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30.03.2009

Zwischen Genie und Wahnsinn

Bad Wörishofen Die Krise beherrscht die Welt - die Nachrichten, die Gespräche, das Denken. Sie ist allgegenwärtig, auch im Kabarettprogramm von Bruno Jonas im seit Wochen ausverkauften Kurhaus. Als Unternehmensberater Unwirsch nutzt er am Flughafengate den Delay, um dem Publikum die gesamte Palette seiner Coachingtätigkeit zu erklären. Sein hochpolitischer, komplexer Programminhalt war jeder Krise erhaben. Sogar tagesaktuelle Meldungen vom Wattestäbchen-Skandal in Baden-Württemberg baute er mit ein. Doch in seinem Vortrag befand er sich in einer kleinen Krise, die ganz akut nach der Pause wurde. An einigen Stellen verlor er einfach den Faden, sprich den Text, oder verhaspelte sich in seinen Sätzen und Pointen.

Lag's an den Synapsen, die Unterzucker hatten, wie er selbst vermutete? An seinen komplexen Gedanken- und Satzstrukturen wie beispielsweise "Eine kombinierte Matrixstruktur liegt vor, wenn sich mehrere Chefs einen Schuldigen teilen müssen"? Oder aber am etwas verhaltenen Publikum, das keinen Beifall gab, wenn es vorgesehen war, und dann wieder an der falschen Stelle frenetisch klatschte, wie über die Tatsache, dass Nokia 3000 Arbeitsplätze in Rumänien geschaffen hat und diese Arbeiter dann wenigstens nicht mehr in deutschen Fußgängerzonen betteln können. Auch nach den ersten Klängen des Defiliermarsches, den Jonas lauthals intonierte, klatschten alle automatisch mit.

Dagegen lachte über die CSU-Frau von der Leyen, die Jonas als Sozialdemokratin betitelte, niemand. Die geriet mit ihrer "Krippenbewegung" böse in die Kritik des Niederbayern, der sich fragte, wann man auch noch das befruchtete Ei abgeben kann. Nicht alle Kinder müssten vor Trotteleltern, die ihre Kinder in der Tiefkühltruhe lagern, geschützt werden. "Die Frage ist, ob ein Kind Recht auf Eltern hat." Das Investment Kinder lohnt in der Krise nicht, diese seien nämlich von Ratingagenturen mit "TripleX" eingestuft worden. Nachdenkliche Töne über unsere Gesellschaft.

Die Moral wurde outgesourct

Zwischen Genie und Wahnsinn

Unter dem Titel "Bis hierher und weiter" hatte Bruno Jonas ein anspruchsvolles zweieinhalbstündiges Programm zusammengestellt, das vom roten Faden "Unternehmensberatung" zusammengehalten wurde. Anschaulich erklärte er, wie es zur Krise kam. Investmentgroups kaufen schuldenfreie Firmen, finanzieren den Kauf bei einer Bank, übertragen die Schulden auf das Unternehmen und schmeißen dann die Hälfte der Belegschaft raus, um die Firma zu retten. Und dieselben Banker, die die Krise im Vorstand verursacht haben, wollen sie jetzt im Aufsichtsrat lösen. Die Moral wurde längst outgesourct. Zur Krise konnte es nur kommen, weil das Vertrauen groß war: "Man muss seine Mitmenschen loben, ihr Vertrauen gewinnen und es dann missbrauchen." Die Welt brauche Erlöser wie Obama. "Wir könnten in Bayern auch einen Hoffnungsträger gebrauchen, es muss ja kein Schwarzer sein."

Mit feinem Humor nahm er Banker und Spitzenpolitiker ins Visier, wie Seehofer oder Merkel, deren Tonlage und Gesichtsausdruck er hervorragend nachahmen kann. Der Bürger solle jetzt aus der Krise herausführen, indem er Bundesschatzbriefe kauft, echte Zockerpapiere, meint Jonas. Mit denen garantiere Merkel die Sparguthaben. "Der Bürger tut das, wofür er geschaffen wurde, er bürgt." Er beteiligt sich an Banken und rettet Opel, obwohl die Autos sowieso keiner kauft. Jonas rät: kaufen, verschrotten und die Abwrackprämie kassieren.

Auch die Kirche bekam ihr Fett weg: "Der Papst in Afrika hat den Kopf bis zum Hals im Kondom stecken gehabt, dadurch war seine Wahrnehmung getrübt." So wurde der gescheiterte Theologiestudent nach sechswöchigem BWL-Studium auch Unternehmensberater, weil er "eines Tages merkte, dass ich keine kleinen Ministranten mag". Nun tut er Dinge, von denen er keine Ahnung hat: "Das ist meine Stärke."

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