Mindelheim: Bürgermeister Stephan Winter übergibt in einer bewegenden Feier sein Amt an Michael Schindler
Mindelheim
Bewegendes Ende einer Ära: Mindelheims Bürgermeister Stephan Winter verabschiedet sich
Mindelheims Bürgermeister Stephan Winter übergibt sein Amt nach 24 Jahren in einer emotionalen Feier an Michael Schindler. Der verrät ein ehrgeiziges Ziel.
Nach 24 Jahren im Amt übergab Mindelheims bisheriger Bürgermeister Stephan Winter (links) die Amtskette an seinen Nachfolger Michael Schindler.Foto: Marcus Barnstorf
An seinem letzten Arbeitstag zitiert Bürgermeister Stephan Winter aus Hermann Hesses Gedicht „Stufen“: „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.“ Nach 24 Jahren im Amt beginnt für ihn eine neue Zeit. Für die zahlreichen Gäste im Saal des Mindelheimer Forums ist es aber vor allem das Ende einer Ära. Entsprechend emotional fällt der Abschied aus, der gleichzeitig den Beginn einer neuen Amtszeit markiert, nämlich der von Michael Schindler. Der verrät ein ehrgeiziges Ziel.
Verabschiedung von Bürgermeister Stephan Winter: Die schönsten Bilder aus 24 Jahren
Zum Abschied von Mindelheims Bürgermeister Stephan Winter werfen wir einen Blick zurück auf die vergangenen 24 Jahre.
Zuvor aber tritt Winter ans Rednerpult, um vor allem eins zu sagen: Dankeschön. Es geht an seine Frau Gabi, die er vor 24 Jahren zur alleinerziehenden Mutter gemacht habe, an seine beiden Töchter, die es als Bürgermeister-Kinder nicht immer leicht gehabt hätten, und die Mitarbeiterinnen seines Büros, auf die er sich immer habe verlassen können.
Dem neuen Mindelheimer Stadtrat gibt Stephan Winter einen Wunsch mit auf den Weg
Sein Dank gilt auch den übrigen rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung sowie allen Stadträten und Ortssprechern, mit denen er in den vergangenen 24 Jahren zusammengearbeitet hat. „Tore schießt man nur, wenn der Mannschaftsgeist stimmt“, sagt Winter und betont, dass sich der Stadtrat immer als Kollegialorgan verstanden habe und nicht als Parlament mit Opposition. Das ist durchaus auch als Wunsch an die neuen Räte zu verstehen, die an diesem Abend ebenfalls eingeladen sind.
Emotionaler Abschied von Bürgermeister Stephan Winter
Nach 24 Jahren im Amt hat sich Mindelheims Bürgermeister Stephan Winter verabschiedet und die Amtskette an seinen Nachfolger übergeben.
Der 61-Jährige dankt seinen Stellvertretern, die immer eine große Hilfe und zudem Gesprächspartner und Berater gewesen seien, ehe diese selbst das Wort übernehmen: Roland Peter führt als Moderator durch den Abend, Roland Ahne obliegt die Verabschiedung. „Wir verabschieden nicht nur einen Bürgermeister, sondern einen Menschen, der Mindelheim über 24 Jahre geprägt hat“, sagt er und spricht von „gelebter Verantwortung“. Er würdigt Winters echtes Interesse an den Menschen und die vielen Projekte, die seine Handschrift tragen und dank derer sich die Stadt so erfreulich entwickelt habe. Besonders imponiert habe ihm die unerschütterliche Ruhe Winters auch in schwierigen Situationen.
Der Bürgermeisterkandidat Stephan Winter als „frühlingshaftes Gesamtkunstwerk“
Zuvor hatte Winters langjähriger Wegbegleiter Christoph Walter mit einer Präsentation, die Stadtarchivarin Karin Eben zusammengestellt hatte, dessen Amtszeit Revue passieren lassen. Für Winters Nominierung 2001 hatte der damalige CSU-Ortsvorsitzende Franz-Josef Pschierer gegenüber der MZ demnach unter anderem folgende Kriterien genannt: Der Kandidat dürfe unter anderem „nicht zu jung und nicht zu alt sein“, „nicht zu hübsch, aber auch nicht zu hässlich“ und außerdem „kein Hans Dampf in allen Gassen“, doch stets bürgerfreundlich. Man sei sich sicher, „mit Winter ein solch‘ frühlingshaftes Gesamtkunstwerk für den März 2002 gefunden zu haben“.
Die Mindelheimer Stadtkapelle setzte bei der feierlichen Verabschiedung musikalische Glanzpunkte.Foto: Sandra Baumberger
Mindelheim hatte damals rund 13.900 Einwohner und 1200 Gewerbebetriebe, 24 Jahre später sind es fast 16.000 Einwohner und 1600 Betriebe. Walter geht auf die größten Projekte in dieser Zeit ein, wie etwa das neue Verkehrs- und Mobilitätskonzept, die Umgestaltung der Maximilianstraße, den Bau der Tiefgarage, die Ausweisung von Wohngebieten in Mindelheim und den Ortsteilen und auch auf Winters vielfältiges Engagement für den Umwelt- und Klimaschutz. Die städtischen Kitas wurden ausgebaut, Grund- und Mittelschule saniert und die neue Abteilung für „soziale Angelegenheiten“ geschaffen. Zudem erinnert Walter an Herausforderungen wie die beiden Hochwasser 2002 und 2024, die Unterbringung Geflüchteter seit 2015, die Corona-Pandemie, den Brand bei der Firma Weikmann 2019 und den Hochhausbrand 2023. Winter habe die Stadt nicht nur geführt, sondern mit Herz geprägt. „Du bist kein Profi-Politiker geworden, sondern Mensch und Mindelheimer geblieben“, sagt Walter mit Tränen in den Augen.
Zahlreiche Redner würdigen Winters Wirken
Auch im Publikum werden im Laufe des Abends, an dem die Stadtkapelle musikalische Glanzpunkte setzt, immer mal wieder die Taschentücher gezückt. Der Bundestagsabgeordnete Dr. Florian Dorn (CSU) dankt Winter für sein „großes Wirken“, der Landtagsabgeordnete Bernhard Pohl (FW) „für alles, was du hier geschaffen und hinterlassen hast“. Sein Kollege Peter Wachler (CSU) würdigt Einsatz, Haltung und Verlässlichkeit Winters, der ein Fundament geschaffen habe, auf dem sein Nachfolger aufbauen könne. Landrat Alex Eder hebt die Ruhe und Geradlinigkeit des langjährigen stellvertretenden Landrats hervor. Er habe schnell gemerkt, was sein Vorgänger Hans-Joachim Weirather meinte, als er ihm riet: „Wenn du dem Landkreis was Gutes tun willst, dann schau, dass der Stellvertreter bleibt.“
Der scheidende Bürgermeister Stephan Winter mit seiner Frau Gabriele (von links) sowie Mindelheims neuer Bürgermeister Michael Schindler mit seiner Frau Stephanie.Foto: Marcus Barnstorf
Auch die Bürgermeister der Mindelheimer Partnerstädte Sant feliu de Guixols und Tramin, Carles Motas i López und Wolfgang Oberhofer, sowie der Schwazer Stadtrat Lukas Stecher zollen Winter ihre Anerkennung. „Du hast Brücken gebaut“, sagt Carles Motas i López und Wolfgang Oberhofer: „Vor deinem Lebenswerk ziehe ich ganz tief den Hut.“
Mindelheims neuer Bürgermeister Michael Schindler spürt das Gewicht der Verantwortung
Doch nicht nur Winter wird an diesem Abend verabschiedet, sondern auch sechs Stadträte und zwei Ortssprecher. Winter bedankt sich bei ihnen, aber auch all ihren Kolleginnen und Kollegen für ihren jahrelangen ehrenamtlichen Einsatz, der „ein echter Knochenjob“ sei. Dann überreicht er die Stadtmedaille an Silke Lotterbach (zwei Jahre Stadträtin), Thomas Burtscher (sechs Jahre), den Heimenegger Ortssprecher Alexander Ritter (acht Jahre), Fritz Birkle (zwölf Jahre), Erwin Bufler, den Ortssprecher von Gernstall und Unggenried (17 Jahre), Dr. Manfred Schuster und Claudia Steber (beide 18 Jahre) und Georg Pfeifer (24 Jahre).
Auch mehrere langjährige Stadträte und Ortssprecher wurden verabschiedet. Das Bild zeigt (von links) Georg Pfeifer, den ebenfalls scheidenden Bürgermeister Stephan Winter, Dr. Manfred Schuster, Silke Lotterbach, Erwin Bufler, Claudia Steber, Thomas Burtscher, Fritz Birkle und Alexander Ritter.Foto: Sandra Baumberger
Kurz vor Mitternacht schließlich bittet Winter seinen Nachfolger Michael Schindler auf die Bühne, um ihm die Amtskette umzulegen. Diese wiege exakt 251 Gramm. „Das ist relativ wenig, aber die Verantwortung, die daran hängt, ist etwas schwerer“, sagt Winter und wünscht Schindler Ruhe und Gelassenheit. Dieser ist erst der fünfte Bürgermeister, der die Kette trägt – und bei der Amtsübergabe sichtlich bewegt. Er freue sich auf das Amt, aber: „Ich merke die 251 Gramm extrem.“ In Mindelheim würden Herausforderungen angepackt – und zwar gemeinsam. Er trete in große Fußstapfen, wolle aber auch eigene Spuren hinterlassen, sagt Schindler und dann: „Ich freue mich auf hoffentlich 24 bis 30 Jahre.“
Diskutieren Sie mit
XXX 0 Kommentare
hier kommen komentare rein
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren