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Frauenfußball

08.06.2019

Die Führungsspielerin aus dem Allgäu

„Der WM-Titel fehlt mir noch“: Melanie Leupolz dehnt sich während einer Trainingseinheit und spielt heute mit der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft im französischen Rennes gegen China.
Bild: Sebastian Gollnow/dpa

Melanie Leupolz hat mit dem FC Bayern München eine titellose Saison hinter sich. Warum das für die WM gut sein könnte.

Sie will Verantwortung übernehmen und sie bekommt Verantwortung übertragen. Denn Melanie Leupolz zählt zu den Schlüsselspielerinnen im Konzept der Bundestrainerin. „Melanie Leupolz gehört zu meiner zentralen Achse auf dem Platz“, sagt Martina Voss-Tecklenburg vor Beginn der Frauenfußball-Weltmeisterschaft in Frankreich. Wenn Deutschland heute ab 15 Uhr also zum Auftakt auf China trifft, ist das der Startschuss für das bislang wichtigste Turnier in der Karriere der Allgäuerin (Lesen Sie hier: DFB-Frauen mit "Wir-Gefühl" und "Magengrummeln" gegen China )

Erste Hinweise auf diese Entwicklung gibt es bereits beim Medientag der Nationalspielerinnen in Grassau, im Rahmen des Trainingslagers der DFB-Auswahl. Für die Journalisten die Möglichkeit, sich mit den WM-Fahrerinnen auszutauschen, Interviews zu führen. 23 Tische sind aufgebaut, in zwei Räumen. Sehr individuell. Und während es in der einen oder anderen Ecke der Räume relativ entspannt zu geht, hat die 25-Jährige aus Wangen gut zu tun. Ihr Tisch ist sehr gefragt. „Ja“, meint Melanie Leupolz immer wieder während ihrer diversen Gespräche, „ich möchte viel spielen, eine gute Leistung bringen, wichtig für das Team sein. Ich gehe voller Vorfreude in das Turnier.“

Vor zwei Jahren wurde Leupolz nicht für die EM nominiert

Vor rund zwei Jahren sah das noch etwas anders aus. Die damalige Bundestrainerin Steffi Jones berücksichtigte sie nicht für den EM-Kader. Mangelnde Fitness nach einer Verletzung, so die offizielle Begründung damals. Doch als Horst Hrubesch das Amt von Steffi Jones übernahm, ist auch Melanie Leupolz wieder mit dabei. „Er hat uns Vertrauen geschenkt, Spaß am Fußball vermittelt und das in kürzester Zeit“, beschreibt sie diese schwierige Phase, als es um die Qualifikation für das Turnier in Frankreich ging.

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Im vergangenen Dezember hat schließlich Martina Voss-Tecklenburg das Amt übernommen. Und auch sie setzt auf die Kapitänin des FC Bayern München. „Auf meiner Lieblingsposition, der sechs, also im zentralen Mittelfeld“, freut sich Melanie Leupolz. Denn genau da kann sie ihre Qualitäten besonders gut einbringen. Das Spiel lenken, Ideen geben, den Rhythmus bestimmen. Zusammen mit Sara Däbritz, der Zimmer- und (Ex)-Teamkollegin aus München, die künftig für Paris St. Germain spielen wird.

Der WM-Titel fehlt der Allgäuerin noch

Bis zum 7. Juli wollen sie gemeinsam die DFB-Auswahl ins Finale führen. Denn: „Dieser Titel fehlt noch in meiner Sammlung“, schmunzelt Melanie Leupolz. Ihr viertes großes Turnier könnte zudem die Enttäuschungen der vergangenen Saison vergessen machen. In drei Wettbewerben – Meisterschaft, Pokal, Champions League – befand sich Melanie Leupolz mit dem FC Bayern auf Titelkurs. Nicht wenige murmelten in München den Begriff „Triple“, mal etwas lauter, dann wieder leiser. Doch am Ende standen sie mit leeren Händen da. „Abgehakt“, sagt Melanie Leupolz, „aber das war schon frustrierend. Wir haben in den entscheidenden Partien einfach nicht die Tore gemacht, die wir gebraucht hätten.“

Was bleibt, ist die Erfahrung aus so einer Saison. „Für die K.o.-Spiele im Rahmen des kommenden Turniers, bringt das rückblickend natürlich schon etwas. Aber ich hätte gerne darauf verzichtet.“ Melanie Leupolz ist ehrlich. Wer andererseits aber schon über eben solche K.o.-Spiele spricht, geht davon aus, die Gruppenphase zu überstehen. China, Spanien und Südafrika – das sind die deutschen Gegner in der Vorrunde. „Keinesfalls zu unterschätzen, aber natürlich machbar, das ist unser Anspruch“, sagt die Mittelfeldspielerin voller Überzeugung. Eine klare Ansage.

Einen klaren Titelfavoriten gibt es diesmal nicht

Und danach? Nach den ersten drei Spielen? „Ist sowieso alles möglich“, analysiert Melanie Leupolz. Ähnlich übrigens wie die Bundestrainerin. Ein klarer WM-Favorit ist nicht auszumachen. Die Anzahl der Mannschaften, die den Titel gewinnen können, bewegt sich nahezu im zweistelligen Bereich. „Und da sind wir natürlich auch dabei,“ gibt sich die gebürtige Allgäuerin optimistisch. (Hier finden Sie den deutschen WM-Kader: Frauen-WM 2019: Der Deutschland-Kader im Check )

Was sie vor dem Duell mit China stören könnte, hat weder etwas mit dem Gegner, noch der eigenen Taktik oder Gesundheit zu tun. Es sind vielmehr ein paar Frösche, die rund um das Mannschaftshotel abends ihr Konzert veranstalten. „Ich benutze Oropax und schlafe gut“, erklärt Melanie Leupolz lachend. Auch hier gilt also: Daumen hoch.

Bleibt noch eine Randnotiz. Mit allerdings symbolischen Charakter. Denn auf der ersten offiziellen Pressekonferenz des DFB in Frankreich sitzt, neben Sara Däbritz, Melanie Leupolz. Mit 24 bzw. 25 Jahren die Routiniers. „Beim Jung gegen Alt spielen wir aber noch bei den jungen“, betonte Melanie Leupolz zwar grinsend, aber auch sie weiß: „Wir haben mittlerweile viel Erfahrung gesammelt und sind so auch Ansprechpartner für jüngere Spielerinnen.“ Wie gesagt: Sie möchte gerne Verantwortung übernehmen. Und sie bekommt, für jeden ersichtlich, Verantwortung übertragen. Auf und außerhalb des Platzes.

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