Basketball

18.02.2017

Die Halle ist sein Wohnzimmer

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2 Bilder
Nach seinem Einsatz als Schiedsrichter ist Tim Buttler (am Ball) auch als Spieler beim TSV Mindelheim gefragt.
Bild: Michael Lindemann

Tim Buttler aus Kirchdorf schaut und spielt nicht nur gern Basketball. Er ist mit 16 Jahren sogar einer der jüngsten Schiedsrichter. Den Grundstein dazu legte eine Lehrerin.

Das Handyvideo zeigt einen jungen Basketballspieler, der im leeren Audi-Dome zu München einen Wurf nach dem anderen versenkt. Immer mit der gleichen Schrittkombination, der gleichen Körpertäuschung, dem gleichen Ergebnis: Der Ball rauscht durch das Netz. Noch eindrucksvoller wird es erst, wenn der Protagonist dieses Handyvideos dessen Entstehung erzählt: Tim Buttler, 16, sitzt in der Mindelheimer Sporthalle an der Brennerstraße auf einer Bank und zeigt stolz das Filmchen, auf dem er zu sehen ist.

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„Das war nach einem Spiel des FC Bayern. Als die Halle leer war, habe ich dieses Wurftraining mit Bryce Taylor gemacht. Er hat mir dabei ein paar Tipps gegeben“, erzählt der leidenschaftliche Basketball-Fan. Man stelle sich vor, der Fußballnationaltorhüter Manuel Neuer lädt nach einem Bundesligaspiel noch kurzerhand einen Fan ein, im Stadion noch ein paar Elfmeter auf ihn zu schießen. Was bei den Fußballern undenkbar wäre, ist bei den Basketballern möglich.

Bei den BigReds ist er Mitglied Nummer 99

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Allerdings: Man muss schon auch ein Fan sein, den der Spieler kennt. Und das ist Tim Buttler. „Ich habe eine Dauerkarte für den Stehplatzblock und bin im offiziellen Fanklub, den ’BigReds’. Da habe ich die Mitgliedsnummer 99.“ In München ist er bei beinahe jedem Heimspiel, am Wochenende nun geht es auch mal wieder auf Reisen. Wenn das Top-Four-Turnier um den deutschen Basketballpokal in Berlin ansteht, ist der junge Kirchdorfer live dabei.

Dann lässt der angehende Medienkaufmann auch seine eigene Basketballkarriere ruhen. Und das will etwas heißen. Das macht der vergangene Spieltag in Mindelheim deutlich. Von morgens um 10 Uhr bis nachmittags um 16.30 Uhr ist Tim Buttler in der Halle und geht seinem Hobby nach. Oder seinen zwei Hobbies. Denn seinen ersten Einsatz hat er nicht als Spieler, sondern als Schiedsrichter: Das heißt, Spielerpässe kontrollieren, Spielberichtsbogen ausfüllen, die Stoppuhren prüfen. Als die Uhr der Anzeigetafel noch eine Minute bis Spielbeginn anzeigt, ertönt ein lauter Pfiff: Tim Buttler zeigt damit den beiden Basketballteams an, dass sie das Spielfeld verlassen – um sich eine Minute später zum Anwurf gegenüberzustehen. Tim Buttler bringt den Ball ins Spiel. Er ist einer der jüngsten ersten Schiedsrichter Schwabens – sogar mit Perspektive. Sprich: Er kann schon sehr bald in der Bezirksoberliga pfeifen.

Der Respekt der Spieler ist da

Das Auftreten dazu hat Tim Buttler schon. Das graue Shirt und die schwarze Hose lassen die 1,79 Meter noch etwas erwachsener wirken, als es seine 16 Jahre zulassen. Den Respekt der beiden U14-Mannschaften des TSV Mindelheim und des TSV Diedorf, die sich in Mindelheim gegenüberstehen, hat er allemal. So hat er auch keinerlei Probleme mit dem Spiel, das der TSV Mindelheim letztlich überdeutlich mit 98:17 gewinnt.

„Meistens sind es Schrittfehler, die man abpfeift. Da schauen sich die Spieler manche Dribblings von NBA-Profis ab und versuchen sie selbst. Das geht halt häufig schief“, sagt er. Ansonsten gelte die Regel, das Spiel möglichst laufen zu lassen. „Die Jungs sollen Spaß haben.“

Kaum ist diese Partie beendet, tauscht Tim Buttler sein Schiedsrichter-Outfit mit dem gelben Trikot des TSV Mindelheim: Nun wird er selbst spielen, als Aufbauspieler in der Mindelheimer U18. Seit dieser Saison spielt er beim TSV Mindelheim, zuvor war er drei Jahre lang in Kaufbeuren aktiv. „In Mindelheim gab es damals keine Jugendmannschaften“, sagt Buttler. Zum Basketball kam er in der fünften Klasse. Als Realschüler hatte er damals im Mindelheimer Maristenkolleg Basketball im Wahlfach. „Die Basics habe ich alle von Frau Petrucci gelernt. Daheim habe ich dann im Hof einen Korb gehabt und weiter trainiert“, erinnert sich Buttler. Nanette Petrucci, seine Basketball-Lehrerin in der Schule, besucht er heute noch ab und zu beim Training. Ihr hat er viel zu verdanken.

Sogar bei den Herren spielt er noch mit

Zu seinen Stärken zählt er das Dribbling, Dreier-Werfen und die Ball-Verteilung – auch wenn es schwer sei, sich selbst einzuschätzen, wie er meint. Diesmal jedoch haben er und seine Teamkollegen das Nachsehen. Denn auch die U18 trifft auf den TSV Diedorf, hier endet die Partie schließlich mit einem klaren Sieg der Gäste: Der Endstand von 65:114 leuchtet bei der Schlusssirene von der Anzeigetafel. Damit rutschen die Mindelheimer auf Rang sieben in der Bezirksoberliga zurück. „Wir haben fast nur Neulinge im Verein“, sagt Buttler. Trotzdem sei Platz vier noch in Reichweite – und das Ziel des neuen U18-Teams in seiner ersten Saison.

Weil er nach einem gepfiffenen und einem selbst absolvierten Spiel aber immer noch Lust hat, darf sich Tim Buttler nach dem Jugendspiel gleich noch einmal umziehen. Wenig später wird er nämlich sein drittes Herrenspiel in dieser Saison bestreiten. Auch das endet mit einer Niederlage: Das 61:63 gegen den TV Lindenberg bedeutet weiter den letzten Platz in der Bezirksklasse Süd für die Mindelheimer.

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