Motorsport

08.11.2019

Eine rasante Zeit

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4 Bilder
Otto Remmele fährt 13 Jahre aktiv Motocross-Rennen. Später ist er Fahrervertreter, Sportleiter, zweiter und erster Vorsitzender der Motorsportfreunde Mindelheim.
Bild: Axel Schmidt (2), Archiv Remmele, MZ-Archiv

Plus Früher war Mindelheim ein Eldorado für Motocross-Fans. Dann wurden Aufwand und Auflagen für Rennen zu groß. Nun feiern die Motorsportfreunde ihren 50. Geburtstag.

Es ist ruhig geworden um die Motorsportfreunde Mindelheim – im wahrsten Sinne des Wortes. Dröhnten früher Motocrossmaschinen über die Schwabenwiese oder Supermoto-Bikes über den Parkplatz am Allgäu-Center, so ist das Motorengeheul bei Rennsportveranstaltungen in Mindelheim seit Jahren nicht mehr zu hören.

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Der Verein der Motorsportfreunde aber lebt noch immer – und feiert am Wochenende nun seinen 50. Geburtstag. Ehrungen, Tombola, Rückblick und Beamer-Show verspricht die Einladung der Motorsportfreunde zum Jubiläumsabend am Samstag, 9. November, im Gasthaus Sonne in Mittelrieden. Dann wird auch Otto Remmele wieder am Mikrofon stehen und die Gäste begrüßen. Der 80-Jährige ist seit zehn Jahren Vorsitzender der Motorsportfreunde Mindelheim – und einer der Gründungsmitglieder.

1969 gründen rund 30 Mitglieder den Verein

Er erinnert sich noch an das Jahr 1969, als rund 30 Motorradfahrer des AMC Mindelheim einen eigenen Verein gründen wollten. „Es gab damals die einen oder anderen Differenzen mit dem AMC“, sagt Remmele. Die Motorradgruppe des Automobil- und Motorsportclubs Mindelheim wollte sich eher auf sportliche Veranstaltungen konzentrieren. Dabei stand das Motocross ganz hoch im Kurs. Auch Remmele fuhr 13 Jahre lang aktiv auf einer Motocrossmaschine über zahlreiche Pisten. 1966 gewann er ein Rennen auf der Mindelheimer Schwabenwiese – und wurde prompt von den Mindelheimern angesprochen, ob er nicht in ihrem Klub fahren wolle. So kam er also zunächst zum AMC Mindelheim, von dort dann zu den zwei Jahre später gegründeten MSF Mindelheim. In der Folge ist Remmele immer dabei, wenn es um die Organisation von Rennen geht.

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„Wir haben auf der Schwabenwiese 25 Motocrossrennen ausgetragen, unter anderem Läufe zur Deutschen Meisterschaft und internationale Rennen. 1976 organisierten wir den Endlauf zum Deutschen Jugendpokal. Den hat dann der Wolfgang Steber aus Mindelheim gewonnen“, erzählt Remmele. Überhaupt habe es damals einige sehr gute Motocross-Fahrer in und um Mindelheim gegeben.

Große Talente in Mindelheim

Das größte Talent war Alexander Hofmann, dessen Vater von 1987 bis 1993 Vereinsvorsitzender war. Hofmann, heute 39 Jahre alt, saß schon als Dreijähriger auf seiner ersten Motocross-Maschine, mit vier Jahren fuhr er sein erstes Rennen. Und 1992 fuhr Hofmann zu seinem ersten deutschen Motocross-Meistertitel. Zwei Jahre und einen Titel später wechselte Hofmann als 14-Jähriger auf die Straße und sollte Jahre später beim MotoGP, der Königsklasse des Motorradrennsports, um WM-Punkte fahren.

Einer, der sich sogar Doppel-Weltmeister nennen darf, ist Bernd Hiemer. Der Rennfahrer aus Leutkirch ist der einzige Deutsche, dem ein WM-Sieg im Supermoto, der Mischung aus Motocross- und Straßenrennen, gelang. Auch Hiemer ist Mitglied bei den MSF Mindelheim – und stand Remmele und Co. zu Beginn des Jahrtausends mit Rat und Tat zur Seite. Denn damals setzten die Mindelheimer auf das neue Pferd namens „Supermoto“. Der Grund: Auf der Schwabenwiese und auch in Allesrain, dem Dirlewanger Ortsteil, gab es im Lauf der Jahre für die Motocrosssportler immer mehr Auflagen. „Irgendwann ist im Gelände dann gar nichts mehr gegangen“, sagt Remmele. Der Pachtvertrag lief zudem aus. Ein Motorsportverein, der keine Rennen austragen kann – wie sollte es weitergehen?

Auch dem Supermoto ging die Luft aus

Doch dann kam Remmele als damaliger Sportleiter des Vereins bei einer Schulung in Frankfurt mit Peter Mayer von der Zeitschrift Motorrad ins Gespräch. Der begeisterte Remmele schließlich von der Supermoto-Rennserie und suchte zugleich einen Verein, der im Rahmen der internationalen Motorradmesse Intermot in München-Riem ein solches Rennen ausrichten könnte. Remmele sagte zu – und organisierte dieses Rennen zusammen mit rund 60 Helfern in München so gut, dass die Mindelheimer 2005 im Rahmen der deutschen Meisterschaft erneut ran durften.

„Mit Supermoto kamen wir an die jungen Fahrer besser heran“, erinnert sich Remmele. So dauerte es nicht lange, bis auch in Mindelheim ein geeigneter Platz für solche Rennen gesucht und gefunden wurde: der Parkplatz rund um das Allgäu Center. Zwischen 2007 und 2012 fanden sechs Supermoto-Veranstaltungen statt, unter anderem mit Bernd Hiemer als Teilnehmer. Dann sorgten ein schleichender Zuschauerschwund, Lärmbeschwerden von Anwohnern und nicht zuletzt der immense Aufwand dafür, dass auch diese Rennen eingestellt wurden. Seitdem ist es ruhig geworden um die Motorsportfreunde Mindelheim. Zwar seien sie mit ihren rund 100 Mitgliedern ein lebendiger Verein, machen ihre Ausflüge und Jahresfeiern, wie Remmele sagt. Doch ohne Trainingsmöglichkeiten fehle der Nachwuchs. „Ein Motorsportverein braucht ein Übungsgelände“, sagt er. Zudem ist es ein teures Hobby. „Mein ältester Sohn ist sieben Jahre Motocross gefahren. Solange eben, wie es der Papa gesponsert hat. Als ich nicht mehr zahlte, hat er zu rechnen angefangen“, sagt Remmele und lacht: „Heute läuft er Marathon.“

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