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Klimaschutz: Mindelheim setzt sich bis 2040 ambitionierte Ziele

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Mindelheim setzt sich neue Klimaziele

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    Die Stadt Mindelheim will beim Klimaschutz weiterhin Vorreiter sein. Sie hat sich deshalb bis 2040 in ihrem neuen Klimaschutzkonzept einiges vorgenommen.
    Die Stadt Mindelheim will beim Klimaschutz weiterhin Vorreiter sein. Sie hat sich deshalb bis 2040 in ihrem neuen Klimaschutzkonzept einiges vorgenommen. Foto: Leonie Küthmann

    Weil das Klimaschutzkonzept der Stadt Mindelheim aus dem Jahr 2012 inzwischen veraltet ist und sich auch die Rahmenbedingungen geändert haben, setzt sich die Stadt nun neue Klimaziele, die sie bis 2040 erreichen will. Um welche es sich dabei handelt und wie sie umgesetzt werden könnten, erläuterten Mindelheims Klimaschutzmanagerin Simone Kühn und Dr. Kerstin Koenig-Hoffmann vom Energie- und Umweltzentrum Allgäu (eza) in der jüngsten Stadtratssitzung.

    Wie Kerstin Koenig-Hoffmann vorab betonte, hat die Stadt den Klimaschutz in den vergangenen Jahren schon spürbar vorangetrieben. Exemplarisch nannte sie die Teilnahme am European Energy Award, das Fernwärmenetz, den Förderkatalog für Klimaschutzmaßnahmen von Bürgerinnen und Bürgern sowie die Sanierung der Grundschule und des Freibads. Seit 2022 beziehen die kommunalen Liegenschaften zudem Strom und Wärme bereits zu 77 Prozent aus erneuerbaren Energien. „Mir fällt keine andere Kommune mit einem ähnlich hohen Anteil ein“, lobte Koenig-Hoffmann.

    Bis 2040 sollen die Mindelheimer 40 Prozent weniger Wärmeenergie verbrauchen

    Ziel müsse es aber sein, dass der Klimaschutz in allen Bereichen zum bestimmenden Faktor werde, um so bis 2040 Treibhausgasemissionen in Höhe von 94 Prozent einsparen zu können. Wie Koenig-Hoffmann erklärte, müsste Mindelheim dafür unter anderem in den Bereichen Wärme- und Strombedarf sowie Mobilität aktiv werden.

    Laut der eza-Expertin müsste der Wärmebedarf der Mindelheimer Haushalte bis 2040 um 40 Prozent sinken und der der Wirtschaft um 30 Prozent, um das Ziel zu erreichen. 54 Prozent der Haushaltswärme sollte dann aus erneuerbaren Energien stammen, in der Wirtschaft sollte der Anteil bei mindestens 50 Prozent liegen. Neue Gebäude müssten kleiner ausfallen und CO2-neutral gebaut werden, während jährlich rund 118 bereits bestehende Gebäude energetisch saniert werden müssten. Um sie mit Nahwärme versorgen zu können, müsste diese ausgebaut werden.

    Der Anteil an E-Autos soll auf 93 Prozent steigen

    Koenig-Hoffmann rechnet damit, dass der Strombedarf der Haushalte bis 2040 um 15 Prozent steigen wird, während der der Wirtschaft um 40 Prozent sinken könnte. Im neuen Klimaschutzkonzept ist deshalb vorgesehen, pro Einwohner und Jahr 1,25 Quadratmeter Photovoltaik auf Dachflächen zu installieren und jährlich 3 Megawatt-Peak Freiflächen-Photovoltaikanlagen zu schaffen. Im Bereich Mobilität geht das Konzept davon aus, dass sich der Fahrzeugbestand in Mindelheim bis 2040 um rund 35 Prozent reduziert, die Autos seltener gefahren werden – und es sich bei 93 Prozent der Fahrzeuge um E-Autos handelt.

    Auch dafür, wie Mindelheim diese Ziele erreichen kann, nannte Koenig-Hoffmann Beispiele: Um weniger Flächen zu versiegeln, soll etwa Nachverdichtung vor Neubau stehen. Weitere Punkte sind die kommunale Wärmeplanung, bei der in Mindelheim schon viel gemacht werde, oder auch die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED-Leuchtmittel. Außerdem sollen auf kommunalen Dächern und Parkplätzen weiter PV-Anlagen installiert und alle kommunalen Liegenschaften an das Fernwärmenetz angeschlossen werden. Im Rahmen eines Mobilitätskonzepts sollen der Rad- und Fußgängerverkehr sowie öffentliche Verkehrsmittel gefördert werden, um den Autoverkehr zu reduzieren. Der Stadtrat soll Projekte künftig außerdem auf ihre Klimawirkung hin überprüfen – und gegebenenfalls nach Alternativen suchen. Der letzte Punkt in Koenig-Hoffmanns Liste könnte zugleich der wichtigste sein: die Änderung des eigenen Lebensstils.

    Kann sich Mindelheim seine Klimaschutzziele auch leisten?

    Unter den Stadträten stieß das Konzept auf breite Akzeptanz. Stefan Drexel (Freie Wähler) gab jedoch zu bedenken: „Die Stadt besteht nicht nur aus Klimaschutz. Wir haben auch noch andere Pflichtaufgaben.“ Christian Sedlmeir (AfD) befürchtet ebenfalls, dass die ambitionierten Ziele die Stadt finanziell überfordern könnten. Er stimmte deshalb letztlich als einziger gegen das Konzept, betonte gegenüber unserer Redaktion aber, dass er nicht grundsätzlich gegen Klimaschutz sei. Klimaschutzmanagerin Simone Kühn betonte jedoch, dass es sich bei dem Konzept nur um eine Sammlung von Vorschlägen handle. Über die Verwirklichung der einzelnen Projekte entscheide der Stadtrat. Bürgermeister Stephan Winter geht davon aus, dass die Stadt künftig jährlich Geld für den Klimaschutz beiseitelegen müsse – eventuell auf Kosten anderer Wünsche und Projekte.

    „Klimaschutz gibt es nicht umsonst“, räumte Kühn ein. „Aber Klimakatastrophen kosten auch.“ Ganz ähnlich formulierte es Peter Miller (ÖDP): „Klimaschutz kostet Geld. Ihn nicht oder nur halbherzig zu betreiben, kostet Unmengen mehr.“ Die Kostendiskussion ist aus seiner Sicht überholt. Denn in dem Konzept gehe es um so viel mehr, nämlich um eine echte Wende. Thomas Burtscher (Grüne) wünscht sich, dass sich die Stadt finanziell so weit wie möglich streckt, um den Bürgerinnen und Bürgern als Vorreiter im Klimaschutz voranzugehen.

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