Fußball

29.08.2014

Das Recht zu spielen

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Mamadou Coulibali (am Ball) ist nicht nur im Training beim SV Schlingen zielsicher. Gleich im ersten Punktspiel erzielte er den Treffer zum 1:1-Endstand gegen den TSV Pfaffenhausen und rettete seinem Klub damit einen Punkt.
Bild: Julia Buchmaier

Für drei Asylbewerber aus dem Senegal ist der SV Schlingen eine zweite sportliche Heimat geworden. Mittlerweile dürfen sie an Ligaspielen teilnehmen – und das erfolgreich.

Auf dem Trainingsplatz des SV Schlingen stehen sich Team Orange und Team Grün gegenüber. Ein Fehler von Mour Mbengue (27) und schon hat das orange Team wieder den Ball. Spielertrainer Nico Notbom läuft zum Spielfeldrand. „Papa, kannst du Mour sagen: Nur drei Ballkontakte?“, fragt er auf Englisch. Papa Cheikh Dioj springt von seiner Bank. „Mour, trois contacts!“, ruft er seinem Landsmann auf Französisch zu und hält drei Finger in die Luft. Mour nickt. Verstanden. Es sollte Papas einziger Einsatz als Übersetzer an diesem Abend bleiben.

Die Verständigung zwischen den zwei neuen Senegalesen und dem restlichen Team des SV Schlingen klappt nämlich schon sehr gut. „Die Zwei haben schon eine brutal gute Auffassungsgabe“, sagt Spielertrainer Notbom über seine Neuzugänge. Oft reichen ein paar deutsche Worte, ein Zeichen oder ein einziges Mal Zuschauen und sie verstehen die Übung. Die jüngeren Spieler oder der Trainer sprechen gut Englisch und zur Not ist Papa immer dabei und springt als Übersetzer ein.

Mour Mbengue und Mamadou Coulibali (18), genannt „Ibu“, sind vor rund vier Monaten in Deutschland angekommen und derzeit im Asylbewerberheim in Rieden untergebracht. Mour Mbengue hat vorher schon zwei Jahre in Belgien gelebt, Mamadou Coulibali gelangte mit dem Boot von Marokko nach Spanien und von dort aus nach Deutschland. In ihrem Heimatland haben sie mit dem Fußballspielen begonnen, Mour Mbengue beispielsweise trainierte in einer Fußballschule und war gleichzeitig in einem Verein aktiv.

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Fußball in Deutschland sei ganz anders als im Senegal, sagt er, hier in Deutschland hätten die Vereine viel mehr finanzielle Mittel zur Verfügung. Dazu kommt das Klima im Senegal: Bei 40 Grad jeden Tag von Montag bis Samstag ohne größere Pausen zu trainieren – das ist die Art von Training, die die beiden aus der Heimat kannten.

Beim SV Schlingen ist das anders. Mour Mbengue und Mamadou Coulibali hatten bereits in mehreren Teams und Vereinen mittrainiert, doch nirgendwo hat es ihnen so gut gefallen wie beim SV Schlingen, sie fühlten sich sofort wohl und willkommen. Trainer Nico Notbom kann sich noch gut an das erste Treffen erinnern: „Sie standen einfach in der Kabine und wollten mitspielen“, erzählt er und lacht. „Da ist es doch ganz egal ob jemand schwarz, weiß, gelb oder was auch immer ist, die wollen doch einfach nur Fußball spielen.“

Damit die Senegalesen offiziell ins Team aufgenommen und auch in Ligaspielen eingesetzt werden konnten, musste der SV Schlingen für sie einen sogenannten internationalen Freigabeschein beantragen. Der Deutsche Fußball Bund (DFB) setzte sich dafür mit dem Afrikanischen Nationalverband in Verbindung. Erst dann erhielten die Spieler vom Bayerischen Fußball Verband (BFV) das Spielrecht.

Zwar zog sich dieses Verfahren etwas hin, aber Mbengue und Coulibali stießen erst Ende der vergangenen Saison zum Team. Für Organisatorisches blieb also genügend Zeit. „Wir wollen die beiden so gut wie möglich integrieren“, sagt Trainer Notbom. Also legten die Spieler für Mbengues neue Fußballschuhe oder einen Ausflug in die Therme Bad Wörishofen zusammen und misteten ihre Trainingsklamotten aus, um den beiden etwas abzugeben. Trainer Nico Notbom will sie beide offensiv einsetzen, dann können sie sich untereinander gut verständigen. Im Team des SVS sind sie schon jetzt eine feste Größe: In den Testspielen erzielten beide ihre ersten Tore, Coulibali rettete dem SV Schlingen im ersten Punktspiel in der B-Klasse mit seinem Tor das 1:1-Unentschieden gegen den TSV Pfaffenhausen. Auch den ersten Titel in Deutschland haben sie schon eingefahren: Bei den Spielen ohne Grenzen vor ein paar Wochen gewann das Team Senegal haushoch.

Die Trainingsabende in Schlingen sind für die drei Asylbewerber eine willkommene Abwechslung und bedeuten ihnen viel: „Wir können im Moment nur warten, essen und schlafen“, sagt Mour Mbengue, „da ist es doch besser, Fußball zu spielen.“

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