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Eishockey

06.04.2020

ESV Kaufbeuren: Der sonst so stille Vulkan brodelt

Andreas Brockmann war stets als eher ruhiger Trainer bekannt. Als der ESV Kaufbeuren ihm jedoch mitteilte, dass er nicht mehr Trainer des Zweitligisten sei, hat den 52-Jährigen dann doch aus der Fassung gebracht.

Plus Als der ESV Kaufbeuren seinem Trainer Andreas Brockmann die Trennung mitteilte, soll es laut geworden sein.

Sprachlosigkeit gibt meist kein gutes Bild ab. Vor allem, wenn man die Zügel in der Hand halten soll. So geschehen am 21. Februar beim Spiel des Eishockey-Zweitligisten ESV Kaufbeuren in Weißwasser. Mit einem Sieg wäre ein Abrutschen in die Abstiegsrunde vorzeitig verhindert worden, doch die Joker fielen in sich zusammen, lagen schnell 0:5 hinten und verloren letztlich 1:6. Der als Erfolgstrainer bekannte Andreas Brockmann, der seit Donnerstagabend nicht mehr Trainer des ESVK ist, zeigte damals eine neue Seite von sich: Er rang nach den Partien um die richtigen Worte. Letztlich kamen nur inhaltsleere Sätze wie „Wir können nur den Fokus nach vorne richten“ oder „Es ist alles sehr eng“ aus ihm heraus.

Die Erwartungen der Kaufbeurer Fans waren hoch

Die Fans hatten hohe Erwartungen vor der Saison. Recht offen äußerten sie den Wunsch, nach drei Halbfinalteilnahmen endlich das Finale zu erreichen. Davon war der ESVK im Februar aber weit entfernt. Die Fans nahmen allen Beteiligten vor allem zwei Freitagsspiele in der heißen Schlussphase übel; neben dem Auftritt in Weißwasser auch das 2:7 gegen Bayreuth zu Hause. Vorausgegangen war zwar eine starke Phase zwischen November und Januar, aber eben auch ein miserabler Saisonstart mit teils fünf Niederlagen am Stück. Beobachter im Stadion bemängelten, dass Brockmann zu wenig spreche, kein glückliches Händchen beim Timing von Auszeiten mehr habe.

Richtig ist, dass es schlicht zu Brockmanns Naturell gehört, nicht im Übermaße zu kommunizieren – über weite Strecken fuhr der Coach damit auch gut. Irgendwie schien aber das Projekt ESVK mit Trainer Brockmann in der Saison 2019/2020 festzustecken. Am Ende aber schafften es die Joker mit Ach und Krach in die Pre-Play-Offs und hätten sich im März sogar noch im Play-Off-Viertelfinale gemessen, wäre Corona nicht dazwischengekommen. Doch die Unzulänglichkeiten, die spielerisch über eine teils schwache Abwehr hinausgingen, mündeten nun darin, dass der ESVK Brockmann kein neues Angebot unterbreitete.

ESV Kaufbeuren: Der sonst so stille Vulkan brodelt

Nicht alle im Team standen hinter dem langjährigen Erfolgscoach

Wie immer bei ausbleibenden sportlichen Erfolgen oder ungewöhnlichen Begebenheiten (zu erwähnen sei auch, dass der ESVK schon im Winter in Bayreuth eine 5:0-Führung nicht über die Zeit brachte), standen im Team längst nicht mehr alle hinter dem langjährigen Erfolgscoach, sondern wünschten sich einen Neuanfang. Verteidiger Florin Ketterer etwa betonte, dass es menschlich natürlich immer blöd sei, wenn eine Zusammenarbeit ende. „Rein sportlich ist die Entscheidung des Vereins nicht verkehrt. Wir hatten drei Jahre großen Erfolg, seine Taktik hat gegriffen, aber schon in der vergangenen Saison sind wir ausrechenbarer geworden.“

Eigengewächs Daniel Oppolzer sagte unserer Zeitung: „Ich maße mir nicht an, nun zu sagen, ob die Entscheidung richtig oder falsch war. Ich finde, dass wir in den vergangenen Jahren großteils sehr erfolgreich waren und Andi und die Mannschaft einen super Job gemacht haben. Im Sport ist es aber immer leichter, den Trainer zu tauschen als große Teile des Teams. Es ist auch bekannt, dass von Trainerwechseln meist ein gewisser Effekt ausgeht.“ Welch große Verdienste sich Brockmann in den vier Jahren, in denen er die Joker immer in die Play-Offs führte, erwarb, zeigt sich aber auch darin, dass er durchaus noch große Befürworter, auch innerhalb des Teams, hatte. Zu ihnen gehört Max Lukes, der vergangenen Herbst aus Bietigheim in seine Allgäuer Heimat zurückkehrte. „Seit ich hierher gekommen bin, hat Andi mir sein Vertrauen geschenkt. Er hat immer ein offenes Ohr gehabt – für jeden“, berichtete der Stürmer, der in Kaufbeuren noch einen Vertrag bis 2022 hat. „Manche haben das nicht wahrgenommen. Ich bin echt schockiert und traurig darüber, dass Andi nicht mehr unser Trainer ist.“ Lukes könne die Entscheidung in Anbetracht des Erfolgs nicht verstehen. „Er hat die Mannschaft erreicht, sonst wären wir nicht ins Viertelfinale gekommen.“

Dank an die Gesellschafter des Kaufbeurer Eishockey-Clubs

Großen Dank sprachen auch die Gesellschafter des Vereins in einem gemeinsamen Statement aus – darin hieß es unter anderem, dass aus der Zusammenarbeit eine schöne Freundschaft entstanden sei, „die dies überdauert.“ Brockmann, der auf die Entscheidung des Vereins emotional und laut reagiert haben soll, hat die Anfragen unserer Redaktion unbeantwortet gelassen. Er ließ ausrichten, dass er derzeit keine Interviews geben wolle, er würde da vermutlich nur Unüberlegtes sagen.

Derweil laufen beim ESVK die Planungen der Zukunft: Ganz offenbar gibt es schon konkrete Kandidaten für die Brockmann-Nachfolge, allerdings noch keinen unterschriebenen Vertrag, wie ESVK-Geschäftsführer Michael Kreitl betont. Wahrscheinlich ist, dass es auf eine Lösung mit einem ausländischen Trainer hinausläuft. „Der Markt an deutschen Trainern ist rar gesät. Um unsere Kaderplanung weiter zu forcieren, werden wir versuchen, schon in Kürze einen neuen Trainer zu präsentieren“, kündigte Kreitl an. Der Funktionär erklärte aber auch, dass die Suche nach neuen Spielern von Corona massiv beeinflusst werde. „Jeder ist momentan sehr vorsichtig. Die Kaderplanung hängt auch mit der weiteren Corona-Entwicklung zusammen“, sagt Kreitl mit Blick auf die wirtschaftlichen Auswirkungen des Shut-Downs.

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