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Radsport

16.11.2020

Ein Türkheimer geht abseits der A7 auf große Tour

Daumen hoch am Ellenbogen: 13 Tage nachdem der Türkheimer Markus Negele bei Oberstdorf mit seiner Radtour durch Deutschland gestartet ist, erreicht er auf Sylt den nördlichsten Punkt Deutschlands.
Bild: Negele

Plus Was tun, wenn man aufgrund der Corona-Pandemie Zeit hat? Der Türkheimer Markus Negele setzt sich auf das Rad und fährt durch Deutschland – von Süd nach Nord.

1246 Kilometer und 6770 Höhenmeter auf dem Fahrrad. Wer bei diesen Zahlen an eine Rundfahrt für Radprofis denkt, täuscht sich gewaltig, denn das ist die persönliche Bilanz von Markus Negele – dem Mann für das Außergewöhnliche. Der Türkheimer machte sich Anfang Oktober auf den Weg mit dem Fahrrad vom südlichsten zum nördlichsten Punkt Deutschlands.

„Ich brauche immer ein Ziel, auf das ich hinarbeiten kann“, erklärt der Vater zweier Kinder seinen Antrieb für solch ein Projekt. Doch warum ausgerechnet eine Radtour durch das ganze Land, schließlich war er bislang nicht gerade als große Sportskanone bekannt? Ganz einfach: Die Berge hatte er schon hinter sich. Denn als Negele im Frühjahr und Sommer per App mehrere Bergtouren geplant hat, erschienen auch Vorschläge für Unternehmungen in anderen Sportarten wie dem Biken. Nach der Besteigung der Zugspitze Ende Juli, dem höchsten Berg Deutschlands, war das Thema Berge für ihn durch. Und so entstand die Idee, andere besondere Punkte zu suchen – und als nächstes auf das Rad zu steigen.

Die Pandemie hat den Busunternehmer beruflich schwer getroffen

Als soloselbstständiger Busunternehmer in Türkheim hat auch ihn die Corona-Pandemie arg gebeutelt und viel ungewollte Freizeit beschert. So musste Markus Negele auch nur kurz mit seiner Frau „verhandeln“, bis diese ihr Okay gab. Schließlich kann keiner wissen, wann sich so eine Chance nochmals bietet. Begleiten konnte sie ihren Mann aufgrund ihres eigenen Jobs und der zwei schulpflichtigen Kinder nicht. Im Herbst ging es an die genaue Tourplanung: Die grobe Gesamtstrecke war schnell gefunden, die eine tägliche Etappe von etwa 120 bis 150 Kilometern vorsah, was im Ergebnis eine Gesamtdauer von 13 Tagen ergab.

Der Grenzstein 147 bei Oberstdorf war Negeles Ausgangspunkt.
Bild: Negele

Am 4. Oktober erfolgte der Startschuss: Mit dem Zug fuhr Negele in Richtung Oberstdorf, um am nächsten Tag vom Haldenwanger Eck aus mit dem Rad zu starten. Da der Fußballfan früher schon immer den FC Bayern München in der ganzen Welt begleitet hat, wählte er die Route so, dass er nach der ersten Etappe zuhause in Türkheim übernachten konnte – Erfahrung in der Reiseplanung zahlt sich nun mal aus. Nach Rucksacktausch und Hosenwechsel – die erste war gleich am Starttag zerrissen von einem Sturz – ging es weiter nach Nördlingen. Weitere Tagesziele waren anschließend Würzburg, Fulda, Kassel und Hannover.

Übernachtet wird im Hotel, Motel - und Kloster

In einer Unterkunft angekommen buchte Negele immer die Übernachtung für den nächsten Abend und war sehr überrascht, wie regional unterschiedlich doch die Corona-Regeln umgesetzt wurden – von Hotel über Motel hin bis zum Kloster. Nach acht langen Tagen mit anfangs noch etlichen Höhenmetern, großen Strapazen und auch Schmerzen erreichte Negele Soltau. Hier machte es der Türkheimer den Profis nach und gönnte sich einen Ruhetag in der ortsansässigen Therme, schließlich lagen noch immer etwa 350 Kilometer vor ihm.

Es klappte weiterhin alles wie geplant, „doch die härtesten Tage waren die letzten beiden Tage, denn die Höhenmeter im Süden sind nichts gegen den Wind im Norden“, fasst Negele die größten Qualen zusammen. Aber er hielt durch, getreu dem Motto „Jakobsweg kann ja jeder“, und genoss die Ruhe und Einsamkeit in der Natur genauso wie die Sehenswürdigkeiten der Innenstädte.

Ein Bad im Hamburger Hafen musste sein – trotz des kalten Wassers.
Bild: Negele

Selbst bezeichnet sich Negele auf Nachfrage gerne als „familiären Einzelgänger“. Gleichgesinnten begegnete er auf seinen Strecken nicht, doch es seien eh die kleinen Begegnungen, die das Leben so besonders machen. So erzählte ihm ein Kellner in Würzburg, dass er aus Sylt stammt und konnte es laut Negele gar nicht fassen, dass dieser mit dem Rad auf dem Weg in dessen Heimat war. Über Hamburg und Büsum gelangte der Hobbyradler schließlich auf das „überteuerte und touristisch völlig überlaufene“ Sylt. Die meisten Leute hatten hier nur Augen für den markanten Leuchtturm, doch Negele hatte ein anderes Ziel – den nördlichsten Punkt Deutschlands auf dem Ellbogen von Sylt.

13 Tage liegen zwischen Grenzstein 147 und dem Ellenbogen

Nach 13 Tagen war seine Mission geschafft, zur Belohnung gönnte er sich ein Bad in der zehn Grad kalten Nordsee. Noch am selben Tag ging es vom Endpunkt der Tour rund 20 Kilometer zurück bis zum Bahnhof. Von Sylt nach Hamburg und per Nachtzug zurück nach Augsburg; Wie schnell man doch von Nord nach Süd kommen konnte, dachte sich Negele während dieser Fahrt. So blieb gerade noch Zeit für ein Fazit, dass er unheimlich viele Eindrücke aus ganz Deutschland sammeln konnte. Die Stadt Fulda darf sich glücklich schätzen, wenn ein Mann der schon in der ganzen Welt unterwegs war, sagt, dass dieses Städtchen ihm am besten gefallen hat. Vielleicht findet sich ja in der Nach-Corona-Zeit ein Ausflugsangebot nach Fulda in Negeles Bustourenprogramm.

Der Leuchtturm List West auf Sylt war nah am Ziel.
Bild: Negele

Dank moderner Kommunikationsmittel hielten sich Trennungsschmerz und Heimweh zwar in Grenzen, dennoch fiel sich die Familie überglücklich in die Arme, als Markus Negele von ihr in Augsburg abgeholt wurde. Natürlich hofft er, im nächsten Jahr wieder regelmäßig als Busfahrer tätig sein zu können. Was ihn aber nicht am Pläne schmieden für die Zukunft hindert. Nach der Süd-Nord-Tour steht natürlich eine Fahrt vom westlichsten bis zum östlichsten Punkt ganz oben auf der Liste. Aber auch eine Tour entlang der ehemaligen Ost-West-Grenze und dem eisernen Vorgang schwirren schon in seinem Kopf herum – schließlich benötigt er immer ein Ziel vor Augen, das ihn antreibt...

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