German Wankmiller, Vorsitzender der Geschäftsführung, führte durch die Ausstellung und erklärte – wie hier am Beispiel eines elektronischen Werkzeugspeichers – die immer wichtiger werdende Rolle von Automatisierung.Foto: Melanie Lippl, Sandra Baumberger
Es ist 11 Uhr, als Vertriebschef Christian Müller zusammen mit den Gästen der Grob-Hausmesse den Countdown herunterzählt. Bei null angekommen, drückt er den roten Buzzer, der Vorhang fällt. Dahinter: die jüngste Grob-Entwicklung, die GP1350, ein Fünf-Achs-Fräs-Portal-Bearbeitungszentrum. Oder wie German Wankmiller, der Vorsitzende der Geschäftsführung, später sagen wird: „unser Hoffnungsträger“.
Aus flüssigem Metall kann die GMP300 verschiedenste Bauteile 3D-drucken. Unser Bild zeigt Aufsichtsratsvorsitzenden Christian Grob (links) und Geschäftsführer German Wankmiller.Foto: Melanie Lippl, Sandra Baumberger
Vertriebschef Christian Müller drückt den Buzzer – und der Vorhang fällt für die neue Portalmaschine GP1350 von Grob.Foto: Melanie Lippl
Zur Hausmesse von Grob kommen wohl so viele Gäste wie noch nie
Das Interesse an dem Maschinenbauer ist in diesem Jahr noch größer geworden: Man rechnet bei Grob mit mehr Besuchern als bei der Rekord-Hausmesse 2025. Allein für den ersten Tag waren rund 1000 Personen angemeldet. Auf mehr als 6000 Quadratmetern Ausstellungsfläche präsentieren sich auch mehr als 60 Partner, es gibt über 70 Rundgänge durch die Produktionshallen und über 40 Maschinen und Anlagen live zu erleben.
Weltpremieren und mehr: Das gab es auf der Hausmesse 2026 von Grob in Mindelheim zu sehen
Die Mindelheimer Firma Grob präsentiert sich derzeit bei ihrer Hausmesse. Kommen Sie mit zu einem Rundgang über das Messegelände.
Darunter eine weitere Premiere: die GRC-M60, eine kleine Roboterzelle, das „Einstiegsmodell für eine automatisierte Fertigung“, wie Wankmiller sie nennt. Ebenfalls neu ist „Cosera“, keine Maschine zum Anfassen, sondern das System, das dahintersteckt: Diese von Grob selbst entwickelte digitale Lösung soll dazu beitragen, den Produktionsablauf weiter zu optimieren. Welche und wie viele Werkzeuge braucht man für eine bestimmte Fertigung? Wie viel Personal ist vonnöten? Aber auch: Wie ist die Qualität? Wie lief der Prozess ab? Was lässt sich optimieren? All diese Fragen soll das System beantworten.
Die Weltlage wirkt sich auf den Maschinenbauer in Mindelheim aus
Die politische Lage in der Welt ist wie die Situation auf dem Markt turbulent – und wird es weiterhin bleiben, davon geht man bei Grob aus. Umso wichtiger sei es, sich breit aufzustellen. Der Mindelheimer Maschinenbauer setzt einsteils auf E-Mobilität, andererseits auf Achtzylinder-Verbrennungsmotoren, die gerade in den USA wieder stark im Kommen sind. Mit seinen Anlagen lassen sich leichte Aluminiumteile produzieren, wie sie im Flugzeugbau nötig sind, aber auch hochfestes Material, das der Maschinenbau braucht.
Neue Chancen sieht man auch im Bereich der Rüstungsindustrie. Eine der hochautomatisierten Grob-Anlagen etwa bleibt in Bayern, soll dort Gehäuse von Nachrichtentechnik herstellen und das nach dem Motto „lights out“ – sprich: Wenn das Licht ausgeht und die Menschen nach Hause gehen, läuft die Maschine trotzdem weiter. Automatisierte Anlagen mit guter Software – das ist gerade auf dem europäischen Markt das, worin Grob seine Chance sieht. Wo früher fünf bis sechs Mann standen, ist heute noch einer, der eine Maschine bedient.
Grob will schneller und genauer als seine Konkurrenz produzieren
Einen Markterfolg hat Grob auch mit dem Bearbeitungszentrum G920 F5 geschafft, in dem zwei Spindeln unabhängig voneinander ein Werkstück bearbeiten können. „Wir sind nie die billigsten, aber meist die schnellsten“, so Wankmiller. Damit habe man selbst japanische Autohersteller wie Honda und Toyota überzeugt. Eine Halle weiter wird für VW produziert. Hier entsteht die Grundlage für eine neue Generation von E-Autos, die in zwei Jahren gebaut werden sollen. Zum Jahreswechsel hat die VW-Tochter PowerCo in Salzgitter eine eigene Batteriefabrik in Betrieb genommen. Grob stellt eine Anlage zur Verfügung, die im Takt von 0,25 Sekunden Elektroden zu einer Zelle aufeinanderstapelt. „Deutlich schneller als die chinesische Maschine und, wir denken, auch genauer“, so Wankmiller.
„Arbeitspferde“ der Landwirtschaft und Industrie waren solche stationären Motoren, wie dieser aus dem Jahr 1933.Foto: Melanie Lippl, Sandra Baumberger
Grob wirft einen Blick zurück auf die 100-jährige Firmengeschichte, zeigt etwa einen Motor von 1933 und einen VW Typ 3. Doch es geht auf der Hausmesse auch um die Zukunft. Im Bereich der Drohnensysteme sowie der humanoiden Roboter sieht die Firma zwei Technologiefelder mit stark wachsenden industriellen Herausforderungen. Allein für eine Roboterhand benötigt man knapp zwei Dutzend Antriebe, die Technik muss entsprechend filigran sein. „In das Business wollen wir am Anfang einsteigen, und nicht erst, wenn andere schon drin sind“, so Wankmiller. Und so konnten die Besucher der Hausmesse neben großen Maschinen auch einen menschlichen Roboter und einen Roboterhund der Hochschule Kempten hautnah erleben.
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