Newsticker

Seehofer rechnet mit Corona-Warn-App Mitte Juni
  1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. Lokalsport
  4. Ex-Profi Wiblishauser freut sich auf den Neustart der Bundesliga

Fußball

16.05.2020

Ex-Profi Wiblishauser freut sich auf den Neustart der Bundesliga

Mit Geisterspielen ohne Zuschauer werden die 1. und 2. Fußball-Bundesliga fortgesetzt. Ex-Profi Frank Wiblishauser aus Memmingen glaubt, dass diese besondere Situation der Zukunft des Fußballsports guttun könnte.

Plus Der ehemalige Bundesligaspieler Frank Wiblishauser spricht im Interview über Geisterspiele, Gesundheit und die Glaubwürdigkeit der Fußballwelt.

Hallo Herr Wiblishauser, haben Sie am Samstagnachmittag um 15.30 Uhr schon was vor?

Frank Wiblishauser: Ich schaue Fußball-Bundesliga (lacht). Eine so lange Zeit ohne Fußball, ist eine trockene Zeit. Deshalb freue ich mich natürlich, dass es wieder losgeht.

Können Sie es als Ex-Profi nachvollziehen, dass der Fußball in der Diskussion um die Lockerungen nach dem Corona-Lockdown eine Sonderrolle gespielt hat?

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Wiblishauser: Gewisse Dinge kann man verstehen, anderes habe ich in den vergangenen Wochen immer wieder hinterfragt. Fußball bewegt sehr viele Menschen und ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Aber generell ist für mich jeder Mensch gleich. Warum werden beispielsweise die Fußball-Profis jeden Tag auf eine mögliche Corona-Infektion getestet, während das bei den Pflegekräften, die täglich Patienten zu versorgen haben, nicht der Fall ist? Ich bin auch gespannt, wie der Amateurfußball ab September geregelt wird. Wo spielt man? Ab wann? Und wie? Es bleibt eine spannende Zeit, in der niemand so genau weiß, wohin der Weg führt.

In anderen Ländern wurden die höchsten Ligen längst abgebrochen. Gehen wir in Deutschland mit der Fortsetzung den richtigen Schritt?

Wiblishauser: Die Infektionszahlen stagnieren ja Gott sei Dank seit einigen Tagen. Ich glaube, es ist für die Menschen wichtig, dass das Leben allmählich wieder ins Laufen kommt und ein bisschen mehr Schwung reinkommt. Dazu kann Fußball sicherlich beitragen.

Die Teams der 1. und 2. Bundesliga müssen vor den Spielen eine Woche quasi abgeriegelt von der Außenwelt in Hotel-Quarantäne verbringen. Hätten Sie das in Ihrer Profizeit mitgemacht?

Wiblishauser: Wir hatten beim 1. FC Nürnberg damals, als wir um den Aufstieg gespielt haben, vor entscheidenden Spielen auch ein Hotel für ein Kurz-Trainingslager bezogen. Das waren aber nur zwei, drei Tage. Eine ganze Woche vor einer normalen Partie nur mit dem Team im Hotel zu verbringen, das ist schon eine ganz besondere Situation. Das ist nur schwer vorstellbar.

... und dann geht’s in Geisterspielen ohne Zuschauer um wichtige Punkte. Auch eine komische Vorstellung.

Wiblishauser: Geisterspiele an sich sind ja nichts Neues. Wir hatten damals mit Nürnberg auch eins in Aachen. Ich war allerdings nicht dabei, weil der Körper zwei Tage zuvor gestreikt hat. Ich bin sehr gespannt, wie diese Spiele ablaufen. Fußball besteht auch aus Emotionen, man wird als Mannschaft von den Fans getragen. Das wird für die Spieler eine große Umstellung.

Es gibt Mannschaften wie beispielsweise Union Berlin, die besonders heimstark sind. Vor allem wegen der Kulisse im eigenen, kleinen Stadion, das bei Heimspielen immer ausverkauft ist. Glauben Sie, diese besondere Atmosphäre in Geisterspielen könnte am Ende im Kampf um Meisterschaft, um Auf- und gegen Abstieg vielleicht sogar zum Zünglein an der Waage werden?

Wiblishauser: Wenn man von den eigenen Fans nach vorne geschrien wird, setzt das bei den Spielern noch einmal zusätzliche Leistungsfähigkeit frei. Wenn dieser Antrieb von der Tribüne jetzt fehlt, könnte das dem einen oder anderen Team schon zusetzen.

Haben Sie Hoffnung, dass es nach dieser Saison ganz normal weitergeht, mit dem Fußball, wie wir ihn kennen?

Wiblishauser: Sehr sogar. Es ist eine ganz andere Hausnummer, ob man als Fan im Stadion oder zuhause vor dem Fernseher sitzt, ob die Mannschaften vor 75.000 Zuschauern spielen oder auf nackten Beton schauen. Wir haben in Nürnberg auch immer mal wieder Vorbereitungsspiele im Winter gehabt, die wir im fast leeren Stadion ausgetragen haben. Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht.


Diskutieren Sie solche Dinge ab und zu auch noch mit Mitspielern von früher?

Wiblishauser: Ja, das ist für uns alle ein großes Thema. Das, was man ein Leben lang gemacht hat, kommt plötzlich zum Stillstand. Darius Kampa zum Beispiel, mein ehemaliger Mitspieler aus Nürnberg und ein sehr umgänglicher Typ, hat während der Corona-Krise die Kampagne „Victory over Corona“ gestartet (Lesen Sie hier: Ex-FCA-Torwart Darius Kampa bloggt nur gute Nachrichten). Auf seiner Plattform werden ausschließlich positive, und faktenbasierte Nachrichten veröffentlicht. Zum Beispiel die Zahl der weltweit wieder genesenen Corona-Patienten. Ich habe vor ein paar Tagen eine dreiviertel Stunde mit ihm telefoniert und es hat sich angefühlt, als wären wir erst gestern noch zusammen in der Kabine gesessen und hätten uns auf das Spiel vorbereitet.

Apropos Vorbereitung: Die Profis der 36 Erst- und Zweitliga-Vereine hatten kaum Zeit, sich intensiv auf den Neustart einzustellen. Ein riskanter Zeitplan, oder?

Wiblishauser: Als Trainer und Heilpraktiker bin ich gespannt, wie sich die verdammt kurze Vorbereitungszeit auf die Gesundheit der Spieler auswirken wird. Normalerweise hat man dafür mindestens sechs Wochen, jetzt waren die Fußballer nach dem plötzlichen Abbruch und der Pause wesentlich kürzer auf dem Platz. Ich habe die Befürchtung, dass dadurch die muskulären Verletzungen, auch schwerere, mehr werden könnten. Spinningeinheiten und andere Übungen abseits des Platzes sind zwar gut, aber es gibt Dinge, die kann man einfach nicht simulieren.

Glauben Sie, dass diese Krise für die Zukunft des Fußballs auch Positives bewirken kann?

Wiblishauser: Ich habe zu meiner Zeit die Kirch-Krise miterlebt, in der die Fernsehgelder gekürzt wurden und sich der Markt sondiert hat. Ich kann mir vorstellen, dass jetzt alles wieder ein bisschen geerdet wird. Wir dürfen die Zukunft trotzdem nicht aus den Augen verlieren. Aber es kann nicht immer nur höher, schneller, weiter gehen. Das gilt nicht nur für den Sport, sondern auch für viele andere Bereiche des Lebens.

Zur Person:

Frank Wiblishauser, 42, stammt aus Memmingen. 1994 wechselte er als 16-jähriger Nachwuchsfußballer vom FCM zum FC Bayern München. Seine erfolgreichste Zeit hatte Wiblishauser von 2000 bis 2005 beim 1. FC Nürnberg. Mit dem „Club“ stieg er zweimal in die Bundesliga auf, aber auch einmal ab. Weitere Stationen waren der FC St. Gallen (2005/2006) und TuS Koblenz (2006 bis 2010). Nach seinem Karriereende trainierte Wiblishauser den TV Bad Grönenbach (2013 bis 2017) und den TSV Kottern (2017/2018). Seit 2012 betreibt er eine Naturheilpraxis in Memmingen.

Lesen Sie hier:

Ein Bad Wörishofer ist beim Neustart der Bundesliga live dabei

FCA-Trainer Herrlich glaubt nicht an Jubelverbot

FCA-Trainer Herrlich hat sich einen schweren Fehlgriff geleistet

DFL legt weitere Partien fest: FCA vor englischer Woche


Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren