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Ringen

19.01.2020

Der Mindelheimer auf der Ringermatte

Christian Halbig (rechts) betreut die österreichischen Ringer bei ihren Wettkämpfen. Manchmal gehört auch einfach nur das Wedeln mit dem Handtuch dazu.
Foto: Archiv Halbig

Christian Halbig rang früher in der Bundesliga, heute betreut er Österreichs Nationalteam. 2020 lockt die Teilnahme am größten Sportevent der Welt.

Auf diesen Brief hat Christian Halbig wirklich gewartet. Als er ihn dann endlich erhielt und öffnete, war klar, dass dem 40-jährigen Mindelheimer ein Sport-Abenteuer ins Hause steht: Er durfte mit Athleten des österreichischen Ringsportverbandes im Sommer zu den Europaspielen ins weißrussische Minsk fahren.

Sechs österreichische Ringer hatten sich nämlich zuvor bei der Europameisterschaft in Bukarest (Rumänien) für die European Games im Juni in Minsk sowie die Weltmeisterschaft im September in Astana (Kasachstan) qualifiziert. Für Halbig ein Traum, schließlich ist er ein begeisterter Ringer. Der Inhaber einer Praxis für Physiotherapie, in der schon viele Fuß- und Handballer wieder auf die Beine gekommen sind, hat in seiner aktiven Karriere schon in der Ersten Bundesliga so manchen Gegner auf die Matte gelegt.

Als Physiotherapeut ist der Mindelheimer weiter dabei

Nun ist Halbig nicht mehr als Ringer aktiv, aber dem Sport dennoch treu geblieben. Seit 2017 gehört er dem Betreuer- und Physioteam des österreichischen Ringsportverbandes an – und begleitet als solcher die Athleten bei ihren Wettkämpfen. Sein Aufgabenspektrum ist dabei weit gefächert. Neben den üblichen Massagen und Tapes kleben, geht es um das „Warmmachen“ der Athleten, damit sie fit in den Ring steigen, erklärt Halbig.

Doch bevor es im Juni nach Minsk ging, stand die Organisation an. Vier Wochen vor der Reise nach Weißrussland kamen die Teilnehmer in Wien zusammen und wurden eingekleidet. Am Ankleidetag stand auch ein sogenanntes „Medical Meeting“ auf dem Programm. Hier trafen sich alle Physiotherapeuten und Ärzte zu einer Lagebesprechung.

In Minsk und Astana ist die Stimmung fantastisch

In Minsk selbst war Halbig beeindruckt von der großzügigen Unterbringung. Und zusammen mit den vielen Sportlern habe sich ein besonderes Flair entwickelt. Hinzu sei eine perfekte Organisation gekommen. Obwohl es mit „seinen Österreichern“ nicht so toll lief – eine Medaille blieb aus –, erlebten die Teilnehmer unvergessliche Momente. Und die Abschlussfeier in Minsk hinterließ Gänsehaut-Feeling: „In ein so voll besetztes Stadion zu marschieren, das erlebt man nicht alle Tage“, erinnert er sich. „Davon zehrt man ein Leben lang.“ Auch in Kasachstan sei die Stimmung bei der WM großartig gewesen. Tausende Fans strömten täglich in die Arena. „Dort ist Ringen Volkssport“, so Halbig.

Derzeit kann es der Mindelheimer etwas ruhiger angehen lassen und sich mehr der Familie widmen. Seine Frau Martina hat übrigens volles Verständnis für das Hobby des Ehegatten und hält ihm bei seinen Reisen den Rücken frei. „Sie ist ebenfalls vom Ringsport begeistert“, sagt er über sie.

In diesem Jahr wird Halbig bei beiden Qualifikationsturnieren für die Olympischen Sommerspiele in Tokio, zunächst in Budapest (März), dann in Bukarest (April), die ÖRSV-Athleten betreuen. Und wer weiß: Vielleicht erreicht ihn danach wieder ein Brief, der ihm im Sommer einen längeren Aufenthalt in Japan verspricht.

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