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Allgäu: Sie ermitteln bei schweren Verbrechen im Allgäu

Allgäu

Sie ermitteln bei schweren Verbrechen im Allgäu

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    Thorsten Ritter leitet die Kriminalpolizei in Memmingen.
    Thorsten Ritter leitet die Kriminalpolizei in Memmingen. Foto: Ralf Lienert

    An der weißen Stellwand hängt ein Foto der ermordeten 16-Jährigen. Drumherum sind Infos zu den beiden Tatverdächtigen platziert und weitere wichtige Details zu dem Fall, der im November das Unterallgäu erschütterte. Die Stellwand steht bei der Memminger Kripo in einem Raum im zweiten Stock. Von dort aus arbeitet die „Soko Shelter“, die den Memmingerberger Mordfall aufklären soll. „Das schaut bei uns schon so aus, wie man das aus Krimis im Fernsehen kennt“, sagt Thorsten Ritter. „Wir arbeiten mit Stellwänden, aber natürlich auch mit entsprechender Software.“ Ritter leitet die Kripo Memmingen und die „Soko Shelter“. Details zum Mordfall gibt er mit Blick auf die laufenden Ermittlungen nicht preis. Aber er spricht allgemein über die Arbeit einer Soko – die Kurzform für „Sonderkommission“.

    Wann wird eine Soko gebildet und wer entscheidet das?

    „Bei einem schweren Kapitalverbrechen – vor allem bei Tötungsdelikten – wird eine Soko eingerichtet“, sagt Ritter. In der Regel bestehe sie aus „einer hohen zweistelligen Zahl an Mitarbeitern“. Die Entscheidung falle in den ersten Stunden nach einer Straftat: „Wenn etwa viele Zeugen zu vernehmen, der oder die Täter unbekannt sind oder die Spurenlage sehr umfangreich ist, hat eine Soko Sinn.“ Ob eine Sonderkommission im Allgäu eingerichtet wird, entscheiden die jeweiligen Kripo-Chefs im Einvernehmen mit dem Polizeipräsidium in Kempten. Aus dessen Zuständigkeitsgebiet werden die Mitarbeiter zusammengestellt.

    Wer arbeitet in einer Soko mit?

    Die Mitglieder einer Soko kommen sowohl von der Kripo als auch von der Schutzpolizei, aus allen Dienststellen des Polizeipräsidiums oder vom Landeskriminalamt (LKA). „Entscheidend ist neben der Fachkompetenz insbesondere die Teamfähigkeit“, beschreibt Ritter das Anforderungsprofil. Einzelkämpfer seien nicht erwünscht. Die Leitung übernimmt in der Regel der örtliche Kripo-Chef. Die Soko ist in der Dienststelle angesiedelt, in deren Bereich die Straftat geschehen ist. Auch ein Staatsanwalt ist bereits mit im Boot, wenn der Tatort unter die Lupe genommen wird.

    Sonderkommissionen im Allgäu

    Sonderkommissionen gibt es immer wieder auch im Allgäu. Eine Auswahl der vergangenen fünf Jahre:

    Soko Fundus Ermittlungen liefen seit Juli 2019 wegen des Verdachts von Verstößen gegen das Tierschutzgesetz. Insgesamt wurde gegen drei Milchviehbetriebe in Bad Grönenbach ermittelt.

    Soko Portal Bei einem Tötungsdelikt in Kaufbeuren-Neugablonz im März 2020 wurde ein 50-jähriger, pflegebedürftiger Mann in seiner Wohnung ausgeraubt, gefesselt und starb in der Folge. Drei Täter wurden ermittelt, zwei davon verurteilt – der dritte starb noch vor der Gerichtsverhandlung.

    Soko 1990 Am 17. November 1990 starb ein damals Fünfjähriger beim Brand eines Mehrfamilienhauses in Kempten. Nach ersten Ermittlungen kam man zu dem Schluss, dass es sich um eine Brandstiftung mit Todesfolge handelte. Im Oktober 2020 nahm die Staatsanwaltschaft Kempten das Verfahren wieder auf. Dabei wurde die Tat als Mord eingestuft sowie als versuchter Mord hinsichtlich der übrigen Hausbewohner. Als Motiv wurde eine rechtsradikale Motivation der bisher unbekannten Täter angenommen. Die Ermittlungen dauern hierzu noch an; die Fernsehsendung Aktenzeichen XY griff den Fall im Januar 2022 auf.

    Soko Flur Ein 53-Jähriger soll in der Nacht auf den 13. März 2021 in Wiedergeltingen den Ex-Mann seiner Ex-Freundin im Flur einer Gaststätte mit drei Messerstichen heimtückisch ermordet haben. Vor dem Memminger Landgericht wurde er im Februar 2022 zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

    Wie ist eine Soko ausgestattet?

    In der Dienststelle der jeweiligen Kripo werden eigene Räume und Ausstattung nur für eine Soko vorgehalten – für Memmingen nahezu eine Etage. „So ist gewährleistet, dass die Mitarbeiter in Ruhe an dem Fall arbeiten können“, sagt Ritter. Kurze Kommunikationswege seien sehr wichtig. Damit alle immer auf dem aktuellen Stand sind, gibt es tägliche Besprechungen. Der Soko stehen zum Abarbeiten der vielen Infos neben modernster Technik wie spezieller Fahndungssoftware auch Labore zur Auswertung der Spuren zur Verfügung. Gearbeitet wird in der Soko gerade in der Anfangsphase rund um die Uhr. „Bei der Belastung ist auch Motivation gefordert – und eine gute Verpflegung zum Beispiel mit Obst und viel Kaffee.“

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