Ärger über Besucher des Marientals bei Maria Baumgärtle: „1000 Ausreden und kein Schuldbewusstsein“
Kreis Unterallgäu
Ärger über Besucher des Marientals: „1000 Ausreden und kein Schuldbewusstsein“
Das Landratsamt fordert den Rückbau der Hütten, die der „Waldmensch“ dort errichtet hat. Zwei Männer unterstützen das und bringen eine weitere Idee ins Spiel.
Kai Kriebel (links) ist der nächste Anwohner zum Mariental, das sich gleich im Wald hinter seinem Grundstück befindet. Er und Martin Auer kritisieren den Trubel an dieser Stelle und bringen eine neue Idee für das Mariental ins Spiel.Foto: Melanie Lippl
Die Zukunft des Marientals steht derzeit in den Sternen: Die Stiftung, die das Gelände des „Waldmenschen“ Heinrich Maucher samt der dort von ihm errichteten Schutzhütten geerbt hat, will es am liebsten loswerden. Das Landratsamt fordert einen Rückbau der Schwarzbauten, die immer mehr verfallen, eine Initiative will das Mariental hingegen erhalten. „Die ganze Hoffnung liegt nun auf dem Landratsamt“, sagt Martin Auer, der in dieser Gegend Jäger ist. „Zu Lebzeiten von Heinrich Maucher war es deutlich ruhiger hier, vor allem abends“, sagt er. „Seit er gestorben ist, verkommt das Gebiet zu einem Rummelplatz und Freizeitgrundstück.“ Mit seiner Kritik ist Martin Auer nicht allein.
Kai Kriebel ist quasi der nächste Nachbar des Marientals und bekommt den „Trubel“ hautnah mit, wie er berichtet. 20 bis 30 Autos gleichzeitig seien keine Seltenheit. Gerade in der Corona-Zeit und nach dem Tod Heinrich Mauchers sei hier „richtig was los“ gewesen, und auch jetzt spüre man jede Berichterstattung über das Mariental, weil daraufhin immer jede Menge Leute diesen Ort besuchen wollten. „Wir Anlieger stehen dem eher neutral bis genervt gegenüber“, sagt er. „Und die Region hat auch nichts davon.“
Die Besucher des Marientals parken Wege zu, auf denen der Bauer fahren muss
Kriebel und seine Frau haben in der Nähe des Marientals einen Hof gekauft und betreiben dort im Nebenerwerb eine Landwirtschaft. Doch nicht immer ist das reibungslos möglich. Regelmäßig sammle er Müll auf, Plastikverpackungen wie Chipstüten oder kürzlich eine Verpackung von Erdbeeren, wie er schildert. Seine Wiese habe er schon einmal nicht fertig mähen können, weil darauf Autos geparkt hätten. Immer wieder stellen sie auch Wege zu, auf denen er als Landwirt unterwegs ist. Wenn man die Leute darauf anspreche, komme meist eine ähnliche Reaktion, sagt Kriebel: „1000 Ausreden und kein Schuldbewusstsein.“ Regelmäßig liefen etwa Menschen durch das hohe Gras, in dem die Kitze liegen, nicht immer hätten sie dabei ihre Hunde an der Leine. Und so manches Mal habe es spätabends an seiner Haustür geklingelt: „Wir haben uns festgefahren. Können Sie uns rausziehen?“
Ein Ort wie aus einer anderen Welt: Doch das Mariental verfällt immer mehr
Das Lebenswerk von Heinrich Maucher, eine selbst gebaute Ansiedelung aus Hütten, Türmen und Grotten im Wald bei Maria Baumgärtle soll abgerissen werden, weil es seit seinem Tod verfällt.
Auch Auer bestätigt diesen Eindruck: „Die Autos fahren in die Wiese, die Leute breiten die Decken aus, machen Picknick – und haben dabei kein Unrechtsbewusstsein.“ Der Jäger sagt, er habe nichts dagegen, wenn Menschen tagsüber im Wald spazieren gehen. Er befürchtet aber: „Wenn ein Verein das Mariental erhalten will, ist nie mehr Ruhe.“ Dies sei ein riesiger Störfaktor für den Wald, gerade zu späterer Stunde sei so etwas problematisch. Als Maucher noch gelebt habe, habe bereits am frühen Abend Ruhe geherrscht. „Er hat das Wild nicht gestört“, sagt Auer über den Eremiten. Heute trauten sich die Rehe wegen der von den Menschen verursachten Unruhe häufig nicht mehr auf die Wiesen, die als Äsungsfläche dienen. Die Folge sei ein erhöhter Verbiss, der dem Wald schadet.
Wird aus dem Mariental bei Maria Baumgärtle ein Biotop?
Der Jäger bringt eine Alternative für das Mariental-Gelände ins Spiel. Das Landratsamt könne das Grundstück erwerben oder sich schenken lassen, so seine Idee, und es renaturieren, womöglich sogar als Ausgleichsfläche für andere Projekte einbringen. „Da könnte man ein Biotop erster Güte machen“, so seine Meinung. „Dann sind da wieder Trollblumen statt Plastikblumen.“ Auch ein Weg oder Lehrpfad durch dieses Gebiet sei denkbar, die Mariengrotte könnte man als Erinnerung stehen lassen.
Die von Heinrich Maucher erbaute Mariengrotte könnte erhalten bleiben, so die Idee von Martin Auer.Foto: Ulla Gutmann
Das wäre in seinen Augen eine Lösung, die in Zukunft der Allgemeinheit dienen würde. Auch Kai Kriebel spricht sich für diese Variante aus: So könne man der Natur wieder etwas zurückgeben. „Besser geht‘s gar nicht“, sagt Auer. „Es wäre schade, wenn das Landratsamt diese Chance verstreichen lässt.“
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