Newsticker

USA: Fünf Millionen gemeldete Corona-Infektionen seit Beginn der Pandemie
  1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. Lokalsport
  4. Der Kampf des FC Memmingen ums Überleben

Fußball

15.07.2020

Der Kampf des FC Memmingen ums Überleben

FCM-Präsident Armin Buchmann spricht von "hängenden Köpfen" im Verein.
Bild: Olaf Schulze

Plus Nach dem Verzicht auf das Pokalspiel gegen 1860 München gibt es zum Teil heftige Kritik. Warum Präsident Buchmann allein aus wirtschaftlichen Gründen entscheidet.

Armin Buchmann, der Präsident des Fußball-Regionalligisten FC Memmingen, ist zur Zeit nicht nur Krisenmanager, sondern muss im Verein mit 1000 Mitgliedern auch noch den Seelentröster spielen. Er will beruhigen, all den Schwarzmalern widersprechen und Optimismus verbreiten. Nach dem Verzicht auf das Totopokal-Halbfinale gegen den Drittligisten TSV 1860 München sagt der 54-Jährige: „Wir haben einige hängende Köpfe, die mit immer neuen Nackenschlägen nicht mehr wissen, welche Hiobsbotschaft als Nächstes kommt.“ Exklusiv für unsere Zeitung beantwortet Armin Buchmann die wichtigsten Fragen rund um die Absage und die Corona bedingten Schwierigkeiten, die seinen FCM plagen. Und Buchmann erklärt, warum er das langfristige Überleben des Vereins derzeit höher einordnen muss als so manche emotionale Regung eines Spielers oder eines Fans.

In den letzten Jahren hat der FC Memmingen keine noch so große organisatorische Herausforderung gescheut. Warum soll dann ein Heimspiel gegen 1860 München derzeit nicht zu stemmen sein?

Buchmann verweist auf ein „extrem problematisches Zeitfenster“, in dem die restlichen Totopokalspiele stattfinden müssen. Zwar stehe der FCM so nahe an der ersten DFB-Pokal-Hauptrunde wie selten zuvor, die Schlinge mit den (womöglich sündhaft teuren) Corona-Vorschriften will und könne sich der FC Memmingen aber nicht umlegen. Schließlich ist Buchmann überzeugt, dass das aufwendige Hygienekonzept der Profis zur Anwendung käme. „Sie glauben doch nicht, dass sich die Profimannschaften bei den Pokalspielen gegen die Amateure anstecken wollen.“ Quarantäne, Massentests, eigenes Mannschaftshotel – all das sieht Buchmann in den elf Tagen zwischen der Wiederaufnahme des Spielbetriebs am 1. September und der ersten DFB-Hauptrunde am 11. September auf die verbleibenden Teams zukommen. „Auf uns könnten in so kurzer Zeit Horrorszenarien warten.“ Auch ein Ausweichen auf ein anderes Stadion, beispielsweise nach Augsburg, ginge zulasten des FCM – noch dazu, wenn Zuschauer-Einnahmen wegfielen.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Nun soll es ein Solidaritätsspiel gegen die Löwen im nächsten Sommer geben. Gab es andere Optionen?

Buchmann hatte in den Verhandlungen mit den weiteren drei Pokal-Halbfinalisten TSV 1860 München, Würzburger Kickers und Viktoria Aschaffenburg noch einen Vorschlag eingebracht. Die Regionalligisten hätten den Drittligisten das Feld kampflos überlassen und eine Art Entschädigungszahlung bekommen. „ Aschaffenburg denkt da aber anders als wir. Die wollen auf Teufel komm’ raus spielen. Ich wünsche den Aschaffenburgern nur, dass sie da mit einem blauen Auge davonkommen.“

Hat der FC Memmingen durch den Verzicht finanzielle Nachteile?

Glaubt man Armin Buchmann, ist genau das Gegenteil der Fall. „Während die Löwen die Hälfte aller Ticketeinnahmen beim Pokalspiel erhalten hätten, ist uns von Münchner Seite jetzt garantiert worden, dass wir alle Einnahmen bei einem Solidaritätsspiel im Sommer nächsten Jahres bei uns belassen können.“

3500 Eintrittskarten waren bereits für das Spiel gegen die Löwen Anfang September verkauft. Reißt die Rückzahlung der Tickets den FCM nicht in finanzielle Turbulenzen?

Buchmann gibt zu, dass die bisherigen Einnahmen aus dem Vorverkauf dem FCM die Liquidität gesichert hätten. Er rechnet aber auch: „Wenn es uns gelingt, Rückabwicklungen der 3500 Tickets mit Neuverkäufen zu kompensieren, dann haben wir mit 3500 Zuschauern beim Soli-Spiel inklusive Kioskeinnahmen die gleichen Einnahmen wie bei einem Pokal-Halbfinale mit 5000 Fans.“ Viele Fans und Sponsoren hätten außerdem schon signalisiert, auf eine Rückerstattung zu verzichten. Er sei guter Dinge, mindestens 3500 Zuschauer für das Solidaritätsspiel begeistern zu können. „Bei der großen Löwenfamilie, die sicherlich mit die sozialsten Fans in Deutschland vorweist, kann sogar noch mehr gelingen. Denn eines ist auch klar: Das wird kein normales Spiel werden, sondern ein Symbol dafür sein, dass wir dieses Teufelsding von Corona im Griff haben.“ Buchmann wörtlich: „Für mich ist das jetzt schon ein emotionaler Moment, wenn ich nur an diesen Tag denke, an dem wir im Allgäu mit den Löwen richtig was zu feiern haben.“

Wie ist es grundsätzlich um den FC Memmingen bestellt? Reicht das Geld zum Überleben?

„Das ist ein täglicher Kampf“, sagt Buchmann, er gibt aber allen Skeptikern Entwarnung, die eine Pleite herbeireden würden. Denn zum Bilanzstichtag 30. Juni hätte der FCM – wie in den Vorjahren – ein positives Wirtschaftsergebnis erzielt. Offen sei nur, mit welchen Abgrenzungen und Rückstellungen man ins neue Geschäftsjahr gehe. Nur dank der Unterstützung von Sponsoren, Fans und Gönnern sowie der Verdopplung der Übungsleiterzuschüsse durch den Freistaat und der Spende des FC Bayern-Hilfe-Vereins sei dieses Ergebnis möglich geworden. „Ohne diese Hilfen hätte es für den FCM auch alles etwas anders laufen können.“

Beraubt der FCM die Fans und letztlich auch die Mannschaft nicht um ein Spiel des Jahres? In den sozialen Netzwerken gab es jedenfalls heftige Kritik ...

„Ich kann diese Reaktionen zum Teil verstehen“, sagt Buchmann. Aber emotionalisierte Fans und Spieler würden eben nur diese eine Partie sehen – und nicht die Zusammenhänge kennen oder über den Tellerrand hinausschauen. „Wir Verantwortliche müssen aber diesen Weitblick haben.“ Gerade jetzt, wo in Kürze der Memminger Stadtrat den Weg für das neue Funktionsgebäude freigeben soll, könne er keine Risiken eingehen. Buchmann wörtlich: „An diesem neuen Gebäude hängt in Zukunft das Wohl und Weh des Vereins.“ Alle würden auf das grüne Licht warten und hoffen, dass im Sommer oder Herbst nächsten Jahres mit dem Bau begonnen werden kann.

Für Schlagzeilen sorgten zuletzt auch die vielen Abgänge aus der ersten Mannschaft. Ist der FCM sportlich überhaupt noch konkurrenzfähig?

Buchmann spricht selbst von einem „gravierenden Aderlass“. Der Hauptgrund sei das Einfrieren der Gehälter gewesen – um den Verein am Leben zu erhalten. Auch rückblickend sei das alternativlos gewesen. Er hege weder „Groll noch Missmut den Spielern gegenüber, die sich gegen uns entschieden haben“. Nach dem Pokalverzicht könne der Verein nun auf die Suche nach neuen Spielern gehen. Dabei werde man auf sportliche Qualität genauso achten wie auf die charakterliche Eignung. Oberste Priorität habe der Verbleib in der Regionalliga.

Einer, der den FC Memmingen verlässt, ist Natsuhiko Watanabe: Ein Japaner für den FVI-Sturm

Als der FC Memmingen letztmals aufstieg: Vor zehn Jahren verabschiedet sich der FC Memmingen aus der Bayernliga

So früh reagierte der FC Memmingen auf Corona: Der FC Memmingen zieht wegen Corona die Reißleine




Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren