KI-Rüstungs-Startup investiert 18 Millionen Euro in Unterallgäuer Firma
Viel Geld für Rüstung
Kampfdrohne im Bau: KI-Rüstungs-Startup Helsing investiert 18 Millionen Euro in Unterallgäuer Firma
Vor einem Jahr übernahm das KI-Rüstungsunternehmen Helsing den Flugzeughersteller Grob Aircraft in Mattsies bei Mindelheim. Seitdem hat sich dort einiges verändert.
Der Drohnenhersteller Helsing will sich vergrößern und bereitet den Bau eines neuen Werks vor. Unter anderem will das Unternehmen innerhalb von vier Jahren ein KI-gesteuertes unbemanntes Kampfflugzeug entwickeln. (Archiv)Foto: Peter Kneffel/dpa
Das grelle Orange ist weg. Das fällt als Erstes auf, wenn man knapp ein Jahr nach der Übernahme durch Helsing die Firma Grob Aircraft bei Mattsies besucht. Die zahlreichen knalligen Farbflächen auf dem Firmengelände und an den Gebäuden sind dezentem Schwarz, Weiß und Dunkelgrau gewichen. Es ist nicht die einzige Veränderung der vergangenen Monate: Rund 18 Millionen Euro hat das KI-Rüstungsunternehmen Helsing seit der Übernahme in den Standort in Mattsies investiert, und das nicht nur in die Liegenschaften, wie Geschäftsführer Wolfgang Gammel im exklusiven Gespräch mit unserer Redaktion verrät.
Die Kampfdrohne CA-1 Europa ist das Projekt, an dem bei Grob Aircraft in Mattsies gerade gearbeitet wird. 2027 soll der Prototyp in die Luft gehen, sagt Geschäftsführer Wolfgang Gammel.Foto: Melanie Lippl
Helsing ist „das“ deutsche Start-up in der Rüstungsbranche und machte erst jüngst Schlagzeilen mit einer möglicherweise bevorstehenden erneuten Finanzierungsrunde: Medienberichten zufolge soll Helsing nach einer weiteren Kapitalspritze in Höhe von 1,2 Milliarden Dollar einen Firmenwert von 18 Milliarden Dollar erreichen. Über flotte Sprüche, dass wieder „frisches Geld“ ins Unternehmen komme, kann Wolfgang Gammel nur müde lachen. Es ist ja nicht so, dass man diese Summen einfach so geschenkt bekäme. „Es erleichtert das Leben ein Stück weit, aber erhöht auch den Druck, mit dem Geld richtig umzugehen“, sagt der Geschäftsführer von Helsing und Grob Aircraft. Hinterher müsse eine Leistung, ein Produkt herauskommen, das am Markt erfolgreich sei.
Bei Grob Aircraft in Mattsies arbeiten derzeit 320 Menschen
Als Helsing Grob Aircraft vor knapp einem Jahr übernommen hatte, arbeiteten dort rund 260 Menschen. Heute seien es rund 320 Personen, die teils auch aus München hierhergekommen sind, wie Gammel erklärt. Tendenz weiter steigend: In der Fertigung, im Einkauf und im Engineering werden noch rund 30 Kräfte gesucht. Für die Entwicklungsingenieure von Helsing und seinen Partnerfirmen sei eigens eine kleine Containersiedlung errichtet worden, sagt Gammel. Es ist nicht die einzige Veränderung in Mattsies seit der Übernahme.
Bei Grob Aircraft in Mattsies gibt es jetzt wieder eine Kantine.Foto: Melanie Lippl
Es wurde auch Geld in Trainings sowie in die Sicherheit gesteckt. Weitere Investitionen zwischen zehn und 15 Millionen Euro sollen laut Gammel folgen. Aktuell entsteht gerade ein Zaun rund um das Firmengelände. Mannshoch und mit einer Länge von rund 4,3 Kilometern soll er nicht nur verhindern, dass Rehe über die Flugbahn laufen, sondern auch für die nötige physische Sicherheit des Unternehmens sorgen. Man habe einen gewissen Investitionsstau auffangen müssen, erklärt Gammel freimütig, und das in mehreren Bereichen. So wurde etwa die Kantine, in der während der Pandemie Atemmasken produziert wurden und die seitdem geschlossen war, saniert und wiederbelebt, sehr zur Freude der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die nun mittags ein von ihrem Arbeitgeber subventioniertes Essen bekommen.
Ein rund 4,3 Kilometer langer Zaun entsteht gerade um das Gelände von Grob Aircraft in Mattsies.Foto: Melanie Lippl
Doch um möglicherweise auftretenden Unsicherheiten beim Personal nach einer Firmenübernahme entgegenzutreten, braucht es weitaus mehr als eine warme Mahlzeit. „Man muss mit den Leuten vernünftig reden“, so lautet Gammels Standpunkt. Den Mitarbeitenden zeigen, welche Strategie man verfolgt, und sie auf diesem Weg mitnehmen. Denn für ein Projekt wie die CA-1 müsse der komplette Standort mitziehen. Das sei in Mattsies der Fall, so sein Eindruck.
Die G120 TP ist der Verkaufsschlager von Grob Aircraft
Die Produktion bei Grob Aircraft teilt sich aktuell in zwei Bereiche auf. Rund 80 Prozent macht in Mattsies das Bestandsgeschäft aus, also der Bau und Verkauf von Trainingsflugzeugen samt Systemen wie dazugehörigen Simulatoren und Trainingsprogrammen. Der Verkaufshit G120 TP werde stetig nach Kundenwünschen weiterentwickelt. „Das Flugzeug schaut anders aus als vor zwei Jahren und wird auch in zwei Jahren wieder anders ausschauen“, sagt Gammel.
Bislang wurden über 200 Stück der G120 TP produziert und in die unterschiedlichsten Regionen exportiert. Die deutsche Luftwaffe setzt ebenso auf die Produkte aus dem Unterallgäu wie die britische Royal Air Force, die United States Army, die kanadische Luftwaffe, aber beispielsweise auch Argentinien, Mexiko, Jordanien, Indonesien, Ecuador, Äthiopien, Kenia, Schweden oder Bangladesch.
Die G120 TP ist ein Trainingsflugzeug, das inzwischen mehr als 200 Mal verkauft worden ist.Foto: Grob Aircraft
In Zukunft hofft Grob Aircraft auf europäische Länder wie Schweden, Finnland, Norwegen und Italien als künftige Kunden. Doch das kann dauern: Zweieinhalb Jahre sind bei solchen Verkaufsprozessen nicht unüblich. Immerhin: Der neue Geschäftsführer von Grob Aircraft war überrascht vom positiven Kundenzuspruch nach der Übernahme. „Es ist keine Unsicherheit entstanden“, sagt Wolfgang Gammel. Im Gegenteil: So habe etwa Kanada bereits nachbestellt.
So weit ist der Prototyp der Kampfdrohne CA1-Europa von Helsing
Unbemannt und autonom – so soll einmal das neue Kampfflugzeug der Firma Helsing den europäischen Luftraum verteidigen. Bei der Präsentation zeigte sich Ministerpräsident Markus Söder beeindruckt.
Zwei Prototypen der Kampfdrohne würden gebaut, die zunächst mit einem „Safety pilot“, also einem Menschen, in die Luft gehen, auch, um mehr Testflugstunden generieren zu können. Bei der deutschen Luftwaffe rechnet sich Gammel „hohe Chancen“ aus, wie er sagt. Schließlich gehe es um nationale Souveränität – ein Thema, das hierzulande mehr und mehr ernster genommen werde.
In welcher Größenordnung und an welchem Standort die KI-Drohne CA-1 einmal produziert werde, das werde die Nachfrage zeigen, so Gammel. Der Geschäftsführer scheint zufrieden zu sein mit der Situation ein Jahr nach der Übernahme des Standorts in Mattsies. Ein gemeinsames Projekt sei das Beste, um zusammenzuwachsen, sagt er. Ob das bei Grob Aircraft und Helsing geklappt habe? Er gibt mit einem Augenzwinkern das größte Lob, das ein Bayer vermutlich geben kann: „Das passt scho.“
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