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Fußball

03.07.2020

Als der TSV Mindelheim für verbrannte Fan-Banner sorgte

Die Anhänger des ASV Hegge waren vor dem Entscheidungsspiel um den Bezirksliga-Aufstieg ziemlich optimistisch.

Plus Als Tabellenfünfter ein Aufstiegsspiel in die Bezirksliga bestreiten? Der TSV Mindelheim kommt im Sommer 1968 in diesen Genuss.

Nein, dieses Spiel wollte er sich nicht entgehen lassen. Schon gar nicht wegen eines gebrochenen Arms. Deswegen lief Karl Demmler an jenem 29. Juni 1968 auch mit einer Ledermanschette am Arm zum Entscheidungsspiel zwischen seinem TSV Mindelheim und dem ASV Hegge auf. „Ich wollte unbedingt dabei sein“, erinnert sich Demmler. „Und es ging auch ganz gut.“

Karl Demmler hat seine aktive Karriere im TSV-Dress archiviert.

Vor einiger Zeit hat der heute 76-jährige Mindelheimer beschlossen, im Vereinsarchiv nach Berichten und Zeitungsausschnitten zu suchen, die zu seiner Zeit in der ersten Mannschaft des TSV Mindelheim erschienen sind. Seine Karriere begann 1964 und endete knapp zehn Jahre später. Die Kopien der Berichte füllen nun einen Schnellhefter. „Ich habe immer nur für den TSV Mindelheim gespielt“, sagt Demmler. „Es war eine schöne Zeit. Mit Höhen und Tiefen, wie es im Fußball dazugehört.“

Dem TSV Mindelheim gelang ein Durchmarsch

Einer jener Höhenflüge spielte sich Ende der 1960er Jahre ab. Damals trat der TSV Mindelheim noch in der B-Klasse an. 1967 dann gelang den Mindelheimern der Aufstieg in die A-Klasse. Im letzten Saisonspiel musste auf eigenem Platz ein Sieg gegen den TV Waal her, um den Verfolger FSV Dirlewang weiter mit einem Punkt auf Distanz zu halten. „Es waren viele Zuschauer da, auch viele Dirlewanger, die natürlich den Waalern die Daumen drückten.“ Letztlich jedoch vergeblich, denn der TSV Mindelheim gewann deutlich mit 5:1. Der Aufstieg war geschafft – und sollte in der darauffolgenden Saison noch getoppt werden.

Als der TSV Mindelheim für verbrannte Fan-Banner sorgte

Denn der TSV Mindelheim unter Trainer Albert Feige mischte bis zum Schluss oben mit. Und da ab der Saison 1969/70 eine zweigleisige Bezirksliga mit Nord- und Südstaffel geplant war, erhielten die ersten vier Mannschaften in den A-Klassen das Aufstiegsrecht.

Weil aber der TSV Mindelheim und der ASV Hegge die Saison punktgleich auf den Plätzen vier und fünf beendeten, musste ein Entscheidungsspiel über den Aufstieg entscheiden. Das fand in Marktoberdorf statt – auf dem Platz, auf dem sich Demmler wenige Wochen zuvor den Arm gebrochen hatte. Doch davon ließ sich Demmler nicht beeindrucken: Als linker Läufer stand er im Entscheidungsspiel in der Startelf.

Gegen den ASV Hegge war die Bilanz ausgeglichen

Die Saisonbilanz gegen den ASV Hegge war in der Punktrunde ausgeglichen. Während die Mindelheimer das Hinspiel in Hegge mit 4:3 gewannen, nahmen die Allgäuer durch ein 3:1 im Rückspiel die Punkte aus Mindelheim mit nach Hause. Man war also auf Augenhöhe. Allerdings dürfte Hegge etwas optimistischer in die Partie gegangen sein, denn der TSV Mindelheim hatte kurz zuvor noch die Chance auf eine bessere Platzierung in der Tabelle mit einer krachenden 0:5-Niederlage gegen den TSV Landsberg vergeigt. Doch in einem Entscheidungsspiel zählt das Hier und Jetzt.

Über 400 Mindelheimer machten sich, zum Teil per Sonderbus, nach Marktoberdorf auf, um den TSV Mindelheim im Entscheidungsspiel gegen den ASV Hegge zu unterstützen. Am Ende durften die Mindelheimer einen 1:0-Sieg und den Bezirksliga-Aufstieg bejubeln.

Ob Mindelheims Trainer Albert Feige die Spieler mit taktischen Kniffen auf das Spiel vorbereitete? „Das weiß ich nicht mehr genau. Aber Albert Feige war ein Motivationskünstler. Der hat uns in den Spielersitzungen und auch vor diesem Spiel gut eingestellt“, sagt Demmler. Vor der Partie in Marktoberdorf habe es in der Kabine noch für jeden Traubenzucker gegeben. „Die Atmosphäre war schon sehr angespannt“, erinnert er sich.

400 Fans aus Mindelheim begleiteten die Mannschaft

Zumal auch die Zuschauer in Strömen kamen. Allein von 400 Mindelheimer Schlachtenbummlern war im Bericht der Mindelheimer Zeitung damals die Rede. Auch die Oberallgäuer aus Hegge hatten ihre Fans mitgebracht. Die waren durchaus kreativ: „Heute schlagen wir Mindelheim, morgen wird es Mailand sein“, stand auf einem Transparent.

Am Ende feierte der TSV Mindelheim den Aufstieg. Karl Demmler (vorne links) war mitten drin.

Das Spiel selbst aber hatten die Mindelheimer im Griff. „Wir waren überlegen, haben aber lange das Tor nicht getroffen“, erzählt Karl Demmler. Sein Bruder Werner stand ebenfalls auf dem Platz und war ein Teil der Offensive. Doch auch er blieb ohne Torerfolg. Weil die Mindelheimer Abwehr sicher stand, blieb es lange beim 0:0. Bis zur 79. Minute, als Hans Ziegler eine flache Hereingabe von Maucher zur Führung im Tor unterbrachte.

Hans Ziegler wird zum "Goldjungen"

„Jetzt war vielleicht was los. Hans, der Goldjunge, verschwand für eine halbe Minute inmitten einer Spielertraube und Mindelheims Anhänger meldeten ’total verrückt’“, heißt es im Spielbericht der Mindelheimer Zeitung von damals. Hans Ziegler sollte das goldene Tor erzielen, denn bei diesem 1:0 blieb es letztlich.

Im Anschluss wurde gefeiert: Während der damalige TSV-Vorsitzende Fritz Riebel in der Kabine mit Sekt mit den Spielern anstieß, verbrannten draußen die Fans des ASV Hegge ihr Transparent. Statt Mailand oder zumindest Mindelheim sollte es ein weiteres Jahr Duelle in der A-Klasse mit Pfronten, Buxheim und Ottobeuren geben.

Nach der Partie ging jenes Plakat in Flammen auf.

Nur an eines kann sich Demmler nicht mehr erinnern: der in der Zeitung groß angekündigte Empfang der Stadt Mindelheim. „An diese Siegesfeier kann ich mich nicht erinnern“, sagt er und lächelt.

Wenige Wochen später traten die Mindelheimer also in der Bezirksliga an, trafen dabei auf Mannschaften wie den FC Kempten, TSV Sonthofen und SV Mering. Am Schönsten allerdings seien die Lokalderbys gegen den FC Bad Wörishofen oder den SV Salamander Türkheim gewesen. „Gegen Bad Wörishofen hatten wir einmal 1000 Zuschauer im Stadion“, sagt Demmler. „Das waren Spiele, da musste man einen nicht mehr groß motivieren.“ Der TSV Mindelheim sollte zehn Jahre die Klasse in der neuen Bezirksliga Süd halten – und 1979 als Meister in die Landesliga Süd aufsteigen.

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