicht immer nur um Mathe oder Deutsch“, sagt Winfried Roch

Zu den „herausragenden und eindrucksvollsten Momenten“ zählen die Rochs das Konzert mit dem vbw Festivalorchester, in dem Bayerns Nachwuchselite versammelt ist. Hier gehe es auch um die so wichtige Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen. Es gehe in Sachen Bildung eben nicht immer „nur um Deutsch oder Mathe“, betonte Winfried Roch bei der Gala.

Das Jubiläums-Festival verlief für die Organisatoren vergleichsweise entspannt. „In diesem Jahr hatten wir keine besonderen Wünsche zu erfüllen und negative Überraschungen blieben aus“, bilanzieren die Brüder. Kein Künstler ging im Wald verloren (Nigel Kennedy), es mussten nicht auf die Schnelle verletzungsbedingt drei Weltklasse-Konzerte gleichwertig ersetzt werden (Grimaud).

Es war auch ein Festival der Neuerungen in Bad Wörishofen

Es war auch ein Festival der Neuerungen. „Ganz besonders haben wir uns darüber gefreut, dass unser neues Bildungsprojekt ’Junge Festivalfamilie’ durch die Unterstützung von Paten einen erfolgreichen Start hatte“, sagen die Rochs. Auf diese Weise seien für Kinder und Jugendliche „unvergessliche Begegnungen mit den jeweiligen Solisten des Abends“ möglich geworden. Die Festival-Macher hoffen nun, dass ein junges Festival-Netzwerk entstehen könnte, das weitere junge Leute für klassische Musik begeistert. In diesem Jahr erlebten nach Angaben der Organisatoren rund 5500 Konzertbesucher die sieben Konzerte des „Festival der Nationen“. Das entspreche einer Auslastung von gut 90 Prozent, rechnet Manager Werner Roch vor. Hinzu kommen die zahlreichen Besucher des Musikfestes in der Stadt.

Beim Festival der Nationen ging "Verstehen Sie Spaß?" Thomas Gottschalk ins Netz: So legte "Verstehen Sie Spaß?" Thomas Gottschalk in Bad Wörishofen rein

Mit Neuerungen geht es auch weiter. Obwohl gerade erst der letzte Akkord des Festivals verklungen ist, müssen Klassik-Freunde nicht lange warten. „Erstmals präsentieren wir beim Festival der Nationen ein Sonderkonzert während des Jahres“, kündigen Winfried und Werner Roch an. Star-Geigerin Anne-Sophie Mutter gibt am 9. April einen Beethoven-Abend in Bad Wörishofen. Zum Festival-Start im Herbst sind dann Größen wie Rudolf Buchbinder und die Wiener Symphoniker, Julia Fischer oder der Tenor Rolando Villazón mit dabei. Auch das Kinder- und Jugendangebot soll weiter wachsen.

Lesen Sie dazu auch: Festival der Nationen: Mozart statt Metallica? Wetten, dass ...!

Gottschalk und Co.: Weitere Fotos vom Festival der Nationen finden Sie hier:

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Wieder viel Prominenz beim Festival in Bad Wörishofen
Bild: Bernd Feil, Marcus Barnstorf
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