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TSV Mindelheim

20.04.2015

„Football – bloody hell“

In dieser Szene keimte die Hoffnung wieder auf: Tobias Kugelmann (Zweiter von links) hat eben den 1:1-Ausgleich erzielt.
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In dieser Szene keimte die Hoffnung wieder auf: Tobias Kugelmann (Zweiter von links) hat eben den 1:1-Ausgleich erzielt.
Bild: Andreas Lenuweit

Die Schlussphase der Bezirksligapartie zwischen dem TSV Mindelheim und dem Kissinger SC war an Dramatik kaum zu überbieten – und erinnert an ein legendäres Europapokalfinale.

Schotten sind sparsam. So benötigte der legendäre Alex Ferguson auch nur drei Worte, um das Unfassbare an jenem 26. Mai 1999 zu beschreiben: „Football – bloody hell“ (Fußball – verdammte Hölle) entfuhr es ihm nach dem 2:1-Sieg in der Nachspielzeit von Manchester United im Champions-League-Finale gegen den FC Bayern München.

Ähnliches dürfte auch Marcus Eder am Samstagnachmittag durch den Kopf gefahren sein. Denn das Spiel zwischen seinem TSV Mindelheim und dem Kissinger SC endete beinahe noch aberwitziger.

Es läuft die 87. Spielminute: Bei einem eigenen Foulspiel verletzt sich Mindelheims Tobias Baur am Knöchel und wird vom Platz getragen. Der TSV Mindelheim kann nicht mehr wechseln, muss die Partie also in Unterzahl zu Ende spielen. Zu diesem Zeitpunkt steht es 1:1 – ein Ergebnis, das womöglich viele Mindelheimer vorher gerne unterschrieben hätten. Schließlich gastierte der Tabellenzweite am Mühlweg. Der war in der ersten Halbzeit, die vom TSV Mindelheim dominiert wurde, mit seiner einzigen Torchance durch Jonas Gottwald in Führung gegangen (34.). Diese hatte, nur wenige Minuten nach seiner Einwechslung, Tobias Kugelmann ausgeglichen (65.). Zuvor hatten die Mindelheimer Glück, dass Kissings Dominik Koch „eine tausendprozentige Chance“ (Kissings Trainer Sören Dreßler) vergab, als er allein vor dem leeren Tor vorbeischoss. Ähnlich kläglich vergab Fränki Rajc in der 86. Minute, als er aus fünf Metern nur die Latte traf.

Nun laufen also die letzten Minuten, eine Nachspielzeit drängt sich wegen einiger Verletzungsunterbrechungen auf. In der 88. Minute bringt Tobias Kugelmann seinen Teamkollegen Tobias Brugger mit einem Rückpass in Bedrängnis, Kissings Sebastian Lang zieht auf und davon, verzettelt sich aber letztlich. Besser macht es in der ersten Minute der Nachspielzeit Mindelheims Patrick Eckers: Er steht plötzlich frei vor Torhüter Robin Scheurer und trifft zur Mindelheimer Führung – wohlgemerkt in Unterzahl.

Es folgen hektische Minuten mit einigen strittigen Schiedsrichterentscheidungen. In der 93. Minute bekommt Kissing einen Freistoß aus dem Halbfeld zurecht zugesprochen. In diese Flanke hält Dardan Gashi seinen Kopf und trifft zum 2:2-Ausgleich. Und als ob das nicht genug gewesen wäre, leistet sich die Mindelheimer Abwehr in der 94. Minute ein emsiges Durcheinander, an dessen Ende Dominik Koch den Ball über die Linie bugsiert – 2:3.

Schiedsrichter Carsten Spindler gibt dem Torschützen, der sich das Trikot über den Kopf zieht zwar noch die Gelbe Karte, pfeift die Partie jedoch unmittelbar danach ab. Während die Mindelheimer Spieler in den Rasen sinken, tanzen die Kissinger zu „Spitzenreiter, Spitzenreiter!“-Sprechchören.

„Die letzten Minuten haben gezeigt, warum wir oben stehen“, sagte Kissings Sören Dreßler nach der Partie und meinte damit mehr die Moral seiner Mannschaft als deren Torgefahr. „Es ist selten, dass wir in einem Spiel solche Torchancen haben. Wir sind keine Mannschaft, die andere an die Wand spielt.“

Marcus Eder, der übrigens Mario Spendel für den zuletzt unsicheren Dennis Motzer beordert hatte, war entsprechend bedient: „Da spielen wir so gut, spielen Kissing an die Wand und schmeißen am Ende wieder alles weg.“

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