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Tennis

04.07.2013

Ein unschlagbarer Charmeur

Bild: Axel Schmidt

Philipp Jelinek ist die Nummer eins beim TTC Bad Wörishofen. Der 30-jährige Österreicher spielt seit 2009 für die Kneippstädter – und hat seitdem noch kein Spiel verloren

Bad Wörishofen Philipp Jelinek steht vor dem Clubheim des TTC Bad Wörishofen, raucht kurz eine Zigarette und genießt die Sonnenstrahlen. Jeder Besucher, der ihn anspricht, bekommt ein Lächeln und ein nettes Wort in unverkennbarem österreichischen Tonfall. Der 30-Jährige ist ein Charmeur Wiener Schule. Obwohl er aus Salzburg kommt. Gerade eben hat er sein Tennisspiel gewonnen. 6:2, 6:2 heißt es am Ende seines Einzels gegen den Tschechen Martin Bartonek vom TC Neugablonz. Damit steuert er einen von insgesamt sechs Einzelpunkten zum späteren 9:0-Heimsieg des TTC Bad Wörishofen bei.

Wie es ist, wenn Philipp Jelinek ein Spiel verliert? Ob er dann sauer, enttäuscht oder in sich gekehrt ist? Kaum einer kann es wissen. Denn die Nummer eins des TTC Bad Wörishofen hat seit 2009 keine Partie mehr verloren. „Diese Serie gibt mir sehr viel Selbstvertrauen. Das steigert die Motivation ungemein“, sagt er. Der Ex-Profi spielt seit 2008 beim TTC Bad Wörishofen und steht mit der ersten Herrenmannschaft vor dem Aufstieg in die Landesliga. „Ich habe zwar schon höher gespielt, aber in der Konstellation, mit dieser Mannschaft ist das schon etwas Besonderes“, sagt Jelinek. Weil der ärgste Konkurrent, der TC Rot-Weiß Krumbach, zeitgleich gegen den TC Memmingen verloren hatte, dürften Meisterschaft und Aufstieg in trockenen Tüchern sein. In Nördlingen jedenfalls wollen sich die Wörishofer am letzten Spieltag nicht mehr die Butter vom Brot nehmen lassen.

Vor fünf Jahren kam Philipp Jelinek zum TTC Bad Wörishofen. Mit 25 Jahren hatte der Salzburger seinen Traum vom Profi aufgegeben. Aus Geldmangel, wie er sagt: „Um mit Tennis Geld verdienen zu können, musst du unter den besten 150 Spielern der Welt sein.“ Auf ihn traf das nicht zu. Auch, weil er ein Spätstarter war. Zuerst habe er seinem Vater versprechen müssen, die Tischlerlehre abzuschließen. Erst dann durfte er sich voll auf Tennis konzentrieren. Da war er 18 Jahre alt – und der Zug für eine gewinnbringende Profikarriere eigentlich schon abgefahren.

Ein unschlagbarer Charmeur

Doch Jelinek weint dieser Zeit nicht hinterher. „Es war o.k.“, sagt er über seine Karriere. Jetzt arbeitet er als Sportfachverkäufer und als Tennistrainer – und spielt in den Sommermonaten einerseits beim TC Salzburg-Bergheim in der 2. österreichischen Bundesliga sowie eben beim TTC Bad Wörishofen. Wenn in Deutschland die Verbandsrunde beginnt, wird es für Jelinek stressig. Dann hat er sieben kräfteraubende Wochen vor sich: eine 50-Stunden-Woche bei der Arbeit, am Wochenende jeweils ein Spiel in Österreich und in Deutschland. „Wenn es möglich ist, mache ich schon alle Spiele für den TTC Bad Wörishofen“, sagt er. Die schöne Anlage, die Mannschaftskollegen und nicht zuletzt das Zuschauerinteresse machen ihm Spaß: „In Österreich spielst du ja quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit.“ Das soll auch in Zukunft so bleiben. Denn: „Ich habe mich schon etwas in Bad Wörishofen verliebt“, sagt er und lächelt.

Von Vereinsseite gibt es grünes Licht. „Natürlich wollen wir einen Topspieler wie Philipp behalten“, sagt TTC-Vorsitzender Thomas Karl. Schließlich passe der Österreicher zum Verein: „Er ist keiner, der nur kurz die Spiele absolviert und sich dann wieder auf den Heimweg macht. Er identifiziert sich mit dem Verein.“ Ein weiteres Plus für den Österreicher: Dank des Paragrafen 31.6 der Wettspielordnung ist Jelinek kein „richtiger“ Ausländer mehr, sondern wird mit deutschen Spielern gleichgestellt (siehe Info). Für den Verein ergibt sich damit der Vorteil, dass Jelinek, wie aktuell auch sein Landsmann Florian Kiefer (Österreich) keinen der beiden Ausländerplätze belegen.

Am Wochenende nun kann die Mannschaft die Früchte ihrer Arbeit ernten. Mit zwei Punkten Vorsprung und einer um acht Punkte besseren Matchpoint-Bilanz als der Tabellenzweite TC Memmingen ist dem TTC Bad Wörishofen die Meisterschaft kaum mehr zu nehmen. Nur wenn Memmingen in Kempten mit 9:0 gewinnt und Bad Wörishofen gleichzeitig verliert, würde der Wechsel an der Spitze vollzogen. Doch das würde bedeuten, dass vielleicht auch Philipp Jelinek sein Einzel verliert. Und wer mag daran schon glauben?

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