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26.06.2009

Zwei Krankenhäuser auf Augenhöhe

Mindelheim/Ottobeuren "Das Ausscheiden von Chefarzt Dr. Wolfgang Pflederer ist nicht die Vorstufe zur Schließung des Krankenhauses Ottobeuren". Das stellte gestern Landrat Hans-Joachim Weirather (Freie Wähler) vor Medienvertretern im Landratsamt klar. Das Gegenteil sei der Fall. In beide kommunale Krankenhäuser, also in Mindelheim und Ottobeuren, werde derzeit kräftig in neueste Technik und damit in die Zukunft investiert.

Auch die Sorge, das Krankenhaus in Ottobeuren könnte seit dem Ende der Ära Pflederer schlechter ausgelastet sein, habe sich bisher nicht bewahrheitet. Das erklärte Dr. Martin Köbler, der als Nachfolger des ausgeschiedenen Alfons Hawner bis Mitte September als Vorstand die Geschicke der beiden Häuser lenken will. Um vier Prozent hätten die Fallzahlen sogar gegenüber demselben Zeitraum des Vorjahres zugenommen. Das Krankenhaus in Ottobeuren könne sich sogar Hoffnungen machen, bei den Budgetverhandlungen mit zwei bis drei Prozent besser abzuschneiden.

Berufung galt für beide Häuser

Die Berufung der beiden neuen Chefärzte Inneres, Privatdozent Dr. Peter Steinbigler und Dr. Christof Weitzel, habe von Anfang an für beide Häuser gegolten, betonte der Landrat. Zum Beleg für diese langfristige Strategie legte er die Ausschreibung vor, mit der sich der Verwaltungsrat vor einem Jahr auf Chefarztsuche gemacht hatte.

Zwei Krankenhäuser auf Augenhöhe

Darin heißt es: "... ist in Abstimmung mit dem Chefarzt der Inneren Abteilung bei der Kreisklinik Ottobeuren Dr. med. Wolfgang Pflederer (Internist und Kardiologe), geplant, die inneren Abteilungen beider Kliniken kooperativ zusammen zu führen und gleichzeitig das Leistungsspektrum beider Abteilungen zu erweitern".

Beide Chefärzte sagten gestern übereinstimmend, dass dieser Umstand sie überhaupt erst dazu bewogen habe, sich zu bewerben. Durch den Personalwechsel bestehe nun laut Weirather die Gelegenheit, dies konkret umzusetzen. Die beiden Chefärzte decken das Feld der Inneren Medizin ab, wobei Steinbigler in der Kardiologie hat und Weitzel in der Gastroenterologie seinen Schwerpunkt hat.

Der medizinische Fortschritt mache eine Spezialisierung notwendig. Ein Chefarzt allein könne ein Fachgebiet nicht mehr komplett abdecken. Daher habe man sich für Mindelheim und Ottobeuren zu einem Teamarztmodell entschlossen, sagte Weitzel sinngemäß. Die Patienten hätten dabei den Vorteil.

Beide Mediziner werden sowohl in Ottobeuren als in Mindelheim praktizieren. Weil in Mindelheim bis Mitte Oktober das Kardiozentrum aufgebaut wird, wird Steinbigler überwiegend in der Kreisstadt anzutreffen sein. Weitzel, der in Ottobeuren wohnt, will sich verstärkt um Ottobeuren kümmern.

Eine wichtige Rolle spielen die Oberärzte, die das Fachgebiet wie die Chefärzte in ihrer Gänze überblicken. Deren Zahl soll sogar ausgebaut werden, sagte der kommissarische Vorstand Dr. Köbler, ohne Zahlen zu nennen. Der Landrat schätzt sich glücklich, dass sich mit Köbler der Vorstandsvorsitzende der Peritinos AG aus Berlin bereit erklärt hat, vorübergehend die Geschäfte zu führen. Köbler kennt die Kreiskliniken gut. Er war als Berater über Monate im Haus.

Köbler sagte, es sei "extrem notwendig", beide Häuser technisch hochzurüsten. Bis Ende September werde auf digitales Röntgen umgestellt. Damit könnten Aufnahmen von Krankheitsbildern leichter an andere Ärzte weitergegeben werden. In Ottobeuren sei dies bereits geschehen. Ein Computertomograf sei in Ottobeuren bereits installiert.

Bis September soll auch ein Konzept umgesetzt werden, wonach die Pflegekräfte in beiden Krankenhäusern deutlich entlastet werden, damit sie mehr Zeit für den Patienten haben. "Die Arbeitszeit am Patienten soll um zehn Prozent erhöht werden", so Köbler. Zur Entlastung sollen Dienstleister von außen hinzugezogen werden.

"Es gibt keine Abstufung"

In Mindelheim entstehen eine neue Notaufnahme und der Herzkathetermessplatz. Dazu seien die Umbauarbeiten angelaufen. Steinbigler betonte, dass beide Krankenhäuser medizinisch auf sehr hohem Niveau ausgerüstet würden. "Es gibt keine Abstufung zwischen beiden". Ein 16-Zeilen-Herz-Computertomograf wie in Ottobeuren sei technisch viel komplexer als der Herzkathetermessplatz.

In Ottobeuren fand am Mittwoch eine Personalversammlung statt, wo sich Köbler und die zwei Chefärzte vorstellten. Der Landrat sagte zur Stimmungslage: "Es war etwas anderes zu spüren als Paralyse".

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