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Eishockey

25.02.2020

Der stille Beobachter aus Bad Wörishofen

Der Bad Wörishofer Thomas Schurr beobachtet und betreut Eishockey-Schiedsrichter in der DEL2.
Bild: Mathias Wild

Der Bad Wörishofer Thomas Schurr beurteilt nicht nur die Leistungen der DEL2-Schiedsrichter, sondern kümmert sich auch um die Betreuung der Unparteiischen.

Sie sitzen meist als stille Beobachter mit ihrer Notizkarte auf der Tribüne und werden im Stadion eigentlich nur von den Offiziellen wahrgenommen. Doch die Schiedsrichterbeobachter zählen inzwischen zum festen Bestandteil fast jeder DEL2-Partie. Einer von ihnen ist Thomas Schurr aus Bad Wörishofen, der früher selbst Schiedsrichter in der DEL und darüber hinaus auch international im Einsatz war.

In einem Team von 20 ehemaligen Aktiven beobachtet er im Auftrag des Deutschen Eishockeybundes die Spiele in der DEL und in der DEL2. „Durch den regionalen Aspekt bin ich dabei hauptsächlich in Bayern und Süddeutschland im Einsatz“, sagt Schurr, der auch froh darüber ist, wenn er einmal nur die kurze Strecke nach Kaufbeuren fahren muss.

Bis zu drei Einsätze pro Wochenende

Trotzdem sind bis zu drei Einsätze an einem Wochenende keine Seltenheit für Schurr. Dabei kommt ihm seine langjährige Tätigkeit als aktiver Schiedsrichter zu Gute. Für den Job als Beobachter benötige man einen gewissen Erfahrungsschatz und auch die Souveränität im Umgang mit den Kollegen auf dem Eis, um akzeptiert zu werden. „Wir sehen uns dabei auch nicht als herrschaftlichen Besserwisser auf der Tribüne, sondern wir wollen die Schiedsrichter in ihrem Wirken unterstützen“, sagt der 50-Jährige.

Der stille Beobachter aus Bad Wörishofen

Aus diesem Grund hat der DEB diese Tätigkeit nun zum Begriff „Schiedsrichter-Coach“ umgetauft. Sein Aufgabengebiet während einer Partie sieht Schurr in drei Phasen aufgeteilt. „Ich bin in der Regel zwei Stunden vor dem Spiel am Spielort, um mit dem gesamten Schiedsrichterteam eine Vorbesprechung zu machen“, berichtet Schurr. Inhaltlich gehe es dabei um beide Mannschaften – angefangen von der Tabellenkonstellation, über den aktuellen sportlichen Trend der Teams, bis hin zu einzelnen Spielertypen.

„Die Schiedsrichter sind jedoch auch angehalten, während der Woche bereits mit Kollegen Kontakt aufzunehmen, die bei den betreffenden Mannschaften in der Vorwoche im Einsatz waren, um nach eventuellen Auffälligkeiten nachzufragen“, sagt Schurr, der darum bemüht ist, dass die Schiedsrichter bestmöglich vorbereitet in die Partie gehen.

Schurr hat eine andere Sicht als der Fan

Natürlich habe ein Schiedsrichter-Coach während der Partie einen anderen Sichtwinkel als der Fan im Stadion. „Selbstverständlich haben wir die getroffenen Entscheidungen im Blick, aber wir erkennen auch gewisse Trends, die sich im Lauf einer Partie ergeben können. Dazu gehört auch, dass der Schiedsrichter seine eingeschlagene Linie nicht verlassen sollte, damit man den Spielern eine gewisse Richtung vermitteln kann“, sagt der Coach, der solche Dinge gerne mal in den Drittelpausen anspricht, sofern dies von den Schiedsrichtern gewünscht wird.

Über das gerne mal aufkommende Klischee unter den Fans, dass bestimmte Schiedsrichter immer gegen den eigenen Verein pfeifen, kann Schurr nur schmunzeln. „Es wird jede Partie im Anschluss noch in der Kabine genau nach Verbesserungen, aber auch nach guten Sachen analysiert – und diese Werte kommen in eine Datenbank. Die wiederum entscheidet unter anderem am Saisonende über Auf- und Abstieg. Ganz wichtig ist jedoch, dass die Schiedsrichter im Team funktionieren“, erklärt der ehemalige Referee.

Regelmäßige Tests sind Pflicht

Um mit den ständig wachsenden Anforderungen im Eishockey mitzuhalten, müssen sich auch die Schiedsrichter regelmäßigen Tests unterziehen. „In der Vorbereitung erfolgt ein Eistest, bei dem auch die Laktatwerte kontrolliert werden. Während der Saison müssen die Schiedsrichter alle ein bis zwei Monate einen Online-Regeltest absolvieren. Dabei lassen wir oft Fallbeispiele aus der laufenden Saison mit einfließen“, sagt Schurr. Unparteiische müssten eben auch gewisse Standards erfüllen. Generell dürfen die Schiedsrichter in der DEL bis 45 Jahre pfeifen, darüber hinaus mit einer Sondergenehmigung.

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