Jugendfußball

09.09.2015

Eine bunte Truppe

Acht Vereine, eine Mannschaft: (hinten von links) SVO-Jugendleiter Bernhard Epple, Manuel Klenner, Martin Juhlemann (beide TSV Kammlach), Lukas Schmid, Leander Bachmeier, Raphael Fickler, Simon Schaule (alle TSV Pfaffenhausen), Michael Laur, Christoph Zacher, Manuel Zeller (alle SV Oberrieden), Lukas Frei, Niklas Müller (beide FC Loppenhausen), Trainer Michael Keller, (vorne von links) Tobias Geiger (SV Breitenbrunn), Patrick Kucynski (SV Schöneberg), Philipp Weigele (SV Oberrieden) und Thomas Hölzle (SV Bedernau).
Bild: Axel Schmidt

Die SG Oberrieden ist ein echtes Novum im Fußballkreis Allgäu: Denn zu dieser Spielgemeinschaft schicken acht Vereine ihre A-Jugendspieler. Der Verband sieht es kritisch.

Michael Keller schwant Böses: „Wenn es heute nicht zweistellig wird, dann ist es o. k.“, sagt der A-Jugend-Trainer der SG Oberrieden vor dem Pokalspiel seiner Mannschaft gegen den Kreisligisten JFG Kronburg. Dass seine Erwartungen gedämpft sind, hat einen Grund. Oder besser: acht Gründe.

Denn Keller muss eine Mannschaft formen, in der Spieler aus acht Vereinen als Spielgemeinschaft Oberrieden antreten. Eine Herkulesaufgabe. Das weiß auch Oberriedens Jugendleiter Bernhard Epple: „Im April waren alle froh, dass wir es in die Hand genommen haben“, sagt Epple und meint damit das jährliche Treffen aller Fußball-Jugendleiter der Vereine aus der VG Pfaffenhausen. Dabei kommen dann die Zahlen auf den Tisch und es werden Lösungen gesucht. Wie viele Spieler hat welcher Verein in welchem Jahrgang? Welche Klubs können damit in welchen Jahrgang noch eine eigene Mannschaft stellen? Welche Vereine müssten sich zu einer Spielgemeinschaft zusammenschließen, um am Spielbetrieb teilnehmen zu können?

Drei Klubs stellen je nur einen Spieler

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In diesem Jahr fiel die Antwort im A-Jugendbereich ernüchternd aus. Bis auf den SV Salgen/Bronnen, der aufgrund seiner Spielgemeinschaft mit dem TSV Zaisertshofen außen vor ist, kommen die sieben (!) verbleibenden Vereine auf gerade einmal 20 A-Jugendspieler. Der SV Schöneberg, SV Bedernau und SC Unterrieden haben jeweils nur noch einen U19-Spieler. Da blieb nur die große Lösung, quasi die „VG-Spielgemeinschaft“. Sprich: Außer dem SV Salgen/Bronnen schließen sich alle anderen Mannschaften zusammen, um im A-Jugendbereich eine Mannschaft stellen zu können. Und weil der SV Oberrieden schon seit Längerem mit dem TSV Kammlach eine Spielgemeinsacht pflegt, sind die Kammlacher mit im Boot. Macht zusammen eine Spielgemeinschaft aus acht Vereinen – ein Novum im Fußballkreis Allgäu.

„Das fällt tatsächlich völlig aus dem Rahmen“, sagt Kreisjugendleiter Karl Heinz Giegerich (Oberstaufen). „Vier Vereine in einer Spielgemeinschaft kommt schon mal vor. Aber acht, das ist schon kurios“, sagt er – und deutet zugleich an, dass der Verband hier genau hinsehen wird. Denn: „Eine Spielgemeinschaft sollte immer eine Notlösung bleiben und ist nicht als Leistungssteigerung gedacht“, sagt Giegerich. Dafür gebe es die Jugendfördergemeinschaften, kurz JFGs.

An einen sportlichen Vorteil glaubt man beim SVO nicht  

Diesen Verdacht räumen die Verantwortlichen des SV Oberrieden jedoch gleich aus. „Wir haben deswegen nicht automatisch eine starke Mannschaft. Ich glaube nicht, dass wir in der Qualifikationsgruppe eine große Rolle spielen werden“, sagt Trainer Michael Keller und verweist auf die bisherigen Testspielergebnisse: 1:3 gegen den FC Rammingen, 2:4 gegen den SV Salgen/Bronnen II. Es sei in diesem Jahr tatsächlich eine Ausnahmesituation, wie SVO-Vorsitzender Richard Schmid bestätigt. „Wenn es irgendwie geht, dann versuchen wir schon, eine eigene Mannschaft zu stellen. Aber heuer ist es erst einmal wichtig, dass alle Spieler auch irgendwo unterkommen, um weiter spielen zu können.“

Denn eines sei klar: Wenn ein Spieler, der gerade in der Lehre steckt oder sein Abitur vor Augen hat, in diesem Alter aufhört, wird es sehr schwer, diesen für den Seniorenbereich wieder zu gewinnen. Schließlich hat der Bayerische Fußballverband (BFV) vor nicht allzu langer Zeit eine neue Regel eingeführt, nach der nur noch der ältere A-Jugend-Jahrgang im Seniorenbereich spielberechtigt ist. Gibt es also für den jüngeren Jahrgang keine Mannschaft, dann hat ein solcher Spieler nur zwei Möglichkeiten: entweder den Verein wechseln, oder die Fußballschuhe vorübergehend an den Nagel hängen.

Beides ist für sämtliche Vereine keine Option. „Ich will jeden Spieler mit nach oben nehmen, egal, ob er gut oder weniger gut ist“, sagt Bernhard Epple. „Als Dorfverein darfst Du nicht aussortieren.“ Nicht in Zeiten des demografischen Wandels. Das sieht auch Karl Heinz Giegerich so. Er hat die Spielgemeinschaft letztlich genehmigt und für den Spielbetrieb freigegeben und ist sich sicher: „Die Vereine werden sich schon etwas dabei gedacht haben. Die bürden sich ja mit dieser Lösung auch ganz schön etwas auf.“ Trotzdem werde man vonseiten des Verbandes genau hinsehen.

Letzte Saison noch Gegner, jetzt Teamkameraden

Für die Spieler selbst ist die Situation zwar etwas ungewöhnlich, aber auch nicht mehr. „Im Moment ist das ganz gut. Aber ob es eine Sache auf Dauer wird, glaube ich nicht“, sagt Manuel Merk. Der 16-jährige Oberrieder ist der Jüngste im Kader. „Es ist schon schwierig, wenn man in der B-Jugend noch Gegner auf dem Platz war und plötzlich zusammenspielen muss. Aber das wird schon. Es dauert halt etwas, bis man zusammenkommt“, sagt er.

Bernhard Epple formuliert es anders: „Wir hoffen, dass wir die Mannschaft bis zum Ende durchbringen. Das ist unser Ziel.“ Um dann im kommenden April bei der nächsten Jugendleitersitzung von einer erfolgreichen Notlösung berichten zu können.

Die Mannschaft jedenfalls scheint willig: Das Pokalspiel gegen den Kreisligisten JFG Kronburg geht zwar verloren, doch von einem zweistelligen Ergebnis, wie von Michael Keller befürchtet, war die bunte Truppe beim 0:5 weit entfernt.

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