Sie sind bekannt für ihre Textimprovisationen auf Konzerten. Wenn ich Ihnen jetzt Zaisertshofen zurufe, welche Textzeile fällt Ihnen spontan ein?
BENI HAFNER: Das kann ich nur auf der Bühne. Es ist nicht so, dass es immer passiert, aber es passiert doch relativ oft, dass ich einfach eine Situation aufgreife, mir ein paar Worte zugerufen werden und ich spontan einen Song daraus mache. Auf meinen kleineren Konzerten früher war es fast schon Standard, da ich viel näher am Publikum war und dann natürlich eine ganz andere Kommunikation stattfinden kann. Im Festzelt funktioniert es auch, aber das Problem ist, dass man die Leute akustisch oft nicht versteht.
Ihr Hit „Wackelkontakt“ landete 2025 auf Platz 1 der deutschen Jahrescharts und wurde über 180 Millionen Mal gestreamt. Wie hat dieser Erfolg Ihr Leben verändert?
HAFNER: Ich führe eigentlich das gleiche Leben wie vorher auch, nur dass jetzt jeder meinen Song kennt. Das Schönste an dem Hit ist für mich, dass er mir nach wie vor die Möglichkeit gibt, einfach die Musik zu machen, auf die ich Lust hab. Ich bin am Tegernsee geboren und aufgewachsen, hier leb ich immer noch. Auch wenn mich zugegebenermaßen jetzt sehr viel mehr Leute erkennen, kann ich daheim trotzdem noch sehr entspannt rumlaufen.
Sie sind auf der Hafner-Alm aufgewachsen, wie war das für Sie?
HAFNER: Für mich war das ja normal, auch wenn ich der Einzige war, der auf der Alm aufwächst. Aber heute rückblickend ist es sehr speziell, man hat keine Nachbarn und kann nicht mal schnell zum nächsten Freund fahren, man ist ein bisschen abgeschiedener als andere. Ich bin mit ganz vielen Tieren und quasi mitten im Wald irgendwo auf dem Berg aufgewachsen, wo sonst nichts war als unsere Alm, dadurch bin ich heute sehr naturverbunden. Was auch speziell war: Ich bin in der Wirtschaft groß geworden, bei uns war immer was los, da viele Leute zu uns gekommen sind. Deshalb liegt in meinem Blut vielleicht auch nach wie vor noch ein kleiner Gastronom. Ich war es gewohnt, viele Leute um mich rum zu haben, was mir bestimmt heute auch ein bisschen hilft, mit den Menschenmassen umzugehen. Wenn ich nicht so oft allein gewesen wäre, wäre ich wahrscheinlich nicht so zur Musik gekommen. Ich bin Einzelkind, Musik war so das Ding, was ich mir im stillen Kämmerlein selbst beigebracht hab. Das wär wahrscheinlich nicht so gewesen, wenn ich die ganze Zeit viele Ablenkungen gehabt hätte. Aber sonst bin ich doch relativ normal geworden, obwohl ich nicht ganz normal aufgewachsen bin.
Wie genau haben Sie Ihre Liebe zur Musik entdeckt?
HAFNER: Meine Eltern erzählen oft, dass ich schon als kleines Kind immer auf irgendwelchen Keyboards rumdrücken musste und am Volksfest an der Bühne gestanden und so getan habe als würde ich mitspielen. Ich war anscheinend schon immer musikinteressiert, obwohl es bei uns gar nicht so in der Familie liegt. Mit zehn Jahren hab ich eine Gitarre geschenkt bekommen, und dann hab ich mir das Spielen einfach selber beigebracht. Mein erster Song, der verhältnismäßig bekannt wurde, war „Bierle in da Sun“. Meistens schreib ich die Texte erst im Nachhinein auf, wenn der Song schon fertig ist. Das war bei „Bierle in da Sun“ genauso, das war so ein Lied, das kam irgendwie einfach aus mir raus. Dann bin ich ins Studio gegangen und hab's aufgenommen, so ging die ganze professionelle Musikgeschichte eigentlich los.
Sie haben ihr starkes Lampenfieber mal mit einer Art Todesangst beschrieben – wie gehen sie damit vor einem Konzert um?
HAFNER: Es fällt mir bis heute schwer, vor Leuten zu spielen, das mochte ich einfach nie und es kostet mich sehr viel Überwindung. Ich bin da extrem gschamig, nach wie vor. Todesangst meine ich natürlich als kleine Metapher. Ich glaube, wenn ein Grizzlybär im Wald auf einen zurennt, dann hat man auch keine Zeit mehr zu überlegen, da muss man irgendwie einfach nur noch handeln. Und das Gefühl hab ich manchmal in dem Moment, in dem ich auf die Bühne geh. Da geht's einfach los, da ist keine Zeit mehr für Nervosität, dann geht's einfach nur noch um die Musik. Das Nervenaufreibenste sind die ein oder zwei Stunden vor dem Auftritt. Ich versuche bis heute damit klarzukommen, ich hab leider immer noch kein hilfreiches Ritual gefunden. Ich steigere mich dann in meine eigene Nervositätsspirale rein, um dann auf der Bühne den Schalter im richtigen Moment umzulegen. Sobald es dann losgeht, bin ich bestenfalls im Flow.
Sie haben mit 16 Jahren auf Mallorca Koch gelernt, was konnten Sie aus dieser Zeit für ihre Musikkarriere mitnehmen?
HAFNER: Einige wilde Partyerlebnisse natürlich. Aber vor allem habe ich gelernt, hart zu arbeiten. Es ist, glaube ich, kein Geheimnis, dass man halt auch mal 14 oder 15 Stunden in der Küche steht, bei mir damals sechs Tage die Woche. Da hab ich auch gelernt, etwas durchzuziehen.
Empfinden Sie Ihre jetzige Karriere als harte Arbeit?
HAFNER: Ja, auf jeden Fall. Dass Glück dazu gehört ist gar keine Frage, aber es ist nicht so, dass ich jetzt dagesessen bin und gewartet hab, dass was passiert. Für so einen Glücksmoment wie den „Wackelkontakt“ muss man einfach versuchen, sehr, sehr, sehr viele Glücksmomente zu schaffen, damit einer mal zündet. Da steckt sehr viel Arbeit dahinter. Ich hab sehr viele Lieder geschrieben, sehr viel live gespielt, war sehr viel unterwegs, hab sehr viele Menschen kennengelernt, Kontakte geknüpft und einfach leidenschaftlich den Musik-Livestyle gelebt, dass das passiert ist.
Was wünschen Sie sich selbst für Ihre Zukunft?
HAFNER: Dass ich weiterhin das machen kann, was mir Spaß macht und ich hoffe, das wird noch lang die Musik sein. Und einfach, dass es uns allen gut geht. Und ein bisschen mehr Weltfrieden, das wünsche ich uns allen.
Worauf können sich die Konzertbesucher in Zaisertshofen besonders freuen?
HAFNER: Auf eine neue Show, ein paar neue Songs und eine richtig schöne Mischung aus Musikalität, Verkünsteltheit und richtig krasser Party.
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