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Eiskunstlauf

25.02.2019

Ein Leben auf Kufen in Bad Wörishofen

Als erstes holte sich der Tod alias Antonia Vögele (rechts) den Ehemann (Clara Hofmann, links) der alten Dame.
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Als erstes holte sich der Tod alias Antonia Vögele (rechts) den Ehemann (Clara Hofmann, links) der alten Dame.
Bild: Andreas Lenuweit

Der EKV Bad Wörishofen zieht beim Schaulaufen die Kreise des Lebens. Über 600 Zuschauer erleben dabei eine perfekte Symbiose von Eiskunstlauf und Musik.

Dass Eiskunstlauf emotional und berührend ist, weiß man spätestens seit der atemberaubenden Gold-Kür von Aljona Savchenko und Bruno Massot vor ziemlich genau einem Jahr in Pyeongchang. Eine wunderbare Choreografie, die passende Musik dazu und ein Thema, das Menschen anspricht: Wenn dieser Dreiklang perfekt auf das Eis gezaubert wird, dann können schon einmal Tränen der Rührung oder der Freude kullern.

Insofern hat der Eiskunstlaufverein Bad Wörishofen für sein Schaulaufen in diesem Jahr bestens vorgesorgt. Denn schon im Programmheft fand sich für die Besucher ein Tempotaschentuch, „für alle Fälle“ wie EKV-Vorsitzender Egbert Gai in seinem Vorwort schrieb.

In Bad Wörishofen wird ein Lebenslauf kunstvoll inszeniert

Das Thema des diesjährigen Schaulaufens war auch durchaus dazu geeignet, um das Taschentuch in Anspruch zu nehmen. Schließlich ging es um nicht weniger als den Lebenslauf einer Frau, die am Ende – so viel sei schon verraten – tatsächlich auch mit dem Tod mitgeht. Repräsentiert wurde die alte Dame von Christel Weishaupt. Sie ist mit 80 Jahren das älteste aktive Mitglied des EKV Bad Wörishofen und wagte sich für einige Runden noch einmal auf das ihr so lieb gewonnene Eis. Dann, in einem Sessel sitzend, blättert sie in ihrem alten Fotoalbum und lässt die Stationen ihres Lebens noch einmal an sich (und den rund 600 Zuschauern in der vollen Eisarena) an sich vorüberziehen (Lesen Sie hier: Bad Wörishofer tanzen um Leben und Tod ).

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130 Kinder und Jugendliche machten die nachfolgenden zwei Stunden zu einem schönen und bunten Erlebnis für alle Zuschauer. Als da wäre die unbeschwerte Kindergartenzeit samt so mancher Fantasiefreunde, die von den jüngsten Läufern des Vereins und den Little Moon Dancers dargestellt wurde. Den ersten Solo-Auftritt hatte dann Franziska Zerrle als heimatliebende „Heidi“. Es folgten der erste Schultag mit den Kindern des ESV Türkheim und die Jugend samt Pubertät und Partyzeit. Immer unterlegt mit der passenden Musik. Wie sich das Mädchen in eine junge Frau verwandelt, stellten Franziska und Helena Zerrle mit ihrem Duett wunderbar nach.

Von der Geburt bis zum Tod: Rund 600 Zuschauer sahen beim Schaulaufen des EKV Bad Wörishofen eine beeindruckende Lebensgeschichte.
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Das Schaulaufen des EKV Bad Wörishofen begeistert
Bild: Andreas Lenuweit

Einer der Höhepunkte war der klassische Tanzkurs, den Mia Lee Mayer und Tobias Huber vom EC Oberstdorf darboten. Die Bayerischen Meister von 2018 und 2019 waren ebenso Gastläufer, wie die Gruppe aus Türkheim und des ESV Buchloe. Nach Schulzeit und Praktikum bei der Post ging es auf Reisen quer durch die USA: von der Westküste („Surfin’ USA“ von den Beach Boys) über West Virginia („Country Roads“ von John Denver) nach New York (Frank Sinatra „New York, New York“), ehe die junge Frau nun im Büroalltag ihre große Liebe findet und heiratet. Fabienne Klaus und Irina Weiß mimten das Brautpaar.

Den häuslichen Alltag meisterte Savenna Pache ehe die Protagonistin in Person von Nina Kerler wieder die Zeit zum Tanzen findet. Erstmals wurde dabei live gesunden: Anna Lena Wißmiller sang mit „This is me“ von Kesha den passenden Song dazu und sorgte für Gänsehautstimmung.

Doch einen letzten Wunsch, eine Reise an den Strand nach Hawaii (Joana Balsen), erfüllte sie sich noch. „Lächelnd kann ich zurückblicken und sagen: Alles war gut, so wie es war“, lauteten ihre letzten Worte, ehe Herbert Grönemeyers „Der Weg“ erklang – und Antonia Vögele als bezaubernder Tod ihren Auftrag erfüllte. Die Taschentücher waren keine schlechte Idee.


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