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Schwimmen

11.09.2019

Die Rettungsschwimmer von Memmingen

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Saskia Schäfer nennt die DLRG "eine große Familie".
Bild: Dunja Schütterle

Bei der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft Memmingen-Unterallgäu bereitet man sich sportlich auf den Ernstfall vor – mit viel Ehrgeiz und so manchen Hilfsmitteln.

Im Notfall schwimmen sie auch gegen den Strom: Das Rettungsschwimmen ist ein Sport, der auf den Ernstfall vorbereitet und der mit seinen Disziplinen große sportliche Ziele setzt, die auch bei den Weltspielen der nichtolympischen Sportarten verfolgt werden. „Diese Verzahnung von sportlichen Wettkämpfen und der humanitären Hilfe ist uns auch vor Ort bei unserer Jugendarbeit sehr wichtig“, erklärt Jürgen Bonnemann von der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft Memmingen-Unterallgäu.

Sein Vater Manfred belebte die DLRG in Memmingen, die 1933 erstmals namentlich erwähnt worden war, in den Sechzigerjahren wieder und machte sich um sie besonders verdient. „Wir haben direkt neben dem Hallenbad gewohnt“, erzählt Bonnemann. Er hat im Lauf der Jahre Erfahrungen bei nationalen Wettkämpfen, aber auch auf internationaler Ebene gesammelt. Seine sportlichen Erlebnisse und seine Kenntnisse im Rettungsschwimmen gibt er gerne an die Kinder und Jugendlichen im Verein weiter.

Fast jeden Tag im Schwimmbecken

„Die DLRG ist für mich wie eine große Familie“, sagt auch Julia Schäfer. Die frischgebackene Bayerische Meisterin in der Altersklasse 15/16 ist schon von Kindesbeinen an bei der DLRG aktiv. „Bis zu sechsmal die Woche bin ich beim Schwimmtraining, weil ich nebenbei auch noch beim TV Memmingen schwimme“, berichtet die ambitionierte Sportlerin.

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Beim Training im Memminger Freibad steht sie an diesem Tag allerdings nur am Beckenrand. Aus gesundheitlichen Gründen darf sie nicht ins kühle Nass springen, um zu trainieren. Sie ist trotzdem dabei und unterstützt ihre Mutter Saskia Schäfer beim Training der Mädchen und Buben, die auf den beiden abgeteilten Bahnen im großen Schwimmerbecken trainieren. Sie werden in den verschiedenen Schwimmstilen angeleitet, in denen die Jugendlichen die Stufen des Deutschen Jugendschwimmerzeichens absolvieren. „Das erste Abzeichen, das Seepferdchen, alleine ist noch lange keine Garantie dafür, dass Kinder richtig gut schwimmen können, was viele Eltern oftmals unterschätzen“, erklärt Schäfer.

Schwimmen, tauchen, Dummy retten

Die Disziplinen im Rettungssport gehen über das normale Schwimmen auf Zeit hinaus. „Bei uns gibt es beim Training keinen Drill, trotzdem will jeder von uns gute Leistungen bringen“, sagt Anna Neugebauer, die gerade das Schwimmen mit der Puppe übt. Bei einem Wettkampf schwimmt sie zunächst 25 Meter Freistil, taucht dort zu einer am Boden liegenden Puppe ab, die sie an die Wasseroberfläche holt, über Wasser hält und mit der sie weitere 25 Meter bis ins Ziel schwimmen muss. Der orangefarbene Dummy simuliert dabei die zu rettende Person, die schnellstmöglich an Land gebracht werden muss, um die lebensrettenden Maßnahmen einleiten zu können.

Neben der Schnelligkeit werden Kraft, die Wendigkeit im Wasser und die Ausdauer trainiert, die der Retter auch im Falle eines Einsatzes braucht. Hilfsmittel wie Flossen und der Brustring, der um die Puppe gelegt wird, um sie ans Ziel zu ziehen, sind erlaubt. Es gibt Einzel- und Mannschaftsdisziplinen, zu der auch der Leinenwurf und eine simulierte Rettungsübung mit unterschiedlichen Notfallsituationen gehören. Der 20-jährige Robin Rehm weiß bereits, worauf es im Ernstfall ankommt. Sein erster Einsatz war eine Bergung eines Menschen aus dem Illerkanal.

Jugendliche können ins Training schnuppern

„Die DLRG bietet mir verschiedene Möglichkeiten, mich ehrenamtlich zu engagieren“, sagt Rehm, der gerade dabei ist, seinen Bootsführerschein zu absolvieren. Die Möglichkeiten der verschiedenen Ausbildungen unterscheiden die DLRG zu einem reinen Sportverein. „Wir können den Jugendlichen mehr bieten und generieren so gleichzeitig unseren Nachwuchs“, erklärt Bonnemann. Wer zwischen zwölf und 18 Jahren ist, hat die Möglichkeit, beim JET (Jugend-Einsatz-Team) zu schnuppern. Hier werden ernste Inhalte, wie beispielsweise die Eis- und Strömungsrettung, das Bootfahren, das Funken und die Erste Hilfe, spielerisch vermittelt.

Die DLRG steht somit auf mehreren Säulen. Das sind: die Schwimm- und Rettungsschwimmer-Ausbildung, die auch die sportliche Komponente beinhaltet, die Aufklärung über die Wassergefahren und der Wasserrettungsdienst. „Auch wer kein Rettungsschwimmer ist, kann bei einem Notfall helfen, indem er unverzüglich unter der Telefonnummer 112 den Notruf absetzt“, betont Bonnemann.

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