Mindelheim wurde in seiner Geschichte gleich mehrfach verkauft, verpfändet und zurückgeholtFoto: Bernd Feil/m.i.s.
Dass man eine Stadt verkauft, ist heute nicht mehr vorstellbar – der Stadt Mindelheim ist das im Mittelalter gleich mehrfach passiert: Sie wurde verkauft und verpfändet, und nicht jeder Stadtherr hielt sich an die getroffenen Abmachungen. Wie sehr Mindelheim zum Spielball der Mächte wurde, wird deutlich, wenn man sich ihre Herrscher ansieht – und wie häufig die Stadt den Besitzer gewechselt hat.
Im Mittelalter herrschten verschiedenste Familien über die Stadt Mindelheim. Einige Persönlichkeiten werden bis heute beim Frundsbergfest dargestellt: (von links) Schwigger von Mindelberg, Ulrich von Teck, Georg von Frundsberg.Foto: Foto Hartmann, Veronika Vogt, Klaus König
Franziska Ruf, Geschichtsstudentin an der Universität Augsburg, erklärt, wie sich Mindelheim in der Zeit der Mindelberger, Hochschlitz, Teck und Rechberg bis zu den Frundsberg entwickelt hat.
1160 bis 1363: Die Mindelberger erließen eine Polizei- und Marktordnung
2012 stellte Robert Mutzel erstmals beim Frundsbergfest Schwigger II. von Mindelberg dar.Foto: Foto Hartmann
Ab 1160, so ist es bestätigt, herrschten die Mindelberger in Mindelheim und erließen hier auch eine Polizei- und Marktordnung, die den Alltag regelte. Doch die Mindelberger gerieten immer wieder in Konflikte, auch mit dem benachbarten Memmingen. Durch einen Konflikt mit der Stadt Augsburg und dem Bischof von Augsburg wurde 1349 die Feste Mindelberg zerstört. „Sein Herrschaftszentrum war nicht mehr da“, sagt Franziska Ruf über Schwigger VI., der seine politische Handlungsfähigkeit verlor und schwören musste, sich nicht zu rächen. 1363 verkauften die Mindelberger die Stadt Mindelheim, Franziska Ruf hat dazu eine Verkaufsurkunde im Staatsarchiv Augsburg entdeckt.
1363 bis 1379: Die Hochschlitz kauften die Stadt Mindelheim
Die Käufer waren Heinrich von Hochschlitz und dessen Neffe Walter, der zwei Jahre später Bischof wurde. Im selben Jahr ging Mindelheim an das Hochstift Augsburg über, also den Fürstbischof von Augsburg. Bis der Kaufpreis bezahlt war, sollte Friedrich von Teck über Mindelheim walten. Doch der wollte die Stadt plötzlich nicht mehr hergeben – und so kam es 1369 zu einer Fehde zwischen ihm und Bischof Walter von Hochschlitz. Das Hochstift belagerte Mindelheim, bis schließlich 1370 Heinrich von Hochschlitz Teile der Stadt an Friedrich von Teck verkaufte. Doch der wollte auch den Rest haben. Studentin Franziska Ruf fand eine Urkunde, in der von Teck angemahnt wird, dass er die „Halbstadt Mindelheim und die Burg“ herausgeben soll. Doch er blieb stur, und das Hochstift gab seine Belagerung auf. Die Befestigung der Stadt geht wohl auf diese Zeit unter Friedrich von Teck zurück, sie hielt der Belagerung stand.
1379 bis 1432: Die Teck mussten Mindelheim verpfänden und holten sich die Stadt zurück
Ruhigere Jahre begannen: Weil Teck verarmt war, musste Mindelheim funktionieren, sonst fehlten die Einkünfte. 1383 wurde das Stadtrecht erneuert, nach dem Tod Friedrich von Tecks ging die Herrschaft an seine Söhne über. Doch 1391 mussten sie die Stadt verpfänden, davon zeugt ein Pfandbrief, den Franziska Ruf im Staatsarchiv gefunden hat. Anna Herzogin zu Teck, von Helfenstein geboren, und die drei Söhne geben darin an, die Stadt mit „Lüt und Güt“, also Leuten und Gütern, zu verpfänden. Und erneut wechselte die Stadt ihren „Besitzer“: Burghard von Freiberg verpfändete Mindelheim weiter ans Hochstift. Sechs Wochen später holte sich Teck die Stadt wieder zurück. Auch dazu hat Ruf einen Pfandbrief gefunden, in dem es heißt: Die „Pfandschaft wird nichtig gemacht.“
Ulrich von Teck taucht auch beim Frundsbergfest auf, 2023 dargestellt von Lukas Vogt.Foto: Veronika Vogt
Erbe Ulrich von Teck bemühte sich nun gezielt um die Förderung der Stadt. Er bestätigte die Bürgerprivilegien und Mindelheim erhielt ein Kaufhaus, eine überdachte Markthalle am Marienplatz, in dem regionale Händler ihren Sitz hatten, direkt an Rathaus und Hospital angrenzend. Von Teck starb ohne leibliche Erben. 1432 übernahm sein Bruder die Stadt, doch er war Mindelheim nicht wirklich verbunden und starb früh an der Pest. Die Stadt ging an eine zersplitterte Verwandtschaft über.
1432 bis 1467: Die Rechberg wurden immer mehr als Belastung empfunden
Das Fähnlein Rechberg ist fester Bestandteil des Frundsbergfests.Foto: Stoll (Archivbild)
Ber I. von Rechberg vereinte das zersplitterte Erbe und wurde 1442 von Kaiser Friedrich III. als Alleinherrscher anerkannt. Er war ein angesehener Stadtherr. Wieder gab es Ansprüche des Hochstifts, aber sie blieben – mal wieder – unerfüllt. Rechberg war in zahlreiche politische und militärische Aktionen eingebunden. Die Mittel waren knapp, dazu kamen kostspielige Reisen, etwa eine Wallfahrt ins Heilige Land. Die Stadt Mindelheim übernahm Bürgschaften für Rechberg, doch immer mehr empfand man ihn als Belastung. „Ber I. verstarb hoch verschuldet und hinterließ mehrere Kinder“, so Ruf. Die Reichsacht wurde verhängt und letztlich wurde die Stadt Mindelheim 1467 von Ber II. und Georg I. von Rechberg an Ulrich und Hans von Frundsberg verkauft.
1467 bis 1586: Die Frundsberg verhalfen MIndelheim zu einem hohen Ansehen
Unter den Frundsberg erhielt Mindelheim ein höheres Ansehen und wurde als bedeutender Ort wahrgenommen: Hochrangige Persönlichkeiten kehrten hier ein, etwa Kaiser Maximilian I. oder Francesco Sforza, der Gründer der gleichnamigen Mailänder Dynastie. „Gleichzeitig darf man nicht vergessen, dass die Frundsberg Kriegsherren waren“, so Ruf: Sie seien nicht immer hier gewesen, die Stadt sei in Konflikte hineingeraten. 1586 stirbt Georg II. Frundsberg, der Enkel des berühmten Landsknechtsvaters. Mindelheim ging zunächst an die Maxlrain und die Schwarzberger, 1598 übernahmen die Fugger die Herrschaft – eine von Franziska Ruf gefundene Urkunde bestätigt das.
Der wohl berühmteste Stadtherr Mindelheims: Georg von Frundsberg, dargestellt beim Frundsbergfest von Wolfgang Streitel.Foto: Bernd Feil /m.i.s.
„Mindelheim erscheint in der Rückschau häufig als Mittel zum Zweck“, fasst Franziska Ruf zusammen. „Verarmte Adelsgeschlechter nutzten die Stadt, um ihre eigene finanzielle Lage zu verbessern.“ Das Hochstift in Augsburg wollte seine Herrschaft ausweiten. Mindelheim geriet immer wieder zwischen die Fronten. Das Bemerkenswerte daran: Die Stadt hatte offenbar keine Bestrebungen zur Unabhängigkeit. „Die Bürgerschaft hat ihren jeweiligen Stadtherren akzeptiert und unterstützt“, so Rufs Vermutung.
Studentinnen und Studenten der Universität Augsburg haben sich zusammen mit ihrem Dozenten Dr. Michael Philipp mit der „Geschichte der Herrschaft und Bürgerschaft Mindelheim 1450 bis 1850“ beschäftigt. Ihre Ergebnisse und Erkenntnisse veröffentlichen wir hier in einer Serie über die Geschichte Mindelheims.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren