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Bad Wörishofen
14.05.2022

Welle von Schockanrufen: Kriminelle erbeuteten heuer bereits 400.000 Euro

Vor allem ältere Menschen wurden in Bad Wörishofen von Kriminellen mit Schockanrufen überrumpelt.
Foto: Sebastian Gollnow, dpa (Symbolbild)

Tödliche Unfälle, Gefängnis, Kaution: Betrüger setzen Menschen in Bad Wörishofen und Mindelheim mit Horrorgeschichten unter Druck.

Eine wahre Welle von Schockanrufen rollte an nur einem Tag durch Bad Wörishofen. Auch Mindelheim war betroffen. Ein Angehöriger hat einen Verkehrsunfall verursacht, Einbrüche in der Nachbarschaft, gesperrte Konten oder Gewinnversprechen. Mit diversen Betrugsmaschen versuchten die Kriminellen, an das Geld ihrer Opfer zu gelangen. Immer wieder haben sie damit Erfolg. Im Bereich des hiesigen Polizeipräsidiums wurden Menschen heuer bereits um etwa 400.000 Euro betrogen.

Schockanrufe hatten sich zuletzt in Bad Wörishofen auffällig gehäuft. Der vergangene Donnerstag stellte das aber in den Schatten. Alleine zwischen 15.30 und 17.30 Uhr erhielten elf Personen in Bad Wörishofen Schockanrufe. Bekannt sind nur die Fälle, die danach angezeigt wurden. „Aufgrund der Häufung der Anrufe und der regionalen Begrenzung ist davon auszugehen, dass sich bereits Personen, die Barmittel oder Schmuck abholen, in Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West aufgehalten haben, während die Anrufer in der Regel von ausländischen Callcentern aus agieren und nur im Erfolgsfall die Abholer vor Ort dirigieren“, teilt die Polizei dazu mit. In Bad Wörishofen wurden vor allem ältere Menschen angerufen. Dabei gab es Schockanrufe ebenso wie den bekannten Enkeltrick.

Am Telefon meldete sich in Bad Wörishofen oft ein falscher Polizeibeamter

„Oft meldete sich ein falscher Polizeibeamter oder vermeintlicher Staatsanwalt und erklärte am Telefon, dass ein naher Angehöriger einen schweren Autounfall verursacht hätte, bei dem ein Mensch gestorben sei“, berichtet die Polizei. Um eine längere Haftstrafe von den Angehörigen abzuwenden, sollten die Geschädigten dann zum Teil hohe fünfstellige Beträge oder auch Gold vorbereiten, um diese dann an die angebliche Polizei zu übergeben. Alle elf Angerufenen, welche sich dann bei der echten Polizei meldeten, bemerkten den Betrug. In diesen Fällen machten die Kriminellen keine Beute.

Sechs weitere Schockanrufe wurden der Polizeiinspektion Mindelheim am Donnerstagnachmittag gemeldet. Geld floss auch in diesen Fällen nicht. Doch es hätte wohl nicht viel gefehlt. Die Schockwirkung sei so groß gewesen, dass die Angerufenen einen Teil der Anweisungen befolgten, obwohl sie die Betrugsmasche durch Warnungen eigentlich kannten. „Die Betrüger versetzten die Geschädigten durch ihre Anrufe in einen Alarmmodus und unter ständigen Druck“, schildert die Polizei. In zwei Fällen gingen die Angerufenen von einem echten Unglücksfall aus. Sie seien bereit gewesen, die Kaution nach angeblich tödlichen Verkehrsunfällen zu bezahlen. Dazu kam es nur deshalb nicht, weil die Angerufenen zu wenig Bargeld verfügbar hatten. Daraufhin beendeten die Kriminellen die Gespräche.

In Mindelheim hätten die Kriminellen fast Erfolg gehabt - doch die Angerufenen hatten Glück im Unglück

Ein weiterer Anruf wurde in Buchloe angezeigt. Am Telefon weinte die angebliche Tochter einer 51-Jährigen, dann übernahm ein angeblicher Polizist der Inspektion Buchloe das Gespräch. Auch hier ging es um einen tödlichen Verkehrsunfall. Die schockierte Frau beendete das Gespräch und begab sich zur Polizeiinspektion Buchloe, um nach ihrer Tochter zu sehen. So flog der Betrug auf.

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Auch die Polizeiinspektion Kaufbeuren erhielt Mitteilungen über betrügerische Anrufe. Auch dort ging es um Unfälle, Kaution und mögliche Gefängnisstrafen. Geld floss nicht. In Marktoberdorf und Illertissen versuchten es Betrüger mit Gewinnversprechen und wollten zur Deckung der Frachtkosten Codes von Geldwertkarten. In einem anderen Fall sollte nach einem angeblichen Einbruch in der Nachbarschaft zur Sicherheit Schmuck und Bargeld an die angebliche Polizei übergeben werden. Auch dieser Versuch scheiterte.

In Neu-Ulm meldete sich ein angeblicher Polizeibeamter von Europol, in englischer Sprache. Der Mann wollte die Kontodaten des Opfers ausspähen.

Schaden durch Schockanrufe heuer bereits doppelt so hoch wie im gesamten Jahr 2021

Nicht immer bemerken die Angerufenen den Betrug rechtzeitig. Durch erfolgreiche Schockanrufe erbeuteten Betrüger im Jahr 2022 bereits knapp 400.000 Euro im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West, fast doppelt so viel, wie im gesamten vergangenen Jahr. Das Geld verteilt sich auf nur acht erfolgreiche Beutezüge. Im Vorjahr waren es neun erfolgreiche Fälle, bei denen 250.000 Euro erbeutet wurden.

Die Polizei rät, am Telefon nie persönliche Daten oder Vermögensverhältnisse preiszugeben, auch wenn der Anlass noch so schlimm erscheint. Um sich Klarheit zu verschaffen, dürfe sogar der Notruf der Polizei für Rückfragen genutzt werden, wenn die Telefonnummer der lokalen Dienststelle nicht bekannt ist. Angebliche Verwandte sollten zur Überprüfung immer über Nummern zurückgerufen werden, die bereits bekannt sind. (mhe, mz)

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