Petra Jenewein (rechts) hat Ri-Ri-Moden seit 1997 geführt. Gemeinsam mit Marianne Müller bereitet sie nun die Schließung vor.Foto: Karin Donath
Der Umbruch in Bad Wörishofens Innenstadt geht weiter. Weitere Traditionsbetriebe schließen, weil die Inhaber in den wohlverdienten Ruhestand gehen. In einem Fall geht eine 100-jährige Geschichte zu Ende. Oft ist aber bereits klar, wie es in den Läden weitergeht.
Seit 1. Mai 1997 hat Petra Jenewein Ri-Ri-Moden in der Hauptstraße geführt, doch Ende Mai ist Schluss. Jenewein verabschiedet sich nach fast dreißig Jahren in den Ruhestand, unterstützt beim Räumungsverkauf wird sie von ihrer Freundin Marianne Müller. „Es hat mir immer großen Spaß gemacht, wir hatten ein großes Stammpublikum, sowohl Kurgäste als auch Einheimische, doch jetzt freue ich mich auf den Ruhestand“, zieht Jenewein Bilanz. Im Laufe der Jahre habe sich die Gästestruktur gewandelt, „es kommen mehr Tages- oder Wochenendgäste, aber die kaufen genauso gerne ein“. Den Druck des Onlinehandels habe sie zwar gespürt, „doch unsere Kunden haben die persönliche Beratung und den Service geschätzt“. Im Ruhestand will sie viel reisen und ihren Enkel genießen.
Die Leidenschaft für Uhren war auch Familiengeschichte: Melanie Kolonko (von links) mit Gertrud Kolonko, Jürgen Kolonko, Peter Kolonko und Petra Suiter.Foto: Kolonko
Fast 100 Jahre Geschichte, Handwerkskunst und persönliche Beratung gehen in diesen Tagen in ein ganz besonderes Finale: Die Inhaber des traditionsreichen Uhren- und Schmuckgeschäfts Kolonko, 1930 in Schweidnitz/Schlesien gegründet und bis heute in dritter Generation als Familienunternehmen in Bad Wörishofen geführt, verabschieden sich in den wohlverdienten Ruhestand.
In Bad Wörishofen gibt es Kolonko schon seit 50 Jahren
Seit 50 Jahren ist Uhren und Schmuck Kolonko eine Institution in Bad Wörishofen. Das Geschäft von Jürgen Kolonko und seiner Ehefrau Gertrud in der Hauptstraße ist nicht nur bei den Einheimischen bekannt und beliebt. Vor allem die persönliche und individuelle Beratung und die vielen Serviceleistungen wussten die Kunden zu schätzen. Bereits der Großvater von Jürgen Kolonko war Uhrmacher, nach dem Vater hat auch Sohn Jürgen das Handwerk gelernt, das sich im Laufe der Jahrzehnte sehr verändert hat. Ob Standuhren, Pendel- oder Armbanduhren, Kolonko kennt sie alle, jede Uhr erzählt für ihn ihre ganz eigene Geschichte. Bei größeren Modellen machte er auch schon mal einen Hausbesuch und hängt die reparierte Uhr selbst wieder auf.
In einem ehemaligen Weltkriegsbunker in Südtirol reift Käse, den es bald in Bad Wörishofen zu kaufen gibt.Foto: Sammlung van Loock
„Dieser Abschied ist nicht nur das Ende eines Geschäfts, sondern auch der Abschluss eines Familienkapitels, das über Generationen hinweg viele Menschen begleitet hat“, so Jürgen Kolonko, dem das endgültige Aus sichtlich nahe geht. Trotzdem freut er sich jetzt auf den wohlverdienten Ruhestand. Wer den Laden übernimmt, stand zuletzt noch nicht fest. Inhaber Patrick Maul hat allerdings angekündigt, so schnell wie möglich wieder ein Einzelhandelsgeschäft dort ansiedeln zu wollen.
Das Käsestüble schließt. Jna Gilz führte einen Laden mit bewegter Vergangenheit.Foto: Karin Donath
Auch im Käsestüble an der Kathreinerstraße steht eine Veränderung an. Der Laden hat geschlossen. „In dem 1903 erbauten Gebäude war bis 1960 im ersten Stock eine Käserei untergebracht“, erzählt die bisherige Pächterin Jna Gilz. „Das hieß aber auch, dass die schweren Milchkübel immer nach oben getragen werden mussten.“ Ein Schild am Haus weist noch heute auf diese Besonderheit hin. Nach etwa 40 Jahren übergab Familie Bloß das Geschäft an Familie Kunz und 2011 übernahm Gilz das Geschäft. „Ich habe die Tradition des Geschäftes übernommen und im Sinne der Vorbesitzer weitergeführt.“ Dazu habe auch gehört, vorwiegend mit heimischen kleinen Käsereien zusammenzuarbeiten. „Bei den über hundert Käsesorten, die ich im Angebot hatte, waren natürlich auch Käsesorten aus dem benachbarten Ausland dabei.“ Dazu kamen später noch Fisch und Weine dazu. Beliebt war auch die frische Molke, die direkt vor Ort getrunken werden konnte. Beliebt sei auch die Buttermilch gewesen, die vor allem die Stammkundschaft zu schätzen wusste. „Auch viele Kurgäste kamen regelmäßig. Die haben den Käse gleich kiloweise mit nach Hause genommen.“
Käse aus einem ehemaligen Weltkriegsbunker
Dort steht schon fest, wie es weitergeht. Die Eheleute Alexandra und Jörg van Loock übernehmen den Laden, lassen ihn derzeit renovieren. Dann folgt ein Neustart mit einem neuen Konzept und dem neuen Namen „Käse am Eck“. Käse und Feinkost aus dem Allgäu und aus Südtirol wird es geben, mit Fokus auf „Produkte von Kleinerzeugern mit besonderen Geschichten und mit persönlichem Kontakt zu den Betreibern“, etwa beim Genussbunker, in dem Käse in Südtirol in einem ehemaligen Weltkriegsbunker reift. Mitte Mai könnte es schon losgehen, abhängig vom Fortschritt der Renovierung. „Wir freuen uns auf unsere neue Aufgabe und die stärkere Einbindung in das Leben der Stadt Bad Wörishofen. Selbstverständlich hoffen wir auf viele neugierige Kunden, die sich von unserem Angebot überzeugen lassen wollen“, teilt das Paar mit. Weine aus Südtirol werde es ebenfalls geben.
Diskutieren Sie mit
XXX 0 Kommentare
hier kommen komentare rein
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren