Mit Informationen über Krisen und Kriege wird man Tag für Tag konfrontiert. Sei es im Radio, Fernsehen oder dem Internet. Je nach Alter bekommen Kinder dies natürlich auch mit und haben viele Fragen, die sie den Erwachsenen täglich stellen. Aber wie antwortet man gerade auf „schwierige oder unangenehme Fragen“ auf Augenhöhe, sodass der Nachwuchs die Informationen „richtig“ verstehen kann? Wir haben bei Selina Geiger nachgefragt. Die Unterallgäuerin ist staatlich anerkannte Kindheitspädagogin und leitet den Kindergarten in Kettershausen.
Die Kinder dürfen nicht im Ungewissen gelassen werden
„Es ist wichtig, dass wir auch unangenehme Fragen beantworten. Keine Option ist es, das Kind im Ungewissen zu lassen“, erklärt die Expertin. Natürlich müsse man beachten, in welcher Umgebung man sich gerade befindet. „Ein Gespräch an der Supermarktkasse über eine sehr ernsthafte Sache ist wahrscheinlich nicht der passendste Rahmen.“ Deswegen sei es natürlich möglich, das Thema zu verschieben und zu sagen: „Lass uns später zu Hause darüber sprechen.“ Das müsse aber unbedingt zeitnah erfolgen, betont Geiger.
Die gestellte Frage ist für das Kind in diesem Moment ein sehr wichtiges Thema, mit dem es sich beschäftigt. Deswegen sei eine Antwort unumgänglich und werde auch erwartet. „Kinder stellen Fragen meist offen und ehrlich und sind dabei unbefangen und ohne Tabus.“ Deswegen sei es wichtig, dass die erwachsene Person dies ernst nehme und nicht mit einer Bemerkung wie „das musst du noch nicht wissen“ vom Tisch wische.
Egal, um welches Thema es geht, wichtig ist es laut Geiger, Ruhe zu bewahren und durch eine Rückfrage abzuklären, wie viel Wissen bereits vorhanden ist. Beim Thema Krieg könnte diese Frage zum Beispiel lauten: „Was weißt du über Krieg?“ Dann sei es wichtig, das Kind erst einmal erzählen zu lassen. Hierbei könne es auch passieren, dass der Nachwuchs über ein sehr ernstes Thema lacht, weil die Ernsthaftigkeit noch gar nicht greifbar ist. „Mit Spielzeugpistolen zu spielen macht Spaß“, könne so ein Satz sein. „Die gezeigte Reaktion muss von der erwachsenen Person unbedingt akzeptiert werden“, so Selina Geiger.
Natürlich sei es auch wichtig, dass man beim Beantworten klar einordnet, wie alt der Sprössling ist und wie viel dieser wissen sollte, um Ängsten vorzubeugen. „Leider gibt es Krieg schon immer und wir haben Glück, dass dies bei uns kein Thema ist“, sagt die Pädagogin. „Wir sollten immer die Reaktion des Kindes abwarten.“ Es könne auch passieren, dass die Erklärung in Ordnung ist und das Kind einfach weggeht. „Das Gesprächsende bestimmen die Kinder und als Erwachsener ist dies zu akzeptieren“, so Selina Geiger und ergänzt: „Manchmal kommen Nachfragen auch Stunden oder Tage später. Dann kann man auf das Thema einfach zurückkommen und ehrlich und auf Augenhöhe antworten.“ Es sei wichtig, die Emotionen des Nachwuchses zu berücksichtigen und gut zu beobachten. Wenn das Gefühl aufkommt, dass das besprochene Thema noch nicht ganz geklärt ist, könne man auf das Kind zugehen: „Ich merke, dich beschäftigt noch etwas.“ Manchmal hilft es, gerade bei Ängsten zu erklären, dass man selbst auch Angst hat, wenn man schlimme Dinge mitbekommt. „Angst zu haben, ist in Ordnung und gehört zum Leben dazu.“ Ganz wichtig ist es, dass das Kind immer kommen kann, wenn es Fragen hat: „Du kommst,wenn du noch etwas wissen möchtest.“
Kinder bekommen oft mehr mit, als Erwachsene denken
Erwachsene sollten sich bewusst machen, dass Kinder oft mehr mitbekommen, als man denkt. Deswegen rät Geiger auch dazu, Nachrichten im Fernsehen oder Radio nicht im Beisein von Kindern anzuhören. Ab dem Grundschulalter könne man aber zum Beispiel gemeinsam Kindernachrichten wie „Logo“ im TV anschauen, wo die Geschehnisse kindgerecht erklärt werden.
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