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Brauchtum

31.10.2017

Zwischen Dunkelheit und Licht

Der November ist der Monat des Gedenkens.
Bild: Josef Hölzle

Der November weckt Widersprüche. Von Seelenzöpfen und Bauernregeln im „Totenmonat“.

Manche verdammen ihn, andere mögen ihn: den Monat November. Er bringt Dunkelheit, Nebel, lange Abende, fallendes Laub und mitunter auch schon spürbare Kälte. Im Totenmonat, wie er wegen seiner Gedenktage oft genannt wird, bereitet sich die Natur auf die lange Winterruhe vor. Die Tage sind kurz und oft recht düster. Das letzte Grün ist dahin, die Felder sind abgeräumt, die Bäume zeigen sich kahl und die Gärten sind winterfest gemacht. Die Zugvögel sind längst über alle Berge und die Natur gehört nun ganz unseren heimischen Vögeln und Tieren, die im Winter hier bleiben.

Weil der November quasi das Tor zum Winter ist, gehen auch zahlreiche alte Bauern- und Wetterregeln auf ihn ein. So heißt es zum Beispiel: Allerheiligen-Reif macht zur Weihnacht alles steif. Eine andere Weisheit geht so: Hängt das Laub im November rein, wird’s ein langer Winter sein. Oder aber: Wenn im November die Bäume blühn, wird sich der Winter lange hinausziehn. An Wetterregeln mangelt es wahrlich nicht. Diese hier gehört ebenfalls dazu: Friert im November zeitig das Wasser, dann ist’s im Januar umso nasser. Oder wie wäre es hiermit? Der Martinstag ist ja nicht mehr weit entfernt: Ist der Martin hell, kommt der Winter schnell. Wer da nicht genau hingeschaut hat, bekommt einige Tage später eine weitere Gelegenheit. „St. Elisabeth (19.11.) sagt’s an, was der Winter für ein Mann.“

Mit dem Absterben der Natur im Herbst wird uns Menschen auch die Vergänglichkeit unseres Lebens deutlich gemacht. Der Monat November ist deshalb geprägt von einigen Gedenktagen, die an den Tod und die Vergänglichkeit alles Irdischen erinnern. Es sind dies Allerheiligen, Allerseelen, der Volkstrauertag und der Totensonntag. An Allerheiligen gedenkt die Kirche der Toten, die schon endgültig im Reich Gottes sind, also der Märtyrer und Heiligen. Das Allerheiligenfest entstand bereits im 7. Jahrhundert und ist noch heute in überwiegend katholischen Regionen, so auch in Bayern, ein Feiertag. „Allerseelen“ am 2. November ist der Gedenktag für alle Verstorbenen.

Allerdings hat es sich eingebürgert, dass das Totengedenken in den katholischen Kirchen am Nachmittag von Allerheiligen stattfindet. Dabei tragen viele Gläubige zum Zeichen der Trauer dunkle Kleidung. An Allerheiligen kommen nach altem Brauch auch viele Menschen zu den Gräbern, die auswärts wohnen und fern ihrer verstorbenen Angehörigen leben. So gibt es traditionell auf den Friedhöfen ein vielfaches Wiedersehen mit alten Freunden und Bekannten.

Im Mittelpunkt des Allerseelen-Gedenkens steht das Gebet für die „armen Seelen“. Eigentlicher Ursprung dafür ist der einstige Glaube, dass Gebete und Messen die Wartezeiten der armen Seelen im Fegefeuer verkürzen könnten.

Da man glaubte, dass die Seelen der Verstorbenen in diesen Tagen in der Nähe sind und leibliche Bedürfnisse haben, stellte man ihnen früher Seelenbrote auf, die man auch „Seelenzöpfe“ und „Seelenwecken“ nannte. Daraus entstand der Brauch, dass die Kinder zu Allerseelen von ihrem Paten einen „Seelenzopf“ bekamen. Weil man glaubte, dass der Sitz der Seelen im Haar sei, wurde der Hefeteig in Zopfform gebacken. Seelenzöpfe sind auch in unserer Zeit als Gebäck recht beliebt.

Die Allerseelenzeit bot früher, als es noch keine soziale Absicherung gab, den Armen des Dorfes eine Möglichkeit, um Almosen zu bitten. Deshalb zogen in der „Seelwoche“ die Armen zusammen mit ihren Kindern und Leiterwägele von Hof zu Hof und baten um „Seelwecken“. Erhielten die armen Leute etwas geschenkt, so dankten sie mit dem Spruch: „Vergelt’s Gott für die armen Seelen“.

Wichtigstes Brauchelement an den Totengedenktagen ist das Licht, das im Volksglauben die armen Seelen besonders erfreuen soll. Deswegen werden auch auf die mit Blumen und Kränzen geschmückten Gräber kleine Lichter zum Gedenken der darin Ruhenden gestellt.

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